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Öko-Institut findet Pestizide in deutschen Bieren

Einige Biere enthalten 300-mal so viel von dem erbgutschädigenden Herbizid Glyphosat, wie im Trinkwasser erlaubt wäre.

Pestizide im Bier: Leute prosten am 182. Oktoberfest in München. (19. September 2015)
Pestizide im Bier: Leute prosten am 182. Oktoberfest in München. (19. September 2015)
Matthias Schrader, Keystone

Das deutsche Reinheitsgebot von 1516 wird dieses Jahr 500 Jahre alt. Doch der fröhlichen Geburtstagsfeier macht jetzt eine Biologin in München einen ordentlichen Strich durch die Rechnung.

Sophia Guttenberger hat im Auftrag des Umweltinstituts München 14 Biere der beliebtesten deutschen Hersteller auf Spuren des Totalherbizids Glyphosat untersucht, das die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als erbgutschädigend und «wahrscheinlich krebserregend» einstuft. Wie Guttenberger zu Focus.de sagte, haben die untersuchten Biere den gesetzlichen Grenzwert von Glyphosat für Trinkwasser um das 300-Fache überschritten. «Ein Stoff, der wahrscheinlich krebserregend ist, hat weder im Bier noch in unserem Körper etwas verloren», kommentierte die Biologin.

Gemäss Focus.de brauchen deutsche Bauern jährlich 5400 Tonnen Glyphosat. Über die Landwirtschaft gerät das Pestizid vermutlich auch ins Bier. Guttenberg sieht deswegen die Glaubwürdigkeit der deutschen Bierindustrie in Gefahr: «Alle getesteten Biere enthielten Glyphosat. Damit droht das deutsche Reinheitsgebot ausgerechnet in seinem 500. Jubiläumsjahr zur Farce zu werden», sagte sie zu Focus.de.

Ein beliebter, aber gefährlicher Unkrautvernichter

Monsanto hat mit dem Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat seit fast 40 Jahren viel Geld verdient. Der US-Konzern hat das Pestizid zusammen mit Gentechsaatgut zum weltweit führenden Kombinationsprodukt der Landwirtschaft entwickelt. Dies hat Millionen Bauern von Monsanto abhängig gemacht und liess den Konzern selber in eine Mühle zwischen zunehmend resistentem Unkraut, billiger Konkurrenz aus China und tiefen Margen geraten.

Zusätzlich droht Monsanto seit letztem Jahr erstmals Gefahr im Heimmarkt in den USA: Kalifornien setzte als erster US-Bundesstaat das Spritzmittel auf die Liste krebserregender Substanzen. Schwer erkrankte Landarbeiter gingen vor Gericht gegen Monsanto vor und Umweltschützer klagten wegen Rodungen gesunder Baumbestände.

Der deutsche Bundestag hat sich heute Donnerstag für eine baldige Neuzulassung des umstrittenen Pflanzengiftes Glyphosat in der EU ausgesprochen. Bei einer namentlichen Abstimmung stimmten 446 Abgeordnete gegen den Antrag der Grünen-Fraktion, die eine «voreilige» Neuzulassung von Glyphosat durch die EU-Kommission stoppen wollte.

(AFP)

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