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Rette sich, wer kann

Zehntausende Ferienreisende wurden angewiesen, die australische Ostküste zu verlassen. Unzählige steckten darauf in endlosen Staus – oder fanden keinen Treibstoff.

Es brennt in ganz Australien, über Neujahr war die Ostküste stark betroffen: Zerstörung in Sarsfield in East Gippsland. Foto: Reuters
Es brennt in ganz Australien, über Neujahr war die Ostküste stark betroffen: Zerstörung in Sarsfield in East Gippsland. Foto: Reuters

Die Feuerkatastrophe in Australien nimmt kein Ende: Weil für Samstag erneut sehr hohe Temperaturen und ungünstige Winde vorhergesagt werden, ordneten die Behörden des Bundesstaats New South Wales (NSW) am Donnerstag an, dass alle Touristen die Ferienorte an der Südküste zwischen Batemans Bay und der Grenze zum Bundesstaat Victoria verlassen müssen.

Permanente Bewohner des rund 250 Kilometer langen Küstenstreifens wurden aufgefordert, alles bereitzuhalten, was sie im Fall einer Flucht mitnehmen wollten. Denn die Feuer in der Region könnten noch gefährlicher werden. Zuvor wurde in NSW zum dritten Mal seit Oktober ein siebentägiger Notstand ausgerufen, der solche Anordnungen möglich macht.

Über Neujahr waren in NSW und Victoria mindestens sieben Menschen durch das Feuer ums Leben gekommen, ein gutes Dutzend weitere gelten als vermisst. Seit Ausbruch der Buschbrände im Oktober starben mindestens 17 Menschen, darunter Robert und Patrick Salway. Vater und Sohn hatten versucht, das Haus der Familie in Wandella zu retten. Der Weiler liegt nahe der weitgehend zerstörten Stadt ­Cobargo, in die der australische ­Regierungschef Scott Morrison am Donnerstag gekommen war, um mit Opfern zu sprechen.

Der Besuch kam bei den Einwohnern allerdings schlecht an: «Du bist hier nicht willkommen», «Hau ab, du Idiot», riefen die Leute laut «Guardian Australia» dem Politiker zu, der keinen Zusammenhang sieht zwischen dem Klimawandel und den Bränden.

Geschlossene Strassen und Stau

Derweil versuchten die Menschen, die ihre Sommerferien an den Stränden im Süden von Sydney abbrechen sollten, der Aufforderung Folge zu leisten. Doch das war alles andere als einfach. «Richtung Norden gefahren um 6 Uhr. 6,5 Stunden für 80 km. Highway in Benalong geschlossen, wir wurden angewiesen, umzukehren. Also wieder nach Süden, jetzt stehen wir im Stau vor Bega», twitterte eine Frau aus Sydney.

Stau auf der Brücke in Batemans Bay Richtung Norden. Foto: AFP
Stau auf der Brücke in Batemans Bay Richtung Norden. Foto: AFP

Ein Radiomoderator aus Ulladulla, einem Ort zwischen Batemans Bay und Sydney, postete ein Foto von der Autokolonne, die im Ort steht, und schrieb, in Milton, Nowra und Batemans Bay biete sich dasselbe Bild. Der Grund war ein Feuer, das den Princes Highway, die Hauptverkehrsachse an der Küste zwischen Sydney und Melbourne, bedrohte. Der Highway wurde am Mittag geschlossen und war auch um 18 Uhr abends noch nicht wieder offen.

Zu wenig Treibstoff

Das allerdings war nur eins der Probleme: Weil grossflächig der Strom ausgefallen war, funktionierten die Benzinpumpen an den Tankstellen nicht. Vielerorts gabs auch gar keinen Treibstoff mehr, weil der Nachschub wegen gesperrter Strassen die Tankstellen nicht erreichen kann.

Am Strand von Mallacoota in East Gippsland harren derweil rund 4000 Menschen aus, die an Silvester am Wasser Schutz suchten. Am Freitag soll die Navy sie mit Wasser und Lebensmitteln versorgen und rund 800 von ihnen evakuieren. Die anderen sollen ausgeflogen werden.

Im Westen des Landes wurde derweil bis auf weiteres der Eyre Highway geschlossen, die einzige Strassenverbindung zwischen dem Osten des Landes und Western Australia. Denn auch dort brennen bei Temperaturen von 48 Grad riesige Feuer. Winde werden die Hitze aus dem Westen nach South Australia tragen, am Samstag wird sie NSW und Victoria erreichen. Dann aber, sagen die Meteorologen, könnte es zu einem Temperatursturz kommen, und sogar zu etwas Regen.

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