Zum Hauptinhalt springen

Sorgen um die Zukunft der Schweizergarde

Am Samstag wird der Kommandant der Schweizergarde im Vatikan ausgewechselt. Nun kommen Spekulationen auf: Will der Papst die Garde gar abschaffen?

Wohin geht es mit der Schweizergarde? Der Papst begrüsst mit dem abtretenden Kommandanten Anrig die neuen Schweizergardisten. (5. Mai 2014)
Wohin geht es mit der Schweizergarde? Der Papst begrüsst mit dem abtretenden Kommandanten Anrig die neuen Schweizergardisten. (5. Mai 2014)
Keystone

In ihren pittoresken Uniformen zählen sie vor den Toren des Vatikans und auf dem Petersplatz zu den beliebtesten Fotomotiven für Touristen: Die Mitglieder der Schweizergarde, die seit 1506 für den Schutz des Oberhaupts der römisch-katholischen Kirche zuständig ist.

Die Garde ist im Vatikan eine Institution mit langer Tradition – und doch fürchten Beobachter um ihre Zukunft. Denn seit seinem Amtsantritt vor knapp zwei Jahren wirbelt Papst Franziskus in Rom viel durcheinander, nun gibt es auch bei der Schweizergarde erste Veränderungen.

Unfreiwilliger Abgang?

Am Samstag gibt der bisherige Kommandant Daniel Rudolf Anrig sein Amt auf. Eine Entscheidung, die im Dezember mit wenigen nüchternen Zeilen in der Vatikan-Zeitung «Osservatore Romano» angekündigt wurde, aber heftige Reaktionen auslöste. Journalisten spekulierten, der 42-Jährige gehe nicht freiwillig.

Franziskus wolle Veränderungen an der Spitze der Garde durchsetzen. Sogar von einem kompletten Aus für die Garde war die Rede – stattdessen wolle sich der Pontifex lieber auf die gut ausgebildeten Sicherheitskräfte des Vatikans verlassen. Einen Nachfolger für Anrig gibt es ebenfalls noch nicht. Vize-Kommandant Christoph Graf wird ad interim die Leitung übernehmen.

Papst wollte Erneuerung

Sogar der Papst äusserte sich anschliessend zu der Entscheidung, was den Gerüchten jedoch kein Ende setzte. Es sei ihm nur um eine gesunde und normale Erneuerung gegangen, sagte Franziskus der argentinischen Zeitung «La Nácion». Anrig sei eine «hervorragende Person, ein guter Katholik, mit einer hervorragenden Familie».

Trotz dieser Aussage scheinen weitere Veränderungen in den kommenden Monaten nicht ausgeschlossen – laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa wünscht sich Franziskus jedenfalls eine weniger militärische und menschlichere Garde. Ehemalige Gardisten starteten sogar eine Unterschriftenaktion, um den Papst zum Erhalt der Garde zu bewegen. Diese wurde jedoch kurze Zeit später auf Betreiben der Vereinigung der ehemaligen Gardisten wieder eingestellt.

Es gebe «keinerlei objektive Anhaltspunkte», dass der Papst die Garde abschaffen könne, heisst es in einer Mitteilung der Vereinigung. Man sei überzeugt, dass die Garde auch weiterhin «das uneingeschränkte Vertrauen und die Wertschätzung» des Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche geniesse.

Vorwürfe gegen Anrig

Doch vor allem der scheidende Kommandant Anrig, der seit 2008 an der Spitze der Garde stand, war in die Schlagzeilen geraten. Ehemalige Gardisten warfen ihm in Schweizer Medien anonym vor, «jede Bodenhaftung» verloren zu haben, «arrogant und überheblich» gewesen zu sein. Auch der Bau eines neuen grossen Apartments auf dem Gelände der Kaserne der Schweizergarde für Anrig und seine Familie sei beim Bescheidenheit predigenden Franziskus nicht gut angekommen. Nach Ansicht der Vereinigung der Ex-Gardisten eine «Rufmordkampagne».

Die Schweizergarde hat eine lange Tradition und legt viel Wert auf ihre Prinzipien. Wer Rekrut werden will, muss praktizierender Katholik, ledig, nicht älter als 30 und Schweizer Bürger sein. Jedes Jahr werden im Mai in einer feierlichen Zeremonie neue Rekruten vereidigt, die schwören, dem Papst und seinen Nachfolgern «treu, redlich und ehrenhaft zu dienen». Wie die Prinzipien und die Zukunft der Garde unter Papst Franziskus aussehen werden, könnte laut italienischen Medienberichten zumindest hinterfragt werden.

SDA/rar

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch