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Proteste gegen Hinrichtungsserie in Arkansas

Weil ein Giftspritzen-Medikament abläuft, sollen im US-Staat Arkansas bis Ende Monat sieben Häftlinge exekutiert werden. Hinrichtungsgegner wehren sich.

«Fliessband-Hinrichtungen»: In Arkansas demonstrieren Menschen gegen die Exekutionen. (14. April 2017)
«Fliessband-Hinrichtungen»: In Arkansas demonstrieren Menschen gegen die Exekutionen. (14. April 2017)
Sherry Simon, Keystone
Gegner der Todesstrafe trösten sich gegenseitig, nachdem sie von einer Hinrichtung erfahren. (17. April 2017)
Gegner der Todesstrafe trösten sich gegenseitig, nachdem sie von einer Hinrichtung erfahren. (17. April 2017)
Stephen B. Thornton, Keystone
Bekämpft den Hinrichtungsplan: Schwester Helen Prejean, die im Film «Dead Man Walking» dargestellt wurde.
Bekämpft den Hinrichtungsplan: Schwester Helen Prejean, die im Film «Dead Man Walking» dargestellt wurde.
Mark Humphrey/AP, Keystone
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Ein US-Bundesrichter hat die für diesen Monat geplante Hinrichtung eines Todeskandidaten im Bundesstaat Arkansas ausgesetzt. Richter Price Marshall stützte sich mit seiner Entscheidung am Donnerstag auf eine Stellungnahme des Begnadigungsausschusses.

Demnach sollte die Hinrichtung von Jason McGehee für 30 Tage aufgeschoben werden, nachdem er ein neuerliches Gnadengesuch eingereicht hatte. Damit rückt McGehees Hinrichtung in weite Ferne: Er gehörte zu einer Gruppe von acht Häftlingen, die die Behörden von Arkansas noch in diesem Monat hinrichten will, weil das Haltbarkeitsdatum eines der bei Exekutionen verwendeten Medikamente Ende April abläuft.

Hinrichtung von sieben Menschen

Nach dem 30. April kann der Bundesstaat vorerst keine Hinrichtungen mehr vornehmen. McGehee war 1996 wegen der Entführung und Ermordung eines Jugendlichen zum Tode verurteilt worden. Die sieben übrigen Todeskandidaten sollen zwischen dem 17. und dem 27. April hingerichtet werden. In ihren Fällen laufen verschiedene juristische Verfahren ihrer Anwälte, um die Exekutionen ebenfalls zu verhindern.

In sozialen Medien wächst die Empörung über beispiellose Pläne des US-Staats Arkansas. Doch in dem konservativen südlichen Staat waren die Proteste bislang nicht sehr gross, eine starke Mehrheit der Bewohner unterstützt weiter die Todesstrafe. Gegner planen für den Karfreitag eine Kundgebung mit Hunderten Teilnehmern gegen die Hinrichtungen, die am Montag beginnen sollen.

Proteste an Karfreitag

Ein paar Dutzend Menschen protestieren seit Wochen regelmässig vor dem Anwesen von Gouverneur Asa Hutchinson. Sie hielten Schilder mit der Aufschrift «Du sollst nicht töten» und «Beendet die Todesstrafe». Die sogenannte Arkansas-Koalition zur Abschaffung der Todesstrafe hofft, dass Hunderte Menschen zu der Karfreitagskundgebung am Kapitol des Staats kommen, um gegen die geplanten Hinrichtungen zu protestieren. An drei Abenden sollen ab kommender Woche je zwei Exekutionen stattfinden, gefolgt von einer weiteren.

Die ersten Hinrichtungen sollen am 17. April stattfinden, die letzte am 27. April. Hutchinson gab diesen beispiellosen Terminplan vor, weil ein wichtiges Giftspritzen-Medikament am 20. April abläuft.

Pharmaunternehmen wehrt sich

Die Pharmaunternehmen Fresenius Kabi USA und West-Ward Pharmaceuticals Corporation baten einen Bundesrichter am Donnerstag, Arkansas daran zu hindern, ihre Medikamente für die Hinrichtung von Häftlingen zu verwenden. Sie seien dagegen, dass ihre Produkte für die Vollstreckung der Todesstrafe eingesetzt würden, erklärten sie.

Ein entschiedener Kritiker des Hinrichtungsplans ist Damien Echols, der fast 18 Jahre im Todestrakt von Arkansas verbrachte, ehe er und zwei weitere 2011 freigelassen wurden. Echols wollte am Freitag an der Kundgebung teilnehmen, wie auch Jason Baldwin, der wegen der Morde 1993 an drei Jungen in West Memphis verurteilt und später wieder freigelassen worden war.

Schwester Helen Prejean, eine Gegnerin der Todesstrafe, die im Film «Dead Man Walking» dargestellt wurde, hat auf Twitter gegen den Hinrichtungsplan gekämpft. Dabei twitterte sie auch die Telefonnummern von Hutchinson und Generalstaatsanwältin Leslie Rutledge. Am vergangenen Sonntag hatte der Gouverneur einen Bibelvers getwittert, in dem Gott gelobt wurde. Darauf antwortete Prejean mit einem eigenen Vers: «Selig sind die Gnädigen.»

Der aus Arkansas stammende Schriftsteller John Grisham schrieb in der Zeitung «USA Today», dass der Hinrichtungsplan «den Ernst unseres Rechtsverfahrens und der Todesstrafe selbst» untergrabe.

Gegner appellieren an Hutchinsons Glauben

Hutchinson erklärte diese Woche in einer Stellungnahme, die Familien der Opfer hätten nicht nur den Verlust ihrer Angehörigen durch «brutale Morde» hinnehmen müssen, sie hätten auch eine «nicht endende Überprüfung dieser Fälle Jahr für Jahr für Jahr» erlebt. Jetzt anzudeuten, dass die Fälle erneut aufgeschoben werden sollten, zeige «eine unglaubliche Menge an Gefühllosigkeit».

Gegner der Todesstrafe appellieren an den christlichen Glauben Hutchinsons. Sie verweisen darauf, dass die Hinrichtungen kurz nach Ostern passieren würden. Rund 200 Religionsvertreter unterschrieben einen Brief, in dem sie den Gouverneur aufforderten, die Todesstrafen der Häftlinge in lebenslange Haftstrafen umzuwandeln. Die Hinrichtungen würden negative Auswirkungen auf alle Beteiligen haben, hiess es in dem Brief.

dapd/chi

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