Das sind die schlimmsten Feuer der letzten 15 Jahre

Europa wurde schon einige Male von verheerenden Feuern heimgesucht – ein Rückblick.

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In Griechenland, Schweden und Lettland sind derzeit Waldbrände ausser Kontrolle. Zahlreiche Länder wie Finnland, Italien, Norwegen, Portugal, Spanien, die Türkei und die Ukraine kämpfen ebenfalls gegen die Flammen. 2018 könnte ein verheerendes Jahr für Europa werden – schon wieder.

Fast jeden Sommer wird der Kontinent von schlimmen Feuern heimgesucht. Die Mittelmeerländer kämpfen seit dem Jahrtausendwechsel immer häufiger gegen sogenannte Mega-Waldbrände, die oft erst dann enden, wenn sich die Wetterbedingungen ändern oder dem Feuer die Nahrung ausgeht. Eine Auswahl der schlimmsten Brände in Europa der letzten 15 Jahre.

2017: Ganz Südeuropa brennt Will sein Haus retten: Ein Zivilist versucht im Oktober 2017, das Feuer im portugiesischen Vieira de Leiria zu löschen. (Bild: Keystone)

Vor einem Jahr stand ganz Südeuropa wochenlang in Flammen. In einigen Regionen hatte es seit Monaten nicht mehr geregnet, was sich besonders in Portugal verheerend auswirkte. Schon im Juni und Juli wüteten dort unzählige Waldbrände, bis im Herbst ging es so weiter. Mitte Oktober brachen an einem einzigen Tag 443 Feuer aus und vernichteten 190’000 Hektar Wald. Insgesamt starben 115 Menschen. Eine Katastrophe von derartigem Ausmass hatte es in Portugal noch nie gegeben.

In Italien, einem weiteren Hotspot, zerstörten alleine bis Ende Juli 371 Waldbrände 72’000 Hektaren Land und kosteten elf Personen das Leben. Stark betroffen waren die Ferieninseln Sardinien und Sizilien sowie zahlreiche Städte im ganzen Land, für welche die höchste Alarmstufe ausgerufen wurde. In Südfrankreich mussten Zehntausende Einheimische und Touristen ihre Wohnungen, Ferienhäuser und Campingplätze verlassen. Und auch in Griechenland und Kroatien wüteten die Flammen.


2014: Schweden erleben schlimmstes Feuer seit 40 Jahren Hilfe aus dem Ausland: Französische und italienische Löschflugzeuge sind 2004 in Schweden im Einsatz. (Bild: Keystone)

Schweden hatte kürzlich schon einmal ein verheerendes Feuer zu beklagen: Vor vier Jahren brach in der Provinz Västmanland westlich der Hauptstadt Stockholm der grösste Waldbrand der letzten 40 Jahre aus. Die Regierung rief den nationalen Notstand aus und mobilisierte die Armee, war aber trotzdem auf die Hilfe von Löschflugzeugen aus Frankreich und Italien angewiesen. Tausende Anwohner mussten evakuiert werden. Nach offiziellen Angaben kam ein Mann ums Leben, über 15’000 Hektaren Land wurden zerstört. 2018 werden diese Zahlen noch deutlich übertroffen.


2010: Atemschutzmasken in Moskau Gesundheitsschädlicher Rauch: Die Menschen in Moskau müssen im August 2010 Atemschutzmasken tragen. (Bild: Keystone)

In weiten Teilen Russlands herrschte von Ende Juni bis Mitte August 2010 die grösste Hitze seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Zudem waren viele Böden ausgetrocknet. Ideale Bedingungen für die Ausbreitung von Feuer. 700 Waldbrände wüteten allein im Westen des Landes rund um Moskau. Die Regierung verhängte deshalb über sieben Regionen den Notstand. Zeitweise waren über 240’000 zivile Rettungskräfte und 2000 Armee-Angehörige sowie 54 Löschflugzeuge im Einsatz. Trotzdem dauerte es Wochen, die Brände unter Kontrolle zu bekommen.

Laut offiziellen Angaben forderten die Feuer mindestens 50 Tote, wobei Hilfsorganisationen von mehr Opfern ausgehen. Über die Zahlen der Verletzten und jener, die durch die Brände obdachlos wurden, kann nur spekuliert werden. In Teilen Russlands kam es zu einer gesundheitsschädlich hohen Konzentration von Kohlendioxid und Kohlenmonoxid. In der Hauptstadt Moskau wurden die Bewohner aufgefordert, in ihren Häuser zu bleiben. Teilweise sah man nur noch 50 Meter weit. Ausländisches Botschaftspersonal wurde zum Teil evakuiert, Regierungen erliessen Reisewarnungen. Ausserdem war der Flugverkehr an den drei internationalen Moskauer Flughäfen wegen der schlechten Sicht massiv beeinträchtigt.


2007: Feuerhölle in Griechenland

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Waren sogar vom All aus zu sehen: Bilder eines Nasa-Satelliten von den Waldbränden 2007 in Griechenland. (Gif: Wikipedia)

Die Griechen haben immer wieder mit schweren Waldbränden zu kämpfen. 2007 aber war das bisher schlimmste Jahr in der Geschichte des Landes. Nachdem bereits einige Monate Trockenheit herrschte, folgten drei Hitzewellen mit überdurchschnittlich hohen Temperaturen, teilweise über 46 Grad. Ende August brachen dann auf dem Peloponnes fünf Brände aus, die sich durch starke, trockene Winde rasch ausbreiteten und zu Mega-Waldbränden entwickelten. Sie waren für über 70 Prozent der gesamten Fläche von 225’000 Hektar verantwortlich, die 2007 in ganz Griechenland verbrannte.

Bei den verheerenden Feuern starben verschiedenen Angaben zufolge 84 Menschen, darunter Feuerwehrleute, Piloten und zahlreiche Zivilisten. Über 1700 Häuser fielen den Flammen zum Opfer, Tausende Menschen wurden obdachlos.


2005: Katastrophenjahr auf der Iberischen Halbinsel Ganze Dörfer und Städte waren bedroht: Waldbrand 2005 in der Nähe von A Coruna in Nordwestspanien. (Bild: Keystone)

In Spanien kam es 2005 zu über 25’000 Waldbränden, dem zweithöchsten Wert seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen im Jahr 1961. Trockenheit und Hitze sorgten von März bis in den Oktober hinein für ein hohes Waldbrandrisiko. Den Flammen fielen über 188’000 Hektar Wald und Buschland zum Opfer. 17 Feuerwehrleute starben bei der Bekämpfung.

Übertroffen wurden diese Zahlen nur von Portugal, wo 35’000 Brände wüteten – so viele wie noch nie. 340’000 Hektaren Land verbrannten, mindestens 16 Menschen verloren ihr Leben, unter ihnen elf Feuerwehrleute.


2003: Der grösste Schweizer Waldbrand Feuerwehren und Zivilschutz mussten vom Militär unterstützt werden: Ein Armeeangehöriger 2003 in Leuk. (Bild: Keystone)

Der Waldbrand in der Oberwalliser Gemeinde Leuk kann im europäischen Vergleich nicht mithalten, ist aber einer der grössten Waldbrände in der Geschichte der Schweiz. Im Hitzesommer 2003 müssen dort gegen 300 Menschen evakuiert werden. Über 450 Hektar Wald mit etwa 200'000 Bäumen werden vernichtet – so viel, wie normalerweise während eines ganzen Jahres in der Schweiz.

Feuerwehren, Armee und Zivilschutz bekämpfen die Brände, die noch nach Tagen unter der Bodenoberfläche schwelen. Es entsteht Sachschaden von rund 8 Millionen Franken. 2004 gesteht ein 32-jähriger Oberwalliser die Brandstiftung. Er wird zu einer psychiatrischen Therapie und zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.07.2018, 12:44 Uhr

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