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Sand am Strand geklaut – das wird teuer

Bis 3000 Euro bezahlt, wer auf Sardinien Sand mitgehen lässt. Gleich mit Lastwagen wurde Sand andernorts abtransportiert.

Ohne Tuch an den Strand: La Pelosa auf Sardinien. Foto: Getty Images
Ohne Tuch an den Strand: La Pelosa auf Sardinien. Foto: Getty Images

Möglichst weiss sollte er sein und feinkörnig – dann ist Sand ein guter Strandsand. Je weisser Sand ist, umso türkisfarbener schimmert das Wasser, je feiner die Körner, umso sanfter rinnen sie beim Gehen darauf zwischen den Zehen hindurch, umso intensiver wird das Feriengefühl wahrgenommen.

Auf Instagram, dem Bildernetzwerk, das bei einer Ausstellung über die Sehnsuchtsorte der Menschheit als digitale Vitrine dienen könnte, sind mehr als 193 Millionen Fotos mit dem Schlagwort #beach versehen.

Mit der Suche nach dem perfekten Strand lassen sich im Tourismus weltweit Milliarden verdienen. Deswegen schützt Sardinien die wertvollen Körner nun mit empfindlichen Strafen. Wer die Tafeln mit der Aufschrift «Vietato rubare la sabbia» – Sand stehlen verboten – ignoriert und Sand vom sardischen Strand mitnimmt, muss mit einer Busse von über 3000 Franken rechnen. Am beliebten Strand La Pelosa in der Provinz Sassari ist sogar das Mitbringen von Handtüchern, Taschen und Kühltaschen verboten. Denn Strandgänger tragen damit – wie auch im Hosensaum, im Ohr und in den Haaren – den Sand ungewollt fort. Das summiert sich bei Zehntausenden Besuchern täglich.

Sand aus Jamaika

Die Erkenntnis, dass Sand ein schützenswertes Gut ist, sickert langsam ins Bewusstsein der Menschen. Geografie-Professor Pascal Peduzzi vom UNO-Umweltprogramm in Genf, schätzt den jährlichen Verbrauch von Sand und Kies auf 50 Milliarden Tonnen. Die grobkörnige Variante wird vor allem verbaut in Autobahnen, Einfamilienhäusern oder Megatürmen wie dem Burj Khalifa in Dubai. Das höchste Gebäude der Welt wurde mit Sand aus Australien errichtet. Bausand stammt meist aus Meeren oder Flüssen, er ist kantig und rau; Wüstensand ist zu glatt für die Herstellung von Beton.

Und vor Luxushotels werden immer häufiger künstliche Strände aufgeschüttet. Vermutlich liegt vor irgendeinem der weisse Sand aus Coral Springs. Im Jahr 2008 wurden im jamaikanischen Küstenort 500 Lastwagenladungen Sand gestohlen.

Viele Länder untersagen inzwischen den Export von Sand. Allerdings werde das Verbot vor allem in Indien von kriminellen Organisationen untergraben, sagt Aurora Torres. Die Wissenschaftlerin arbeitet am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung. In einem 2017 veröffentlichten Report kommt sie zum Schluss: Es droht eine globale Sandkrise. Reiche Wirtschaftsnationen holen sich den Rohstoff aus armen Ländern wie Kambodscha, Laos, Vietnam. Dort hat der Abbau Folgen für das Ökosystem von Flüssen und Stränden.

Dem Gavial geklaut

Sedimente werden aufgewühlt, Korallen zerstört, die Erosion des Bodens wird beschleunigt. Auch die Tierwelt leidet unter dem Raubbau. Der in Asien beheimatete Gavial etwa, eine Krokodilart mit schmaler Schnauze, sei «zunehmend bedroht», so Torres. Es fehlen Sandbänke und sandige Uferstellen, die die Tiere zum Aufwärmen brauchen.

An anderen Orten der Welt liegen nun die Touristen drauf.

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