Zum Hauptinhalt springen

Singend und tanzend in die Rezession

Den Briten geht das Geld aus? Das kann einen Luxusladen wie Harrods nicht erschüttern. Ein bisschen «Mamma Mia!», und alles ist wieder gut. Musicals im Kaufhaus sollen die Kundschaft unterhalten.

Starkes Lockmittel: Musicals sollen im Harrods bald die Kundschaft unterhalten.
Starkes Lockmittel: Musicals sollen im Harrods bald die Kundschaft unterhalten.

Harrods war schon immer ein bisschen anders als die andern. Immerhin hat es einen Ruf - als berühmtestes Kaufhaus der Welt - zu verteidigen. Der Luxusladen im Londoner Stadtteil Knightsbridge führt nicht nur Waren, die man sonst wo nicht bekommen könnte. Er vermittelt seinen Kunden auch das Gefühl, geschätzte Gäste, hochverehrtes Publikum zu sein.

Mit seinen hehren Hallen, seinem ägyptischen Dekor und den wunderbar holzgetäfelten Aufzügen will Harrods Besucher aus aller Welt im Glauben wiegen, an einem ganz besonderen Ort angekommen zu sein (an dem die Exklusivität den Aufpreis lohnt). Der Pianist droben im georgianischen Restaurant gehört zu diesem Flair genauso wie die Opernsängerin, die hin und wieder auf der kleinen Balustrade über der Rolltreppe ihre Arien schmettert, um die Herzen der Besucher zu erweichen und ihre Kauflust zu stärken.

Kreditkrise setzt Kaufhäusern zu

Dass künftig stärkere Reizmittel gebraucht werden, weil es im Räderwerk der Insel-Ökonomie klemmt, und auch Urlauber vom Kontinent oder aus Amerika mehr auf ihr Geld schauen, ist Harrods-Besitzer Mohamed al-Fayed klar. Kreditkrise, Wachstumseinbruch und Rekordverschuldungen setzen schon vielen Kaufhäusern in London bedenklich zu.

Mit einem Selbstbewusstsein, von dem Next oder Marks & Spencer nur träumen können, trotzt man bei Harrods indes der Angst vor der Rezession . In Knightsbridge wird nicht geklagt. In Knightsbridge zieht man singend und tanzend in die Schlacht um den Anteil am kommerziellen Kuchen. Um sein Prestige, um seinen überaus kostbaren Ruf zu wahren, hat sich Harrods etwas Neues einfallen lassen, womit es potenzielle Käufer bei der Stange halten will.

Musicals im Kaufhaus

Im September und im Oktober sollen nicht mehr nur einzelne Sängerinnen, sondern ganze Kulturtrupps die Kundschaft unterhalten. 20-minütige Aufführungen sind geplant, in al-Fayeds Laden, mit dem Englischen Nationalballett, den Stars des BBC-Tanzturnier-Dauerbrenners «Strictly Come Dancing» und populären Musicalstücken, die man sich bei den Theatern des benachbarten West End ausleihen will.

Ein Häppchen «Mamma Mia!» hier, eine Kostprobe «Chicago» da sollen das Harrods-Publikum auf den rechten Antirezessionsgeschmack bringen. Gereicht werden die Entertainment-Bissen natürlich gratis. «Da draussen herrscht die reinste Weltuntergangsstimmung», drückt es Harrods-Generaldirektor James McArthur aus. «Hier bei uns wollen wir wenigstens für Spass und Unterhaltung sorgen.»

Die Wohlbetuchten in London brauchen vom Niedergang ja nichts zu wissen. Anders als die eher biederen Rivalen in der Oxford Street verzeichnet das Kaufhaus Harrods zurzeit immer noch eine Steigerungsrate von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zu Musicalklängen und Walzertönen soll diese Rate im Herbst fröhlich weiter steigen. Die West-End-Theater ihrerseits finden die Idee bestechend. Sie erhoffen sich zusätzliche Zuschauer, die bei Harrods Feuer fangen. Hier Sitze füllen, dort Kassen klingeln lassen: There’s no business, remember, like show business.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch