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Hochzeits-Attentat – 29 der Opfer sind Kinder und Jugendliche

Bei einem Selbstmordanschlag in der südtürkischen Stadt Gaziantep hat ein Kind über 50 Menschen mit in den Tod gerissen. Die meisten Opfer sind unter 18 Jahre alt.

29 der bereits identifizierten Toten sind nach offiziellen Angaben unter 18 Jahre alt: Angehörige bei der Beerdigung in Gaziantep. (22. August 2016)
29 der bereits identifizierten Toten sind nach offiziellen Angaben unter 18 Jahre alt: Angehörige bei der Beerdigung in Gaziantep. (22. August 2016)
Sedat Suna, Keystone
Grosse Trauer nach dem Anschlag in Gaziantep: Verwandte beten am Sarg eines getöteten dreimonate alten Kindes. (21. August 2016)
Grosse Trauer nach dem Anschlag in Gaziantep: Verwandte beten am Sarg eines getöteten dreimonate alten Kindes. (21. August 2016)
Sedat Suna, Keystone
Zahlreiche Krankenwagen rasen zum Anschlagsort. Die Situation vor Ort ist chaotisch.
Zahlreiche Krankenwagen rasen zum Anschlagsort. Die Situation vor Ort ist chaotisch.
Twitter
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Ein noch minderjähriger Attentäter hat sich auf einer Hochzeitsfeier im Südosten der Türkei in die Luft gesprengt und mindestens 51 Menschen getötet. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan machte am Sonntag die Terrormiliz Islamischer Staat für den Angriff in Gaziantep nahe der syrischen Grenze verantwortlich. Der Attentäter sei zwischen 12 und 14 Jahre alt gewesen. Die Bundesregierung und die USA verurteilten den Anschlag, den schwersten in der Türkei in diesem Jahr.

Erdogan sagte, bei der Attacke vom Samstagabend seien 69 Menschen verletzt worden, 17 von ihnen seien auch am Sonntag noch in kritischem Zustand. Für ihn gebe absolut keinen Unterschied zwischen dem IS, den kurdischen Rebellen und der Bewegung des in den USA im Exil lebenden Geistlichen Fethullah Gülen, den Ankara als Drahtzieher des Putschversuchs Mitte Juli sieht, erklärte Erdogan. Sie seien allesamt Terrorgruppen.

29 der Opfer waren unter 18 Jahre alt

Die meisten Opfer des Selbstmordanschlags von Gaziantep sind nach Angaben der Behörden Kinder und Jugendliche. 29 von 44 identifizierten Toten seien unter 18 Jahre alt, berichteten türkische Nachrichtensender am Montag. 22 der Opfer seien sogar jünger als 14 Jahre gewesen, teilte ein Regierungssprecher mit.

Ministerpräsident Binali Yildirim verurteilte den Angriff auf die Hochzeitsfeier, die unter freiem Himmel stattfand. Die Attacke in der Millionenmetropole habe «eine Hochzeitsfeier zu einem Ort der Trauer» gemacht, erklärte er. «Egal, wie diese verräterische Terrororganisation genannt wird, wir als Volk, als Staat und als Regierung werden unseren Kampf gegen sie fortsetzen», sagte er. Auch die pro-kurdische Partei HDP und machte den IS für die Tat verantwortlich.

Deutschland meldet sich zu Wort

Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den Anschlag scharf. In einem Kondolenztelegramm an Ministerpräsident Yildirim schrieb sie, die Bundesregierung stehe im Kampf gegen den Terrorismus weiter eng an der Seite der Türkei. «Unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Familien», schrieb sie.

Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte: «Nichts kann Gewalt und Anschläge gegen unschuldige Menschen rechtfertigen.» Man habe es einmal mehr «mit den barbarischen Methoden des Terrors zu tun». Der US-Botschafter in der Türkei, John Bass, sagte, man stehe an der Seite des Verbündeten Türkei und setze die enge Zusammenarbeit fort, um die Bedrohung des Terrorismus' zu bekämpfen.

Vize-Regierungschef Mehmet Simsek reiste noch in der Nacht zum Sonntag gemeinsam mit Gesundheitsminister Recep Akdag nach Gaziantep, um den Tatort und die Verletzten zu besuchen. «Das ist ein Massaker beispielloser Grausamkeit und Rohheit», sagte er. Die Türkei stehe allen Terrororganisationen geschlossen gegenüber.

Chaotische Szenen

Auf Fotos aus Gaziantep waren mehrere in Laken eingewickelte Leichen zu sehen. Die Polizei riegelte die Gegend ab. Ein Abgeordneter der Regierungspartei AKP, Samil Tayyar, sagte laut der Nachrichtenagentur Dogan, viele Menschen seien verletzt worden. Er äusserte die Vermutung, dass hinter dem Anschlag die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) steht, die jenseits der nahen Grenze in Syrien weite Gebiete beherrscht.

Zahlreiche Krankenwagen rasten zum Anschlagsort. In sozialen Medien kursierten Videos, die chaotische Szenen zeigten. Menschen schalteten die Taschenlampenfunktion ihres Smartphones ein und irrten auf der Suche nach verletzten Freunden und Angehörigen umher. Am Boden lagen viele blutende Menschen.

Am Ort des Geschehens waren zahlreiche Rettungswagen im Einsatz. (Quelle: Twitter)

Hochzeit unter freiem Himmel

Nach Angaben der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP handelte es sich bei dem von einem Bombenanschlag getroffenen Familienfest um eine kurdische Hochzeitsfeier. Die HDP teilte nach dem Anschlag weiter mit, unter den Todesopfern seien mehrere Kinder. «Wir verurteilen und verdammen diejenigen, die diese Attacke verübt haben, und die Kräfte und Ideologien hinter ihrem Handeln», erklärte die drittgrösste Partei im türkischen Parlament in einer Stellungnahme.

Die Hochzeitsfeier fand nach Medienberichten unter freiem Himmel nahe der Grenze zum Bürgerkriegsland Syrien statt. In diesem Teil Gazianteps wohnen hauptsächlich Kurden, wie es hiess. Im Südosten der Türkei operiert die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. Auch die Terrormiliz IS hat in der Region schon mehrfach Anschläge verübt.

Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) rät von Reisen in das türkische Grenzgebiet zu Syrien und zum Irak ab und nennt dabei auch die Provinz Gaziantep.

Nachrichtenverbot verhängt

Kurz nach dem Anschlag verhängte die Rundfunkbehörde ein teilweises Nachrichtenverbot, wie dies bei anderen Attentaten in der Vergangenheit auch schon der Fall gewesen war. Anadolu verbreitete indes eine Stellungnahme Erdogans, wonach die Täter das türkische Volk zu «provozieren versuchen», indem sie «ethnische und religiöse Empfindlichkeiten» für ihre Zwecke nutzten. Er mache dabei keinen Unterschied zwischen der kurdischen Untergrundorganisation PKK, der Bewegung des Islam-Predigers Fetullah Gülen und dem IS.

Putschversuch und Selbstmordattentate

Die Türkei ist im vergangenen Jahr von einer Reihe von Selbstmordattentaten heimgesucht worden, für die sich kurdische Aufständische verantwortlich zeigten oder der IS verantwortlich gemacht wurde. Im Juni griffen mutmassliche IS-Kämpfer den Flughafen von Istanbul an. Dabei wurden 44 Menschen getötet.

Die Türkei kämpft ausserdem weiterhin mit den Nachwirkungen eines Putschversuches. Für den gescheiterten Staatsstreich vom 13. Juli macht die türkische Regierung den im Exil in den USA lebenden Geistlichen Fethullah Gülen und dessen Anhänger verantwortlich.

SDA/nag/foa/fal

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