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«Mama und Papa bekommen endlich ihre Beerdigung»

Eine Walliserin glaubt, dass es sich bei den mumifizierten Leichen auf dem Tsanfleuron-Gletscher um ihre Eltern handelt. Nun hofft sie auf eine Trauerfeier in Weiss.

Francine und Marcelin werden seit 1942 vermisst. (Screenshot Le Matin)
Francine und Marcelin werden seit 1942 vermisst. (Screenshot Le Matin)

Oberhalb von Les Diablerets VD auf dem Tsanfleuron-Gletscher sind von einem Pistenbully-Fahrer zwei Leichen gefunden worden. Der Mann und die Frau dürften Jahrzehnte im Eis gelegen haben, beide trugen Kleider aus der Zeit des zweiten Weltkriegs, sagt der Chef der Skistation Glacier 3000, Bernhard Tschannen. Demnach machte sein Angestellter den spektakulären Fund bereits am vergangenen Donnerstag. Tschannen vermutet, dass das Paar in eine Gletscherspalte fiel - erst Jahrzehnte später gab der Gletscher die beiden Leichen infolge der Klimaerwärmung frei. Die Polizei will die Toten nun mithilfe einer DNA-Analyse identifizieren.

Sieben Kinder wurden getrennt

Für die 79-jährige Marceline Udry-Dumoulin steht fest, dass es sich um ihre Eltern Marcelin und Francine handelt. Der 40-jährige Schuhmacher und die 37-jährige Lehrerin waren am 15. August 1942 von Chandolin VS zu einer Berner Alp aufgebrochen. «Sie wollten wie immer ihr Vieh füttern», erzählt Udry der Zeitung «Le Matin». «Es war das erste Mal, dass meine Mutter meinen Vater auf eine solche Exkursion begleitete.» Doch das Paar kehrte nie heim. Es hinterliess sieben Kinder, die getrennt und in verschiedenen Familien untergebracht wurden.

In der Nachkriegszeit hätten sich die Geschwister immer weiter voneinander entfernt. «Wir lebten alle in der Region, aber wir waren füreinander Fremde geworden», sagt Udry. «Dann hielt einer meiner Brüder, der Priester geworden war, 1957 eine Gedenkmesse auf dem Gletscher. Das war der grosse Moment der Wiedervereinigung.»

Dreimal selbst auf dem Gletscher

Das Verschwinden der Eltern liess die Kinder nicht los. «Ich bin selbst dreimal auf den Gletscher gestiegen, immer, um sie zu suchen», sagt die Walliserin. «Ich fragte mich immer, ob sie gelitten haben und was aus ihnen geworden sei. Es ist ein Glück, dass ich nun Antworten auf diese Fragen habe.»

Nun hat Udry ihren Frieden. «Mama und Papa bekommen endlich ihre Beerdigung.» Dafür will die Seniorin aber nicht Schwarz tragen. «Ich denke, Weiss ist eher angebracht. Es repräsentiert die Hoffnung, die ich nie verloren habe.»

Übernommen von 20min

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