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Strom-Tanz in der Elektro-Disco

Weltneuheit: In Rotterdam kann man ökologisch abtanzen, die Hüpfbewegung generiert Elekrizität.

Je höher man hüpft, desto grüner leuchtet der Tanzboden.
Je höher man hüpft, desto grüner leuchtet der Tanzboden.
Keystone

Auf den ersten Blick sieht es im Dance-Club «Watt» aus wie in jeder Disco: Die Farbe Schwarz dominiert Wände und Boden, und an der Decke hängen die üblichen Scheinwerfer und Spiegelkugeln. Wer jedoch die Tanzfläche betritt, macht unwillkürlich einen Schritt zurück, denn die 66 Bodenplatten geben um einen Zentimeter nach. Und je mehr darauf herumgehopst wird, desto heller flackern grüne, gelbe oder rote im Boden versenkte Lämpchen auf.

Im weltweit ersten nachhaltigen Tanztempel in Rotterdam produzieren die Tänzerinnen und Tänzer ihren eigenen Strom. Ihre Bewegungen verursachen Schwingungen im Tanzboden, die mit Hilfe von Dynamos in Elektrizität umgewandelt werden. Pro Person und Abend seien es zwischen 10 und 25 Watt, rechnet Direktor Michel Smit vor. Ein Energiemesser am Rand der Bühne zeigt an, wie viel Strom die Tanzenden im Moment produzieren. Gelingt es ihnen, durch hartes Stampfen den Energiepegel auf den höchsten Punkt zu treiben, leuchtet die ganze Tanzfläche grün auf.

Mehr als ein Prozent des Strombedarfs generieren die Tanzwütigen aber nicht. Das hätten sie auch nicht erwartet, sagt Smit, denn «wir stehen erst am Anfang unserer Erfindung». Der Initiator vergleicht die Platten seines Öko-Tanzbodens mit den allerersten Sonnenkollektoren vor dreissig Jahren. Auch er müsse noch ein paar Mal über die Bücher. Inzwischen experimentiert er aber bereits mit der zweiten Generation der flexiblen Tanzflächenplatten. Das ist auch nötig, denn bereits verhandelt der junge Niederländer mit Clubs in Berlin, Toronto, São Paulo und Sydney.

«Watt» soll einmal 30 Prozent umweltfreundlicher sein als ein herkömmlicher Tanzschuppen, lautet das Ziel der Öko-Disco-Betreiber. Bereits wird für die Spülung der Toiletten Regenwasser benutzt, statt Glühbirnen stecken Stromsparlampen und energiefreundliche LED-Lämpchen in den Fassungen, und an der Bar gibt es keine Gläser, sondern wiederverwertbare Kunststoffbecher.

Nur ein Fünftel der Fläche

Die Jugend nimmts gelassen zur Kenntnis. Vom Energieproduzieren merke sie nichts, keucht eine junge Tänzerin, aber das Konzept leuchte ein, sie habe nicht gewusst, dass Discos solche Energiefresser seien. Auch ein Mittdreissiger ist begeistert von der wabbeligen Tanzbühne. «Schade nur», sagt er, «dass in diesem grossen Club nur gerade ein Fünftel der Tanzfläche nachhaltig angelegt wurde.»

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