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Sex-Erpresser lebte bescheiden und zeigte sich einfühlsam

Der Mann hinter den Sexerpressungen, Helg Sgarbi Russak, hat für Sektenführer Barretta sein Leben auf den Kopf gestellt und bescheiden gelebt.

Mit zehminütigem Blitzlichtgewitter empfangen: Helg Sgarbi (2. von rechts) am 9. März im Landgericht München.
Mit zehminütigem Blitzlichtgewitter empfangen: Helg Sgarbi (2. von rechts) am 9. März im Landgericht München.
Keystone
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Wie muss man sich einen Mann vorstellen, der in den Bars von Wellnesshotels wie dem Lanserhof in Tirol oder dem Quellenhof in Bad Ragaz reichen, oft etwas gelangweilten Frauen abpasst, um sie nach einer vertrauensbildenden Phase nach Strich und Faden auszunehmen?

Nicht als Draufgänger und Macho, sondern eher als abwartenden und einfühlsamen Gentleman, der sich nicht aufdrängen will. So haben ihn die meisten Frauen erlebt, und gerade das hat sie anscheinend für Helg Sgarbi eingenommen. Zum Teil ging die Initiative sogar von den Frauen aus. Sektenführer Ernani Barretta hat wohl erkannt, welches verführerische Potenzial in diesem Mann steckte.

Sgarbi hat seine Kindheit zum Teil in Brasilien verbracht und hat auch einen brasilianischen Pass. Deshalb spricht er auch Portugiesisch, eine seiner sechs Sprachen. Vater Steffen Russak war Vizedirektor bei Sulzer, doch die Beziehung zu seinen Eltern ist seit langem distanziert, wie aus diversen Protokollen hervorgeht. Mit 13 kam er nach Winterthur, wo er die Sekundarschule und das Gymnasium besuchte, bevor er an der Universität Zürich Recht studierte. 1992 schloss er mit dem Lizentiat ab und kam sofort bei der Schweizerischen Kreditanstalt unter, der heutigen Credit Suisse. Ab und zu arbeitete er als Model.

Im gleichen Jahr ging Sgarbi die erste Ehe ein, und in diese Zeit fielen auch die ersten Kontakte zu Barretta. Die Ehe wurde 1994 geschieden, weil seine Frau im Italiener und seinen Gefolgsleuten eine Sekte sah. Dort galt er als Sonnyboy.

Bei der Bank machte er Karriere: Von einer Filiale wechselte er zum Hauptsitz und wurde gemäss Lebenslauf zum jüngsten Mitglied im Team, das die Übernahme und Integration der Volksbank begleitete. 1996 verliess er als Kadermitglied die Bank und machte sich als Berater selbstständig. Später betreute er Projekte für ausländische Auftraggeber. Im Militär wurde Sgarbi 1995 zum Oberleutnant befördert; er beantragte aber eine medizinische Neubeurteilung und wurde im Jahr 1997 als dienstuntauglich entlassen.

33'000 Franken Einkommen

2002 nahm er Wohnsitz in einer Einzimmerwohnung in Uznach SG und heiratete kurz darauf die anlässlich der Razzia in Italien zusammen mit Barretta verhaftete G. Sgarbi. 2005 eröffnete Sgarbi dort auch ein Übersetzungsbüro, bevor er sich Ende 2007, kurz vor seiner Verhaftung in Österreich, mit dem Ziel Chile auf der Gemeinde abmeldete.

Als steuerbares Einkommen soll Sgarbi 2006 rund 33'000 Franken angegeben haben, als Auto fuhr er jahrelang einen alten Mercedes. Als Banker wäre beides wohl anders gewesen. Generell muss der Gigolo ein bescheidenes Leben geführt haben; abgesehen von seinen Aufenthalten in teuren Hotels und schicken Kleidern deutete nichts in seinem Leben auf Einkünfte in Millionenhöhe hin.

Es ist davon auszugehen, dass der Schweizer die erschlichenen und erpressten Gelder an Barretta und seine Organisation abliefern musste. Zur Freude Barrettas: «Das ist ja ein ganzer Kubikmeter Geld», soll dieser gemäss Abhörprotokollen aus Italien gejubelt haben, als er den Zügelkarton mit den von Klatten erpressten 7 Millionen Euro in 500er-Scheinen sah.

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