So bleiben Sie immer schön cool

Während die einen das Dauerhoch geniessen, stöhnen die anderen wegen der Hitze. Mit ein paar einfachen Tricks kommen Sie durch die heisse Jahreszeit.

In heissen Tagen tut ein Sprung ins Wasser besonders gut. Foto: Valentin Flauraud (Keystone)

In heissen Tagen tut ein Sprung ins Wasser besonders gut. Foto: Valentin Flauraud (Keystone)

Stefan Aerni

Seit Wochen heizt die Sonne ein. Meteorologen vermelden Temperaturrekorde. Felder und ­Wiesen verdorren. Die Böden werden rissig und staubig, Bäche und Flüsse drohen zu versiegen. Doch nicht nur die Natur leidet. Auch der Mensch muss mit ­seinen ­Ressourcen haushälterisch umgehen. Zum Glück ist unser ­Organismus aber ein Meister der Anpassung: «Um die Körper­temperatur trotz Um­gebungs­hitze konstant zu halten, sind verschiedene Regulationsvorgänge nötig wie etwa eine ­vermehrte Durchblutung oder das Schwitzen», erklärt Martin ­Narozny, Leiter des Sport­­medizinischen Zentrums Medbase in Zürich. «Würde die Körpertemperatur zu stark von 37 Grad ­abweichen, könnten verschie­dene Stoffwechselvorgänge nicht mehr funktionieren, der Mensch würde krank oder sogar sterben.»

Martin Narozny, medizinischer Leiter Medbase, Zürich.

Der Haken: Die Anpassung an die erhöhte Aussentemperatur fällt meist nur jungen und gesunden Menschen leicht – jenen also, für die dieser «Supersommer» endlos so weitergehen könnte. Für all die anderen kann es hilfreich sein, zu wissen, was die Hitze bewirkt und wie sie ­allenfalls erträglicher gemacht werden kann.

Was passiert im Körper?

Bei Hitze schalten wir unsere eigene Klimaanlage ein: Über die Haut gibt der Körper die überschüssige Wärme ab, er fängt an zu schwitzen. Was viele als lästig empfinden, ist in Wahrheit ein Segen. Denn könnten wir nicht schwitzen, müssten wir hecheln und zittern wie die Hunde, um keinen Hitzschlag zu erleiden. Wir brauchen den Schweiss, um uns immer wieder abzukühlen. Er verdunstet auf der Haut, und die Temperatur wird herunterreguliert. An der Schweissproduktion beteiligt sind rund drei Millionen Drüsen in der Haut. Sie geben kontinuierlich Flüssigkeit ab, auch bei normalen Aussentemperaturen. Dann produzieren wir freilich nur etwa einen halben Liter Schweiss pro Tag. An heissen Tagen wie jetzt im Sommer sind es dagegen locker ein bis zwei Liter, bei körperlicher Arbeit oder Sport sogar bis zu einem Liter in der Stunde! Unsere körpereigene Klimaanlage hat jedoch einen kleinen Nachteil: Durch die erhöhte Durchblutung der Haut sinkt der Blutdruck. «Deshalb fühlen wir uns in der Hitze oft matt und müde», sagt Sportarzt Narozny.

Was enthält der Schweiss?

Auch wenn es so aussieht, als gäbe der Körper beim Schwitzen nur Wasser ab – er verliert auch essenzielle Mineralstoffe (zum Beispiel Salz) und Spurenelemente. So gehen dem Körper pro Liter Schweiss durchschnittlich 40 Milligramm Kalzium und 20 Milligramm Magnesium verlustig. Magnesiummangel kann unter Umständen zu Muskelkrämpfen führen.

Wer ist gefährdet?

Die Hitze ist vor allem für alte Menschen eine Gefahr. So führte der Hitzesommer von 2003 Schätzungen zufolge in Europa zu 70'000 zusätzlichen Todesfällen; betroffen waren vorwiegend Alte und Hochbetagte. Dass diese Bevölkerungsgruppe am meisten unter hohen Temperaturen leidet, ist leicht zu erklären. Viele sind mit chronischen Erkrankungen vorbelastet wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Krankheiten. Hinzu kommt, dass mit zunehmendem Alter die Fähigkeit zu schwitzen abnimmt. Gleichzeitig geht oft auch das Durstgefühl verloren. «Deshalb ist bei älteren Menschen die Gefahr gross, dass sie austrocknen», sagt Ulrike Besold, Leitende Ärztin in der Akutgeriatrie am Kantonsspital Winterthur. «Ihr Organismus ist nur noch eingeschränkt in der Lage, auf Temperaturschwankungen zu reagieren.» Aber auch Kleinkinder sollten vor der Hitze geschützt werden: Bei ihnen ist die Thermoregulation noch nicht vollständig ausgebildet. Hitzeempfindlich sind auch alle, die an einer Krankheit leiden, insbesondere an Herz-Kreislauf-Problemen. Und nicht zu vergessen: Menschen mit Übergewicht. Denn Fettgewebe isoliert und behindert den Wärmeaustausch.

Gewöhnt man sich an die Hitze?

Ja. Menschen aus heissen Ländern haben sich der Hitze angepasst. Sie schwitzen früher und auch mehr. Die Antwort des Körpers auf Hitze lässt sich nämlich trainieren. Das wird Akklimatisation genannt. Nach ein, zwei Wochen hat sich der Körper mit verlangsamter Herzfrequenz, schnellerer Temperaturregulation und vermehrter und früherer Schweissproduktion an die neue, heisse Umgebung angepasst. Im Sport ist diese Akklimatisation besonders wichtig, will man die volle Leistung erbringen. Dazu muss auch in der Hitze trainiert werden, um eine komplette Akklimatisation zu ­erreichen. Je höher das vorbestehende Leistungsniveau, desto besser die Hitzeresistenz.

Gibts immer mehr Hitzeopfer?

Weltweit ist davon auszugehen. Wir werden immer älter, und ­wegen des Klimawandels wird es vermutlich immer wärmer. Das kann besonders im Sommer Folgen haben für die Gesundheit. Die reiche Schweiz ist aber in einer privilegierten Situation. «Wenn bei uns die gut ausgebauten Infrastrukturen funktionieren, können wir viel kompensieren», sagt Manfred Essig, Chefarzt innere Medizin am Berner Spital Tiefenau. «Wichtig ist allerdings, dass wir die oft allein lebenden alten Menschen beachten und gut betreuen.» Essig ist überzeugt, dass der Mensch in der Lage ist, sich ein Stück weit genetisch an die sich verändernden Lebensbedingungen anzupassen. «Doch das wird viele ­Generationen dauern.»

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