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«Sie sind ein Idiot, Herr Premierminister»

Scott Morrison besucht die Brandregionen in Australien. Der nicht willkommene Premier bekommt dort vor allem eines zu spüren: die Wut der Bewohner.

Eine Bewohnerin des betroffenen Dorfes Cobargo weigert sich, dem Premierminister die Hand zu geben. (Video: Tamedia)

Australiens Premierminister Scott Morrison besuchte am Freitag Cobargo im Bundesstaat New South Wales, eine der unzähligen von den Buschfeuern betroffenen Regionen. Der Politiker, der sich schon seit längerem wegen seines Umgangs mit den Bränden Kritik anhören muss, war jedoch unerwünscht.

Ein Anwohner nannte ihn einen Idioten. Eine andere weigerte sich, ihm die Hand zu schütteln. Daraufhin nahm er die ihre und sie sagte unter Tränen: «Ich reiche ihnen nur die Hand, wenn Sie endlich mehr Geld sprechen. So viele Menschen haben ihre Häuser verloren. Wir brauchen mehr Hilfe.»

Auch ein Feuerwehrmann verzichtete auf ein Händeschütteln. «Ich möchte Ihnen jetzt eigentlich nicht die Hand geben.» Später sagte der Premier zu einem lokalen Einsatzleiter: «Sag ihm, dass es mir wirklich leid tut. Ich bin mir sicher, dass er nur müde ist.» «Nein, nein», entgegnete der Einsatzleiter: «Er hat sein Haus verloren.»

Während Scott Morrison das Gebiet wieder verliess, applaudierten die frustrierten Anwohner, zeigten ihm den Stinkefinger und riefen, er solle sich schämen. Er «liess das Land verbrennen».

Tausende auf der Flucht

Unterdessen sind im Südosten Australiens weiter Tausende Menschen vor den verheerenden Buschbränden geflohen. In den Bundesstaaten New South Wales und Victoria sollten mehr als ein halbes Dutzend Städte evakuiert werden, darunter beliebte Touristenorte. Am Freitag bildeten sich lange Staus, das Benzin wurde knapp. Die Polizei eskortierte die Autos aus den Feuergebieten.

In der Küstenstadt Mallacoota brachte die Marine Menschen in Sicherheit, die sich an den Strand gerettet hatten. In Victoria gilt erstmals in der Geschichte des Bundesstaates der Notstand. Dort allein werden nach Angaben der Regierung 28 Menschen vermisst. In New South Wales ist es bereits der dritte Notstand dieser Brandsaison. Die Buschfeuer auf dem Kontinent wüten bereits seit Oktober. Landesweit starben 19 Menschen.

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