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Polizei erschiesst fünffache Mutter – «aus Versehen»

Ein Vater in Chicago hat Ärger mit seinem 19-jährigen Sohn und ruft die Polizei. Der Sohn wird erschossen – genauso wie eine unbeteiligte Nachbarin. Die Empörung ist gross.

Polizeigewalt in den USA: Demonstranten haben Bilder der beiden jüngsten Opfer Quintonio LeGrier (l.) und Bettie Jones (r.) auf ein Banner geklebt. (27. Dezember 2015)
Polizeigewalt in den USA: Demonstranten haben Bilder der beiden jüngsten Opfer Quintonio LeGrier (l.) und Bettie Jones (r.) auf ein Banner geklebt. (27. Dezember 2015)
Keystone
Latonya Jones, 19, trauert um ihre Mutter, Bettie Jones. Die fünffache Mutter wurde «aus Versehen» getötet. (27. Dezember 2015)
Latonya Jones, 19, trauert um ihre Mutter, Bettie Jones. Die fünffache Mutter wurde «aus Versehen» getötet. (27. Dezember 2015)
Ashlee Rezin/Chicago Sun-Times, Keystone
Der Fall erinnert an Michael Brown, der in Ferguson von einem weissen Polizisten erschossen worden war: Eric Garner (r.) neben dem 17-jährigen Brown (l.)
Der Fall erinnert an Michael Brown, der in Ferguson von einem weissen Polizisten erschossen worden war: Eric Garner (r.) neben dem 17-jährigen Brown (l.)
Reuters
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Einen Monat nach Grossdemonstrationen gegen Polizeigewalt gegen Schwarze in Chicago haben Polizisten in der US-Metropole erneut zwei Schwarze erschossen. Nach Polizeiangaben trafen die Beamten bei einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt am Samstag auf eine «kampflustige Person» und schossen. Dabei seien zwei Menschen tödlich verletzt worden. Eines der Opfer, eine 55-Jährige, sei «versehentlich getroffen worden und tragischerweise gestorben».

Laut Zeitungsberichten handelte es sich bei den Opfern um zwei Schwarze, einen 19-jährigen Ingenieursstudenten und eine fünffache Mutter. Laut der «Chicago Tribune» litt der 19-jährige Quintonio LeGrier unter psychischen Problemen und hatte seinen Vater mit einem Baseballschläger bedroht. Dieser habe die Polizei alarmiert und die Nachbarin gebeten, auf die Beamten zu warten.

Die Angehörigen der beiden von der Polizei erschossenen Afroamerikaner werfen den Beamten Versagen vor. Sie frage sich, weshalb die Polizei erst schiesse und dann Fragen stelle, sagte Jacqueline Walker, eine Freundin der getöteten 55-Jährigen Bettie Jones am Sonntag in einer Pressekonferenz. Die Beamten sollten Schreckschusspistolen und andere, nicht tödliche Waffen nutzen.

Kritik an Stadtpräsident

LeGriers Mutter Janet Cooksey sagte am Sonntag, ihr Sohn sei «respektvoll» und ein fleissiger Schüler gewesen. Mehrere Unterstützer bei der Pressekonferenz trugen T-Shirts mit der Aufschrift «Rahm hat uns verraten». Damit meinten sie den Bürgermeister von Chicago, Rahm Emmanuel, der für seinen Umgang mit früheren Fällen rassistischer Polizeigewalt schon kritisiert wurde.

US-Medien zitierten den US-Abgeordneten Bobby Rush, der fragte, weshalb die Polizisten sofort geschossen und nicht zunächst auf andere Methoden wie Elektroschockpistolen zurückgegriffen hätten. Laut Polizei darf einer der an dem Vorfall beteiligten Polizisten 30 Tage lang lediglich administrative Tätigkeiten wahrnehmen - nach einem vom neuen Polizeichef John Escalante eingeführten neuen Standardverfahren bei solchen Fällen. Die Polizei teilte nicht mir, wie viele Polizisten anwesend waren.

17-Jähriger mit 16 Schüssen niedergestreckt

Bei einem weiteren Einsatz am gleichen Tag erschossen Polizisten nach Polizeiangaben einen bewaffneten Mann, nachdem sie wegen eines «Angriffs» alarmiert worden waren. Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze hatten in den USA in den vergangenen Monaten wiederholt für Empörung und Aufruhr in der afroamerikanischen Bevölkerung gesorgt.

Ende November hatten die Behörden von Chicago ein Video vom Oktober 2014 veröffentlicht auf dem zu sehen ist, wie ein weisser Polizist einen schwarzen 17-Jährigen mit 16 Schüssen niederstreckte. Tausende Menschen waren daraufhin auf die Strasse gegangen, um gegen Polizeigewalt zu demonstrieren. Das US-Justizministerium leitete Ermittlungen wegen möglicher systematischer Bürgerrechtsverletzungen durch Chicagos Polizei ein, der Polizeichef der Stadt wurde entlassen.

AFP/pat

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