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Obama-Sieg: Zeitungen ausverkauft

Selten waren die Zeitungen in den USA so begehrt wie nach dem historischen Wahlsieg von Barack Obama.

Manche kauften gleich mehrere Zeitungen.
Manche kauften gleich mehrere Zeitungen.
Keystone

Die Zeitungskioske von New York bis Seattle waren am Mittwoch in wenigen Stunden leer gekauft. Einige Kunden kauften gleich zwei, drei oder noch mehr Ausgaben einer Zeitung. Die ungewohnte Nachfrage fällt in eine Zeit sinkender Verkaufsauflagen und rückläufiger Anzeigenerträge.

Bei der «New York Times» und der «Chicago Tribune» wurden schnell die Druckerpressen wieder angeworfen, um zusätzliche Zeitungsexemplare zu drucken. Der «Plain Dealer» in Cleveland nutzte die Gunst der Stunde und offerierte besonders hochwertige Ausdrucke der ersten Seite zum Preis von 54,95 Dollar (42,70 Euro): Unter der Schlagzeile «Change Has Come» bedeckt eine Nahaufnahme von Obama drei Viertel der Zeitungsseite. Bei Ebay wurden bis zu 200 Dollar (155 Euro) für ein Exemplar der «New York Times» geboten.

Auf der Lower East Side von New York klapperte John Penley einen Zeitungsladen nach dem anderen ab, um noch das begehrte Blatt zu bekommen. «Es gab noch ein Exemplar am Kiosk um die Ecke, und die Leute haben darum gestritten», sagte der pensionierte Fotojournalist. «Jetzt kann ich nirgends mehr eine Zeitung finden.» In Baltimore kaufte Walter Elliott gleich 90 Exemplare der Zeitung «The Sun». Warum? «Ein Stück Geschichte besitzen», erklärte er.

Einige Zeitungen widmeten ihre gesamte Titelseite einem einzigen Foto von Obama. Der «San Francisco Chronicle» setzte in riesigen Lettern den Namen des Wahlsiegers darüber und ein Zitat aus seiner Rede in Chicago: «Change has come to America». Die Zeitung «USA Today» titelte: «America makes history».

«Zeigt, dass Print einen einzigartigen Wert hat»

Alle sagen, dass das Internet die gedruckte Zeitung ersetzen wird - aber eine Webseite auf der Festplatte zu speichern, ist nicht dasselbe, wie das Papier auf den Küchentisch zu legen. «Das zeigt, dass Print einen einzigartigen Wert hat», sagte der Geschäftsführer der «Washington Post», Steve Hills. «Es ist die Möglichkeit, ein Stück Geschichte in der Hand zu halten.»

In Mineola bei New York sah der Zeitungsverkäufer Kirit Patel Gesichter, die er noch nie gesehen hatte. «Aber heute haben sie zwei Zeitungen gekauft und dann noch nach anderen Blättern gefragt. Ich habe noch nie erlebt, dass mit einer solchen Begeisterung Zeitungen gekauft werden.»

Im Stadtteil Liberty City in Miami, wo vor allem Schwarze leben, gab es am Martin Luther King Boulevard keine einzige Zeitung mehr. «Die muss ich mir einrahmen, weil das Geschichte ist», sagte einer der glücklichen Käufer, Larry Johnson. Im Stadtteil South Beach mit einer eher gemischten Bewohnerschaft, sagte Ladenbesitzerin Vivienne Evans, vor ihrem Bücherladen habe es eine lange Warteschlange gegeben. «Die Leute haben mir die Tür eingerannt.»

In der Kommode von Robert Cornelius in Detroit werden schon vergilbte Zeitungsartikel über die Attentat auf Martin Luther King und John F. Kennedy aufbewahrt. Jetzt will der 63-Jährige Platz schaffen für die Mittwochsausgaben der «Detroit News» und der «Detroit Free Press». «Das werde ich mal meinen Enkeln vererben», sagte der ehemalige Chrysler-Arbeiter. «Das können sie dann lesen und sagen: Opa war dabei.»

AP/bru

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