«Sie hat sich in eine Sackgasse manövriert»

Ein Psychiater sieht die Beziehung zum Sohn als möglichen Grund für den Suizid der Frau, die sich in Malters LU stundenlang verschanzt hatte.

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Stundenlang hatte die Polizei ein Haus im luzernischen Malters umstellt und mit einer 65-jährigen Frau verhandelt, die sich darin verschanzt hatte und drohte, auf jeden zu schiessen, der sich ihr nähere. Schliesslich tötete die Frau eine Katze, die mit ihr im Haus war, und nahm sich danach das Leben. Die Polizei wollte das Haus wegen einer darin vermuteten Hanfplantage durchsuchen.

Wie konnte es zu einer solchen Eskalation kommen? Diese Frage hat die «Neue Luzerner Zeitung» dem Psychiater Andreas Frei, ehemaliger Leiter des Forensischen Dienstes der Luzerner Psychiatrie, gestellt. Ohne den Fall im Detail zu kennen, vermutet er, dass die Frau in einem sehr engen Verhältnis zu ihrem Sohn, der die Hanfplantage betrieben haben soll, gestanden habe. Wenn sie sich gemeinsam quasi gegen das Establishment abgegrenzt hätten, könne das Eindringen der Polizei in diese Beziehung ein derart massiver Schlag gewesen sein, der schliesslich zu dieser Handlung geführt haben könnte. «Sie hat sich in eine Sackgasse manövriert, aus der sie nicht mehr herausgekommen ist.»

Frau befand sich in psychischem Ausnahmezustand

Dass die Polizei bei den Verhandlungen mit der Frau etwas falsch gemacht haben könnte, glaubt Frei zwar nicht. Dennoch würde er es begrüssen, wenn in solchen Situationen Fachleute hinzugezogen würden. «Polizisten werden geschult für solche Fälle. Meine Überlegung ist aber: Kann die Polizei unter Umständen erkennen, ob jemand geisteskrank ist? Deswegen wäre es gut, wenn eine Fachperson dabei wäre.» Laut Polizeiangaben, war die Frau in einem psychischen Ausnahmezustand. Das bedeute, dass man nicht mehr vernünftig mit ihr habe sprechen können, so der Psychiater.

Ausschlaggebend für den Suizid war laut Frei vermutlich die Aussichtslosigkeit und Hoffnungslosigkeit der Situation, in der die Frau sich gesehen habe. Es sei gut möglich, dass die Frau sich moralisch im Recht gesehen habe und dadurch «die Konsequenzen ihrer letztlich aussichtslosen Handlungen umso schwerer erträglich erschienen». (ofi)

Erstellt: 10.03.2016, 09:56 Uhr

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