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Urheber des Angriffs auf Schweizer Touristen soll in Haft sein

Gemäss Tadschikistans Innenministerium ist der Drahtzieher des tödlichen Angriffs verhaftet und geständig. Er soll Mitglied einer verbotenen islamistischen Partei sein.

Bei dem bewaffneten Angriff in Tadschikistan sind vier Rad-Touristen aus Europa und den USA getötet worden. (Bild: Twitter)
Bei dem bewaffneten Angriff in Tadschikistan sind vier Rad-Touristen aus Europa und den USA getötet worden. (Bild: Twitter)

Bei einem Angriff auf Touristen in Tadschikistan sind am Sonntag vier Menschen getötet und zwei verletzt worden. Am Abend reklamierte die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) das Attentat für sich. Am Dienstag teilt das Innenministerium mit, dass Mitglieder einer verbotenen Oppositionspartei hinter der Attacke steckten. Ein Schweizer war getötet, ein weiterer verletzt worden.

Bundespräsident Alain Berset verurteilte das Attentat am Dienstag via Twitter, der tadschikische Präsident Emomali Rahmon übermitelte der Schweiz sein Beileid, und das Aussendepartement (EDA) in Bern passte seine Reisehinweise für Tadschikistan an mit Hinweis auf das Attentat und auf eine mögliche kurzfristige Verschärfung der Sicherheitslage.

Der Befehl zum Angriff soll demnach von Nossirkhoudjy Abadow von der islamistischen Partei der Wiedergeburt Tadschikistans erteilt worden sein. Dieser sei bereits in Haft und geständig, heisst es in einer Erklärung des Ministeriums. Die Gruppe der Angreifer soll von einem weiteren Mitglied der Partei angeführt worden sein.

Den Ermittlern zufolge absolvierte dieser im Iran ein «ideologisches und militärisches Training zur Verübung von Sabotageakte». Er sei zu diesem Zweck zwischen 2014 und 2015 vier Mal in den iranischen Städten Ghom und Masandar gewesen, erklärte das Innenministerium. Abdussamadow habe im Iran Ubaidow die Treue geschworen.

Die Beziehungen zwischen Tadschikistan und dem Iran haben sich seit der Hinwendung der ehemaligen Sowjetrepublik zu dem mit Teheran verfeindeten Saudiarabien stark verschlechtert.

Seit 2015 verboten

Bereits zwei Jahre nach der Unabhängigkeit Tadschikistans wurde die Partei 1993 verboten. 1998 erlangte sie ihre Legalität zurück, bis sie 2015 erneut verboten wurde.

Bei den Todesopfern handelte es sich um Velofahrer aus der Schweiz, den Niederlanden und den USA. Zwei weitere Touristen seien bei dem Angriff am Sonntag verletzt worden, unter ihnen eine Schweizerin, wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mitteilte. Die Touristen waren mit dem Velo auf der Pamir-Route nahe der Grenze zu Afghanistan unterwegs.

Das schweizerische Aussenministerium rief Tadschikistan auf, «alle Anstrengungen zu unternehmen, um diesen ernsten Vorfall zu klären». Ministeriumssprecherin Silvia Müller sagte weiter: «Sollte sich der Verdacht auf einen Terroranschlag bestätigen, wird sich dies in den Reisehinweisen für Tadschikistan niederschlagen.»

Auf Touristen eingestochen

Die tadschikische Polizei hatte zunächst von einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht gesprochen. Dann verdichteten sich aber die Hinweise auf eine gezielte Attacke. Ein belgischer Radurlauber, der kurz nach dem Angriff zum Tatort kam, schilderte seine Eindrücke im flämischen Radiosender VRT. «Einer von ihnen hat mir gesagt, dass sie von einem Auto angefahren worden seien und dass die Leute, die im Auto sassen, dann auf sie eingestochen hätten», sagte Nicolas Moerman. «Mehrere Radler lagen auf dem Boden, sie standen vollkommen unter Schock.»

Das mehrheitlich muslimische Tadschikistan ist die ärmste der ehemaligen Sowjetrepubliken und wird seit 1992 autoritär von Präsident Emomali Rachmon regiert. Die Behörden gehen hart gegen religiösen Fundamentalismus vor. 2015 machte Tadschikistan mit strengen Massnahmen wie erzwungenen Bartrasuren und Einschränkungen für die Pilgerreise nach Mekka von sich reden.

Der mutmassliche Angriff auf die Urlauber könnte Tadschikistans Tourismusstrategie empfindlich treffen. Die Regierung hatte 2018 zum «Jahr des Tourismus» ausgerufen. Die Visa-Vergabe für Ausländer wurde erleichtert, und die Regierung drohte Beamten in dem notorisch korrupten Land mit harten Strafen, falls sie von Urlaubern Bestechungsgelder eintreiben.

Tadschikistan ist ein landschaftlich reizvolles Gebirgsland mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Nach Angaben der Weltbank kamen 2015 rund 40’000 Ausländer zu Besuch.

AFP/SDA/TA/NN

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