Zum Hauptinhalt springen

Todesschütze von Ferguson quittiert Polizeidienst

Der Beamte, der den unbewaffneten Michael Brown erschossen hat, wird nicht mehr als Polizist arbeiten. Er wolle mit seinem Rücktritt helfen, die Gemeinde zu «heilen».

Polizist Darren Wilson bei einer medizinischen Untersuchung nach den Todesschüssen auf Michael Brown in Ferguson.
Polizist Darren Wilson bei einer medizinischen Untersuchung nach den Todesschüssen auf Michael Brown in Ferguson.
Keystone
Michael Brown wurde nur 18 Jahre alt.
Michael Brown wurde nur 18 Jahre alt.
politicususa.com
Polizist Wilson, 28 Jahre alt, bei einem Fergusoner Behördenmeeting im letzten Februar.
Polizist Wilson, 28 Jahre alt, bei einem Fergusoner Behördenmeeting im letzten Februar.
Keystone
1 / 5

Darren Wilson will nach seinen Todesschüssen auf Michael Brown nicht mehr Polizist sein. Offenbar konnte der 28-Jährige nicht mehr damit leben, als Symbol für Polizeigewalt gegen Schwarze dargestellt zu werden.

Als Folge seiner tödlichen Schüsse auf den schwarzen Teenager Michael Brown ist Darren Wilson aus dem Dienst der Polizeibehörde von Ferguson ausgeschieden. Das gab einer seiner Anwälte, Neil Bruntrager, am Samstagabend (Ortszeit) in Ferguson im US-Staat Missouri bekannt, wo es am 9. August zu den Todesschüssen auf den 18-jährigen Brown gekommen war. Sein Rückzug finde mit sofortiger Wirkung statt, erklärte Bruntrager.

Wilson sagte der Zeitung «St. Louis Post-Dispatch», er trete aus seinem «eigenen freien Willen» zurück, nachdem die Polizeibehörde ihm gesagt habe, dass ihr Gewalt angedroht wurde, sollte er weiterhin im Dienst bleiben. «Ich möchte nicht, dass jemand anderes wegen mir verletzt wird», sagte der 28-Jährige der Zeitung. Er hoffe, sein Rücktritt werde helfen, die Gemeinde von Ferguson zu «heilen».

Demonstranten zucken mit den Schultern

Der Anwalt der Familie von Michael Brown, Benjamin Crump, kommentierte Wilsons Schritt in den Stunden nach der Bekanntgabe nicht. Auch eine Reaktion von Fergusons Polizeichef Tom Jackson blieb bis in die Nacht zum Sonntag aus. Demonstranten, die in Ferguson protestierten, zuckten lediglich mit den Schultern, als sie auf Wilsons Rückzug angesprochen wurden.

Die Schüsse aus Wilsons Dienstwaffe hatten in den USA eine landesweite Debatte über Polizeigewalt gegen Dunkelhäutige ausgelöst. Im Zuge der Geschworenen-Entscheidung, Wilson nicht anzuklagen, war es in dieser Woche in vielen US-Städten zu erneuten teils gewalttätigen Demonstrationen gekommen.

Der 28-jährige Wilson war seit den tödlichen Schüssen beurlaubt gewesen und monatelang untergetaucht. Erst nach der Jury-Entscheidung am Montag hatte er in einem Interview mit dem TV-Nachrichtensender ABC sein Schweigen gebrochen und gesagt, er habe nicht anders handeln können in der Situation. Die Schüsse auf Brown seien die ersten gewesen, die er als Polizist in Ferguson habe abgeben müssen. Wäre Brown weiss gewesen, hätte er nicht anders gehandelt, sagte der Polizist.

«Ich würde wieder auf Michael Brown schiessen»: Darren Wilson in seinem ersten Interview nach dem Zwischenfall. (Video: Reuters)

«Wir waren nicht hinter seinem Job her»

Der junge Mann begann seine Polizeikarriere in der nahegelegenen Kleinstadt Jennings, ehe er vor einigen Jahren nach Ferguson wechselte. Beschwerden gegen ihn hätten nicht vorgelegen, berichtete der Polizeichef Thomas Jackson, der ihn als «einen exzellenten Polizeibeamten» bezeichnete. Wenige Monate vor den Schüssen auf Brown hatte der 28-Jährige eine Auszeichnung für die Festnahme eines Verdächtigen in einem Drogenfall bekommen.

Die Jury hatte im Fall Brown mehr als drei Monate lang Beweismittel gesichtet, um am Montag zu dem Schluss zu kommen, den 28-Jährigen nicht wegen der Schüsse anzuklagen. Der Polizist selbst hatte vor den Geschworenen ausgesagt, Angst um sein Leben gehabt zu haben, als Brown auf ihn losgegangen sei und nach seiner Dienstwaffe gegriffen habe. Das US-Justizministerium verfolgt weiterhin eine eigene Ermittlung wegen der Schüsse sowie eine weitere Untersuchung der Praktiken des Polizeidezernats von Ferguson.

Der Bürgerrechtler Al Sharpton, der vor wenigen Tagen gemeinsam mit Browns Mutter in New York City für Gerechtigkeit gebetet hatte, erklärte der Nachrichtenagentur AP: «Wir waren nicht hinter dem Job von Wilson her. Wir waren hinter der Gerechtigkeit für Michael Brown her.»

(sda/AP)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch