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Teenager wurde gezwungen, Rebellen zu töten

Muammar al-Ghadhafis Truppen haben eine 19-jährige Libyerin zur Mörderin gemacht. Mit der Pistole am Kopf wurde die junge Frau gezwungen, in einem Gefängnis in Tripolis elf Rebellen zu erschiessen.

Erzählt einer CNN-Reporterin von ihren Erlebnissen: Die 19-jährige Libyerin Nisreen im Spital in Tripolis. (Bild: CNN)
Erzählt einer CNN-Reporterin von ihren Erlebnissen: Die 19-jährige Libyerin Nisreen im Spital in Tripolis. (Bild: CNN)

Völlig erschöpft liegt die junge Frau namens Nisreen in einem Spitalbett in Tripolis und erzählt von ihren Erlebnissen. «Ein Rebell nach dem anderen wurde hereingeführt», erzählt die 19-Jährige gegenüber dem Fernsehsender CNN. Drei Soldaten von Ghadhafis Truppen seien neben ihr gestanden – einer links, einer rechts und einer hinter ihr.

Als der erste Aufständische dann vor ihr gestanden habe, hätten ihr die Soldaten die Anweisung gegeben, die Pistole zu nehmen und abzudrücken. «Wenn du ihn nicht erschiesst, erschiessen wir dich», soll ein Soldat gesagt haben. «Ich machte die Augen zu, drehte den Kopf zur Seite und drückte ab», erzählt sie. Danach musste die Libyerin noch weitere zehn Rebellen erschiessen und wurde damit zur mehrfachen Mörderin.

Abgeschottet von Familie und Freunden

Während Jahren wurde Nisreen in Ghadhafis Militärakademie für Frauen ausgebildet – abgeschottet von Familie und Freunden. Die meisten der jungen Frauen dort seien Anhängerinnen des Ghadhafi-Regimes gewesen, erzählt sie. Sie selbst habe nie dazu gehört. Einmal habe ihr Bruder sie rausholen wollen. Er sei aber unter Gewaltandrohung zurückgewiesen worden.

Als im Februar die Aufstände in Libyen ihren Anfang nahmen, wurde Nisreen zu einem Kommandanten auf dem Areal des Palasts Bab al-Aziziya gebracht. Dieser habe sie zweimal vergewaltigt – in den Armen von zwei anderen Soldaten. Laut Nisreen werden alle Frauen der Armee regelmässig vergewaltigt und danach gezwungen zu schweigen.

«Ich will nur noch nach Hause»

Erst vor wenigen Tagen konnte die junge Libyerin fliehen. Sie sprang aus dem zweiten Stock eines Hauses, als dieses unter Beschuss geraten war, und rettete sich ins Spital. Die Ärztin dort traute ihren Ohren nicht, als sie von Nisreens Geschichte hörte. «Es ist kaum vorstellbar, was Nisreen durchmachen musste», sagte die Ärztin Nadia Benyounis gegenüber CNN. Ob Nisreen nach ihrer Genesung für ihre Taten geradestehen muss, ist unklar. «Ich glaube nicht, dass Nisreen die Absicht hatte, jemanden zu töten», erklärte Benyounis. Nisreen selbst hofft auf Verständnis. Für sie ist aber klar: «Ich will nur noch nach Hause, zu meiner Mutter.»

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