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Tiger Schnuckel verlässt «schlimmsten Zoo der Welt»

Der Zoo im Gazastreifen ist geschlossen. Seine Bewohner sind nun auf dem Weg in ein besseres Leben.

Er tritt die längste Reise an: Tiger Lasis (deutsch Schnuckel) wird vor seinem Transport im Tierspital von Beit Dagan bei Tel Aviv betäubt, untersucht und geimpft. (24. August 2016)
Er tritt die längste Reise an: Tiger Lasis (deutsch Schnuckel) wird vor seinem Transport im Tierspital von Beit Dagan bei Tel Aviv betäubt, untersucht und geimpft. (24. August 2016)
Menahem Kahana, AFP
Der Tiger wurde zuvor aus dem Zoo von Khan Junis im Gazastreifen evakuiert: Kinder schauen bei der Untersuchung des Tigers zu.
Der Tiger wurde zuvor aus dem Zoo von Khan Junis im Gazastreifen evakuiert: Kinder schauen bei der Untersuchung des Tigers zu.
Menahem Kahana, AFP
Ein Affe in der Transportbox.
Ein Affe in der Transportbox.
Mohammed Abed, AFP
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Etwas Besseres als den Tod im Gazastreifen finden sie überall: Der Tiger Lasis (Arabisch für «Schnuckel»), Emus, Affen und die weiteren Bewohner des kriegsgeschädigten Zoos in Khan Junis wurden am Mittwoch über den Grenzübergang Eres Richtung Israel gebracht. Die internationale Tierschutzstiftung «Vier Pfoten» wird sie dort sowie in Jordanien und Südafrika in geeigneteren Refugien unterbringen.

Am Vorabend hatte die Evakuierung auf dem Zoogelände am Südrand des Gazastreifens begonnen, das vor zwei Jahren im 50-tägigen Krieg zwischen Israel und radikalen Palästinensergruppen schwer beschädigt wurde. Drei angereiste Tierärzte von «Vier Pfoten» und ihre Helfer betäubten die letzten 16 Tiere in den Gehegen, untersuchten und impften sie, bevor sie in speziellen Transportbehältern untergebracht wurden. Die Tierschutzorganisation nennt den Tierpark den «schlimmsten Zoo der Welt»

Südafrika, Israel und Jordanien

Projektleiter Amir Khalil, ein österreichischer Tierarzt mit ägyptischen Wurzeln, war zum bereits siebten und nunmehr letzten Mal in das isolierte Küstengebiet gereist, um dort Tiere aus elenden Haltungsbedingungen zu retten. «Das Aus für den hiesigen Zoo bedeutet ein neues Leben für Tiger Lasis und die anderen Tiere, die bisher in desolaten Käfigen dahin vegetieren und unter Mangel leiden mussten», erklärt er.

Die weiteste Reise trat Tiger «Schnuckel» an, der im von «Vier Pfoten» eingerichteten Grosskatzenrefugium Lionsrock bei Bethlehem in Südafrika ein neues Zuhause finden wird. Schildkröten, Emus und ein Stachelschwein kommen in der jordanischen Schutzstation «New Hope Center» unter. Die fünf Affen finden in Israel Platz in einem Schutzgebiet für Primaten. Auch Rehe, Adler und ein Pelikan gehörten zu der seltenen Reisegruppe.

«Operation Safari»

Diese passierte reibungslos den hermetisch bewachten Grenzübergang in Eres, da die «Operation Safari» mit dem israelischen Verteidigungsministerium im Vorfeld genau koordiniert worden war. Die knapp zwei Millionen Palästinenser im Gazastreifen haben dagegen kaum eine Möglichkeit, die Enklave zu verlassen, die von Israel und Ägypten weitgehend abgeriegelt wird.

Weil dort die Wirtschaft aufgrund von Blockade und kriegerischen Auseinandersetzungen kaum noch funktioniert, können sich die Bewohner das Eintrittsgeld für einen Zoo nicht mehr leisten. In Khan Junis waren einst hundert Tiere zu bewundern, von denen viele im Sommerkrieg von 2014 starben.

Auch deshalb war der Besitzer Siad Aweda einverstanden, dass sein Zoo geschlossen wird. «Ich bin nun sehr traurig», klagt er im Gespräch mit AFP. «Aus Libyen, dem Sudan, Ägypten und sogar Südafrika habe ich die Tiere geholt», berichtet er. Tiger «Schnuckel» trat nun seine Reise in umgekehrter Richtung an.

AFP/rub

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