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Neugeborenes aus türkischen Trümmern gerettet

Nach dem schweren Erdbeben in der Türkei ist die Zahl der Toten auf 459 gestiegen. Rettungsmannschaften konnten noch immer Menschen aus den Trümmern retten. Darunter ein zwei Wochen altes Baby und seine Mutter.

Heftiges Beben im Südosten der Türkei: Vier Tage danach konnte ein 13-Jähriger noch lebend gerettet werden. (28. Oktober 2011)
Heftiges Beben im Südosten der Türkei: Vier Tage danach konnte ein 13-Jähriger noch lebend gerettet werden. (28. Oktober 2011)
Reuters
Behelfsunterkunft für die Erdbebenopfer: Zelte in Ercis. (27. Oktober)
Behelfsunterkunft für die Erdbebenopfer: Zelte in Ercis. (27. Oktober)
Keystone
Verletzt: Ein Mann trägt ein Kind durch Van. (23. Oktober 2011)
Verletzt: Ein Mann trägt ein Kind durch Van. (23. Oktober 2011)
Keystone
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Doch die Hoffnung, noch mehr Überlebende unter den Tonnen von Schutt und Steinen zu finden, schwanden mit jeder Stunde. Die Zahl der Toten war zuvor mit 366 angegeben worden.

Tausende Menschen mussten die zweite Nacht bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in Zelten oder um kleine Feuer geschart im Freien verbringen, während ein Nachbeben die Region Van erschütterte. Die Regierung sicherte die Lieferung weiterer Zelte und Decken zu, nachdem die Opfer in der mehrheitlich von der kurdischen Minderheit bewohnten Region zu langsame Hilfen beklagt hatten.

32 Stunden in den Trümmern

Die Retter konzentrierten sich auf die am schlimmsten getroffene Stadt Ercis mit rund 100'000 Einwohnern und die Provinzhauptstadt Van, wo eine Million Menschen leben. Fast 2300 Gebäude stürzten wegen des Bebens ein.

Zu den Geretteten gehörte der 18-jährige Mesut Özan Yilmaz. «Ich habe meinen Kopf auf den Fuss eines toten Mannes gelegt», schilderte der unverletzt gebliebene Mann im Sender CNN Türk seine 32 Stunden in den Trümmern eines Teehauses. Die mit ihm verschütteten Menschen hätten versucht, sich Platz in der Enge zu schaffen.

Die Rettungsmannschaften wühlten sich mit schwerem Gerät wie Presslufthämmern, aber auch Schaufeln und Äxten und blossen Händen durch die Trümmer aus Stahl und Beton. Immer wieder forderten erschöpfte Helfer zur Ruhe auf, weil sie Rufe Verschütteter gehört haben wollten.

Schwerstes Beben seit einem Jahrzehnt

Das Beben vom Sonntag mit der Stärke 7,2 war das schwerste in der Türkei seit einem Jahrzehnt. Die Hilfsorganisation Roter Halbmond bereitete sich darauf vor, Notunterkünfte für 40'000 Menschen bereitzustellen. Eine genaue Zahl der Obdachlosen gab es zunächst nicht.

Am Dienstag kam es in Van zu einer Gefängnisrevolte. Aus dem Gebäude schlugen Flammen, Schüsse waren zu hören. Ein Soldat sagte, die Insassen hätten die Wärter mit Scheren und Messern angegriffen. Einem Mitarbeiter der Stadt zufolge legten sie auch das Feuer. Etwa 200 Insassen sollen das Chaos direkt nach dem Beben am Sonntag zur Flucht genutzt haben.

Abfällige Bemerkung über kurdische Opfer

Das Erdbeben hat in anderen Teilen der Türkei eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Die Zeitung «Sabah» berichtete am Dienstag, einige Unternehmen schickten Wasser und Kleidung nach Van. Es gibt zudem viele spontane Kleidersammlungen für die Erdbebenopfer in türkischen Städten.

Abfällige Bemerkungen einer Fernsehmoderatorin über die kurdischen Opfer des Bebens sorgten jedoch für Spannungen in Van. Moderatorin Müge Anli hatte im Privatsender ATV gesagt, erst attackierten die Kurden türkische Polizisten und Soldaten, dann riefen sie Armee und Polizei um Hilfe, wenn es Probleme wie beim Erdbeben gebe. Erboste Erdbebenopfer in Van bewarfen daraufhin Journalisten und Polizisten mit Steinen. Die Polizei setzte Reizgas ein, um die Menge auseinander zu treiben.

SDA/wid

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