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Australien: Diese Tierretter werden als Helden gefeiert

Hunderte Millionen Tiere sind in den Buschbränden in Australien verendet. Es ist die Stunde der freiwilligen Helfer.

Eine halbe Milliarde Tiere fielen den Flammen bereits zum Opfer. Video: Tamedia

Kängurus, die im Buschland durch Rauchschwaden hüpfen. Vögel, die von der Hitze erschöpft zu Boden stürzen. Und Koalas, die auf den Bäumen verbrennen. Seit Monaten toben die Feuer in Australien. Ganze Landstriche sind verwüstet – und auch sehr viel von der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt des Kontinents. Wie viel, ist noch nicht abzusehen (zum Bericht).

Hunderte Millionen Tieren sind nach vorsichtigen Schätzungen von Wissenschaftlern allein im Bundesstaat New South Wales an der Südostküste getötet worden. Bilder von verkohlten Kängurus treffen die Leute ins Mark. Geschichten von geretteten Tieren sind da Balsam: So wie die eines kleinen Koalas, der gerade in einem Lastwagen Unterschlupf fand. Oder Geschichten davon, dass Feuerwehrleute die Tiere bergen und ihnen Wasser geben.

Die Tragödie um Australiens verheerende Buschbrände bringt auch Helden hervor. So auch den 22-jährigen Patrick Boyle, der verletzte Koalas und andere Wildtiere aus dem schwer getroffenen Küstenort Mallacoota in Victoria rettet. «Dies ist nur einer von sieben Koalas, die mein Schwager in Sicherheit gebracht hat», schreibt Renae Bruce auf Facebook. Dazu ein Foto seines Schwagers, der einen in einer Decke eingewickelten Koala im Arm hält. Der 22-jährige ist eigentlich ein Jäger, von dem man eigentlich zuletzt erwarten würde, dass er Tieren hilft, wie Boyle im australischen Fernsehen sagte. Einige Tiere habe er sicher ins Mallacoota Wildlife Tierheim bringen können, wo sie versorgt werden. Er habe aber auch mindestens zehn tote Koalas gefunden und solche, denen nicht mehr zu helfen war.

Filmemacher Sam McGlone kämpft derzeit mit seiner Familie gegen die Brände in der Nähe seiner Heimatstadt Braidwood. Dabei fand McGlone auch ein Baby-Kanguru. Er postete ein Video der Rettung des kleinen Tieres auf Instagram. Er wickelte das Baby in ein Tuch und brachte ihm Wasser. Am Ende des Videos sagt er: «Ich habe ihn heute aus dem Feuer gerettet. Wir haben dich, Kumpel, keine Sorge, jetzt habe ich dich.»

Damian Campbell-Davys hat die Aufgabe, die Tanks der Feuerwehrautos mit Wasser zu füllen. Als er mit seinem Fahrzeug in der Region nahe der Stadt Nerriga in New South Wales unterwegs war, entdeckte er einen jungen Koala, der aus einem Kiefernwald heraustaumelte. Damien holte das völlig erschöpfte Tier zu sich an Bord, gab ihm Wasser und brachte ihn in Sicherheit. Im Netz wird Damien, der die Bilder des Tieres in seinem Truck veröffentlichte, als Held gefeiert. «Dies ist ein kleiner Lichtblick in diesem Alptraum», sagt er zum Sydney Morning Herald.

Koalas können nicht wie Kängurus oder Wallabys weghüpfen. Die Beutelsäuger rollen sich während der Brände in den Bäumen zusammen, was verheerend ist.

Glück gehabt: Dieser Koala wurde von Damian Campbell-Davys gerettet. Der wird mittlerweile als Held gefeiert. Bilder: Getty Images
Glück gehabt: Dieser Koala wurde von Damian Campbell-Davys gerettet. Der wird mittlerweile als Held gefeiert. Bilder: Getty Images

Massensterben geht weiter

Für den Lebensraum und die Population der Koalas – wie Kängurus sind auch sie nur in Australien heimisch – sieht es nicht gut aus. So schildert es Sue Ashton, die Chefin des landesweit einzigen Koala-Krankenhauses in Port Macquarie, das in einem der Brandgebiete liegt. Sie schätzt, dass es landesweit Zehntausende Tiere nicht geschafft haben. «Allein in unserer Gegend sind Hunderte Koalas gestorben», sagte sie am Montag. In einem über lange Zeit untersuchten Gebiet seien etwa zwei Drittel der Population verendet.

Auf der Känguru-Insel, einem beliebten Urlaubsziel im Süden des Landes, ist nach Schätzungen von Wildschützern die Hälfte der Tiere verendet oder wird es wohl noch. Darunter ist möglicherweise die Hälfte der etwa 50'000 Koalas. Es gibt keine Nahrung mehr, viele der Tiere, die nicht im Feuer umgekommen sind, werden verhungern, wie ein Parkbesitzer der Zeitung «Adelaide Now» schilderte. Für die Tierwelt werde es Jahre dauern, bis sie sich erhole.

Ein Wallaby leckt am Rande eines Walds in New South Wales seine Brandwunden. Foto: Wolter Peeters/Getty Images
Ein Wallaby leckt am Rande eines Walds in New South Wales seine Brandwunden. Foto: Wolter Peeters/Getty Images

In Australien trifft es aber auch Tiere, von denen viele Menschen in Mitteleuropa noch nie gehört haben: etwa die Schmalfussbeutelmaus oder das Kaninchenkänguru. Der Ökologie-Professor Euan Ritchie von der Deakin Universität sagte, es sei zu früh, um zu bilanzieren, welche Folgen die Brände für die einzelnen Tierarten haben. «Wir sorgen uns sehr um viele Regenwald-Arten, die typischerweise keine Feuer erleben und deswegen nicht besonders widerstandsfähig sind.»

In den Feuergebieten ist es die Stunde der freiwilligen Tierretter, 2600 Leute zählt etwa die Organisation Wires. Auch deren Sprecher John Grant kann nicht sagen, wie folgenreich die Brände letztlich sind. Doch allein im Dezember gingen bei Wires 20'000 Anrufe ein, die um Hilfe baten. Die Organisation kümmert sich etwa um Vögel, Kängurus und Wallabys, dabei besonders um die Babys, sowie um Wombats und Possums. Viele Känguru-Mütter werfen ihren Nachwuchs aus dem Beutel, um sich zu retten, wie Grant sagt. «Wir sorgen uns um die nächste Generation.» Viele Tiere müssten auch eingeschläfert werden.

SDA/sho

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