Menschenrechtler untersuchen möglichen Gift-Einsatz in Nicaragua

Berichten zufolge hat die Regierung in mehreren Städten von Flugzeugen aus giftige Pestizide auf Demonstranten sprühen lassen.

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Eine Menschenrechtsorganisation in Nicaragua will dem Vorwurf nachgehen, dass gegen Demonstranten giftige Pestizide eingesetzt wurden. Es gebe Berichte, dass die Regierung in mehreren Städten von Flugzeugen aus Pestizide auf die Menschen sprühen liess.

Dies erklärte der Direktor der Vereinigung für Menschenrechte Nicaraguas, Alvaro Leiva, am Donnerstag. Augenzeugen berichteten von zwei Flugzeugen, die in den Städten Diriamba und Jinotepe eine streng riechende Chemikalie über Demonstranten verteilte. Diese habe bei Teilnehmern zu Erbrechen und Schwindel geführt.

Welle der Gewalt in Nicaragua. (Video: Reuters)

Nicaragua kommt seit fast zwei Monaten nicht zur Ruhe. Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten, die gegen den autoritären Präsidenten Daniel Ortega auf die Strasse gehen, dessen Unterstützern und der Polizei eskalieren immer weiter.

24-stündiger Generalstreik

Auch am Donnerstag gab es wieder heftige Zusammenstösse zwischen Demonstranten und regierungstreuen Truppen. Mindestens drei Menschen seien bei Angriffen der regierungstreuen Kämpfer auf Aktivisten getötet worden, teilte das Menschenrechtszentrum Cenidh mit. Damit stieg die Zahl der Toten seit Beginn der Massenproteste in dem mittelamerikanischen Land vor zwei Monaten auf 161.

Die jüngsten Zusammenstösse ereigneten sich zeitgleich mit einem 24-stündigen Generalstreik, zu dem aus «Solidarität mit den Opfern» der wochenlangen Proteste aufgerufen worden war. Die Hauptstadt Managua glich am Donnerstag einer Geisterstadt, die gewaltsamen Zusammenstösse ereigneten sich laut Cenidh in den Gemeinden Nagarote, Tipitapa und Masatepe.

Am Freitag wollen sich die katholischen Bischöfe in dem Land um eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition bemühen und die Konfliktparteien an einen Tisch holen. Die Bischöfe kündigten an, ihr Vermittlungsangebot an Staatschef Daniel Ortega und dessen Antwort darauf vorzulegen.

scl/sda

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