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Mindestens zwölf Pistolen, zwei Flinten und sechs Gewehre

Nach dem Mord an drei jungen Muslimen in den USA kommen Details über den Waffennarr ans Licht. Das FBI übernimmt die Ermittlungen.

Der Mörder war ein arbeitsloser Waffennarr: Die drei getöteten Muslimen werden zu Grabe getragen. (12. Februar 2015)
Der Mörder war ein arbeitsloser Waffennarr: Die drei getöteten Muslimen werden zu Grabe getragen. (12. Februar 2015)
Keystone

Nach dem Mord an drei jungen Muslimen im US-Staat North Carolina sind neue Details über den mutmasslichen Täter bekannt geworden. Der Verdächtige habe mindestens zwölf Pistolen, zwei Flinten, sechs Gewehre und grosse Mengen Munition besessen, heisst es in amtlichen Gerichtspapieren, die am Freitag publik wurden. Der Fall lässt die Emotionen weiter hochkochen: Im Internet wurde über ein muslimfeindliches Motiv des Schützen spekuliert. Präsident Barack Obama schaltete sich ein und verurteilte die Bluttat scharf. Zudem kündigte er Ermittlungen des FBI an. Es prüft, ob ein mögliches Hassverbrechen vorliegt.

Der 46-jährige Verdächtige sitzt in Untersuchungshaft, ihm wird dreifacher Mord vorgeworfen. Bei den Opfern handelt es sich um einen 23-jährigen Mann, der aus Syrien stammt, dessen 21-jährige Frau und deren Schwester. Sie waren am Dienstagabend tot in einer Wohnanlage in der Universitätsstadt Chapel Hill gefunden worden. Laut ihren Angehörigen wurde den Opfern in den Kopf geschossen.

Der Vater der beiden Frauen äussert sich überzeugt, dass die drei jungen Leute nur deshalb getötet wurden, weil sie sich zum Islam bekennen. Die örtliche Polizei sprach zunächst von einem Streit um Parkplätze als mögliches Tatmotiv. Doch werde es auch Ermittlungen zu möglichen religiös oder ethnisch motivierten Beweggründen geben.

Arbeitsloser Waffennarr

Der Verdächtige war arbeitslos und besuchte zuletzt in Chapel Hill Volkshochschulkurse. Er gilt als Verfechter des US-Waffenrechts und hatte eine Lizenz für das verdeckte Tragen einer Pistole. Eine solche Waffe wurde bei ihm sichergestellt, nachdem er sich etwa eine Stunde nach der Bluttat der Polizei stellte. Nachbarn beschrieben ihn als mürrischen Mann, der oft in Auseinandersetzungen wegen Parkplätzen oder zu lauter Musik verwickelt gewesen sei. In sozialen Medien habe er immer wieder Kommentare über Feuerwaffen gepostet, auch ein Foto von einem Revolver findet sich fort. Auf Facebook zeigte sich der überzeugte Atheist kritisch gegenüber allen Glaubensrichtungen.

Die Hinterbliebenen der Opfer dringen darauf, dem Schützen wegen eines Hassverbrechens den Prozess zu machen. Doch Rechtsexperten sehen darin aber kaum Erfolgschancen. So müssten Staatsanwälte erst beweisen, dass der Verdächtige seine Opfer bewusst aufgrund ihrer Religion, Rasse oder Herkunft ins Visier nahm.

Dies festzustellen, sei aber schwierig und derartige Fälle zudem rar gesät, erklärten Experten. Der Staat North Carolina hat zudem kein spezifisches Gesetz gegen «Hassverbrechen.» Allerdings wird dort «ethnische Einschüchterungen» wie das Verbrennen von Kreuzen oder mutwilliges Anzünden von Kirchen geahndet.

Die Bundespolizei FBI soll nun ermitteln, ob Bundesgesetze beim Mord an den drei jungen Leuten verletzt wurden, wie Obama ankündigte. Wer man sei oder wie man aussehe oder welchen Glaube man habe, dürfe in Amerika niemals Grund für einen Angriff sein, sagte er weiter. In New York zeigte sich UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon «tief bewegt» über die Tausenden Teilnehmer bei der Beerdigung der Opfer am Donnerstag.

Spendenflut für syrische Flüchtlinge

Bei einer Online-Spendenaktion des ermordeten US-Studenten Deah Shaddy Barakat für syrische Flüchtlinge ist es nach der brutalen Attacke zu einer wahren Spendenflut gekommen. Bis Freitag kamen auf seiner Seite auf der Internetplattform YouCaring.com mehr als 330'000 Dollar zusammen.

Der Zahnmedizinstudent hatte ursprünglich vorgehabt, 20'000 Dollar zu sammeln, um zusammen mit anderen Zahnärzten Kinder in Flüchtlingslagern in der Türkei behandeln zu können. «Hunderte Schüler» bräuchten dort «dringend» eine zahnmedizinische Behandlung, sagte Barakat in einem Video.

AP/AFP/chk

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