Sturmschäden: Das müssen Haus- und Autobesitzer jetzt wissen

Umgestürzte Bäume, beschädigte Häuser und Autos: Wir zeigen, wann die Versicherung zahlt.

Hat schwere Schäden verursacht: Burglind zieht durch die Schweiz. (3. Januar 2018) Video: Tamedia

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Gestern fegte das Sturmtief Burglind mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometer pro Stunde über die Schweiz. Mindestens 16 Menschen wurden verletzt, Bäume entwurzelt, Häuser und Autos beschädigt, und es kam zu zahlreichen Zug- und Stromausfällen. Die Schäden gehen in die Millionen.

Doch wer kommt dafür überhaupt auf? Laut Bundesgesetz müssen Versicherungen Elementarschäden voll­um­fäng­lich entschädigen. Das sind Schäden, die durch das Wirken der Natur verursacht werden, zum Beispiel bei Hagel, Überschwemmungen oder Erdrutschen. Auch Sturmschäden sind ab einer Windgeschwindigkeit von 75 km/h innerhalb der Elementarschadenversicherung gedeckt. Die Vergleichsplattform Comparis.ch erklärt, was bei einem Schaden zu beachten ist.

Ob nun das Fenster zerbrochen ist, ein Blitzeinschlag fest installierte Geräte zerstört hat, Ziegel vom Dach gerissen oder Storen auf dem Balkon zerstört wurden – in den meisten Kantonen sind alle Sturmschäden am Haus über die kantonale Gebäudeversicherung obligatorisch versichert. Besitzer müssen diese melden. Mieter wenden sich am besten an die Verwaltung.

Burglind hinterliess auch in Deutschland schwere Schäden: Aufräumarbeiten in Ratingen. (Bild: David Young, Keystone)

Voraussetzung dafür, dass die Versicherung zahlt: Die Versicherten müssen vor dem Sturm Massnahmen treffen, um Schäden zu verhindern. Hat der Mieter beispielsweise die Storen vorher nicht eingefahren, hat er grob fahrlässig gehandelt und die Versicherung kommt nicht für den ganzen Schaden auf. Dann kommt meist die Privathaftpflicht des Mieters zum Zuge.

In sieben Kantonen ist die Situation zusätzlich speziell: In Uri, Schwyz und Obwalden ist eine Gebäudeversicherung zwar obligatorisch, muss aber nicht beim Kanton abgeschlossen werden. Appenzell Innerrhoden, das Wallis, das Tessin und Genf kennen gar kein Obligatorium zum Abschluss einer Gebäudeversicherung.

Sturmschäden am Fahrzeug gelten als Elementarschäden – unabhängig davon, welcher Gegenstand das Auto oder das Motorrad getroffen hat. Dafür kommt die Voll- oder Teilkaskoversicherung des Halters auf. Je nach Höhe des Schadens verlangen einige Versicherungen allerdings eine Besichtigung durch ihren Experten. Deshalb lohnt es sich, wenn die Reparaturwerkstatt bereits eine erste Schadenschätzung der Versicherung mitteilen kann.

Wer keine Motorfahrzeugversicherung hat, muss für den Schaden selbst aufkommen oder beweisen, dass der Besitzer des Gegenstandes, der das Auto traf, fahrlässig gehandelt hat.

Beschädigte Gegenstände auf dem Balkon, der Terrasse, im Garten oder vor dem Haus sind über die Hausratversicherung gedeckt. Für kaputte Blumentöpfe und Möbel, eine heruntergerissene Weihnachtsbeleuchtung, ein beschädigtes Velo oder Trampolin kommt also im Normalfall die Versicherung auf.

Bei grösseren Beträgen fordern die meisten Versicherungen jedoch Kaufbelege der beschädigten Objekte ein. Diese müssen eingescannt oder auch abfotografiert werden und zusammen mit den Fotos des entstandenen Schadens auf das Online-Formular der entsprechenden Versicherung geladen werden. Die meisten Versicherungen bieten ein solches Schadensformular an.

Zunächst übernimmt die Unfallversicherung des Verletzten die Arztkosten. Handelt es sich beim Gegenstand aber um einen Blumentopf, der von einem Mieter ungesichert aufs Fenstersims gestellt worden ist, kann die Unfallversicherung diesen in die Pflicht nehmen. Hat der Mieter grob fahrlässig gehandelt, kommt dessen Privathaftpflichtversicherung für allfällige Schadenersatzansprüche auf. Wird eine Person durch herunterfallende Gebäudeteile verletzt, kommt die Gebäudehaftpflichtversicherung zum Zug.


Von einem leisen Zug bis zum Orkan: Die Beaufortskala. (Grafik: Viviane Futterknecht, Klaudia Meisterhans) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.01.2018, 12:50 Uhr

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