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Lehrerinnen-Mörder muss 15 Jahre hinter Gitter

Wegen eines brutalen Mordes an seiner früheren Lehrerin hat das Landgericht in Bremen in Deutschland den 21-jährigen Gero S. zu langer Haft verurteilt. Doch zuvor wird psychiatrisch behandelt werden.

Keine Reue: Der Angeklagte betrat den Gerichtssaal mit einem Lächeln.
Keine Reue: Der Angeklagte betrat den Gerichtssaal mit einem Lächeln.
Keystone

Bei dem Angeklagten liege eine «schizotypische Persönlichkeitsstörung» vor, wie der Vorsitzende Richter erklärte. Der ehemalige Schüler hatte die 35-jährige Heike B. wie ein Stalker beobachtet und bedrängt. Am 18. Dezember 2009 stach er sie auf offener Strasse mit 21 Messerstichen nieder und rief selbst die Polizei.

Die Strafkammer folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hatte die Tat als Mord aus den niedrigen Beweggründen Neid und verschmähte Liebe eingestuft. Die Verteidigung hatte zehn Jahre Haft wegen Totschlags beantragt und sich ebenfalls für die Psychiatrie-Unterbringung ausgesprochen.

Mehrere Jahre lang belästigt

Gero S. hatte als Schüler des Gymnasiums in Osterholz-Scharmbeck im Jahr 2007 begonnen, seine Biologie- und Chemielehrerin zu belästigen und beobachten. Im Frühjahr 2009 musste er die Schule verlassen, weil er wegen schlechter Leistungen nicht zum Abitur zugelassen wurde.

Der Angeklagte sagte, er habe seit November 2008 geplant, Heike B. umzubringen. Am 18. Dezember 2009 befestigte er einen Peilsender an ihrem Auto und lauerte ihr vor ihrer Wohnung auf. Eigentlich wollte er sie zunächst mit 6.500 vorbereiteten Fragen verhören, bevor er sie tötete. Doch sie weigerte sich, ihn mit in die Wohnung zu nehmen, und rief um Hilfe. Da stach er zu. Heike B. starb noch am Tatort.

Heilung offenbar unwahrscheinlich

«Liebe, Neid und Rache, das sind die Gefühle, aus denen heraus die Tat geschehen ist, basierend auf der Störung», sagte der Vorsitzende Richter Helmut Kellermann in der Urteilsbegründung. Die Motive gingen klar aus dem Fragenkatalog des Angeklagten hervor. Dessen Erklärungen dafür seien «einfach Unsinn» und «Gewäsch».

Der 21-Jährige hatte das Gericht mit entspanntem Lächeln betreten. Ganz in Schwarz und mit Springerstiefeln bekleidet verfolgte der blasse, schmächtige Mann die Urteilsbegründung ohne sichtbare Regung. Er soll schon in die geschlossene Psychiatrie kommen, sobald das Urteil Rechtskraft erlangt. Sollte er sie noch einmal verlassen, müsste er seine Haftstrafe antreten. Eine Heilung ist nach Worten des Richters aber offenbar unwahrscheinlich. Derzeit gebe es keine Therapie, mit der eine derart schwerwiegende Störung zu beheben sei.

Richter: «Sie bleiben gefährlich»

Noch in seinem «letzten Wort» hatte der Angeklagte die Lehrerin beschimpft und Stolz auf seine Tat bekundet. «Ich fühle mich innerlich befreit», hatte er gesagt. Der Vorsitzende Richter sagte am Montag zu ihm: «Sie sind gefährlich, und das werden Sie auch bleiben.» Die Strafkammer habe die Höchststrafe bei verminderter Schuldfähigkeit ausgesprochen. Grund dafür sei die ursprüngliche Tatplanung gewesen.

Der Vater des Opfers äusserte Zufriedenheit. «Wir halten das für ein sehr kluges, ausgewogenes Urteil», sagte er. Für die Familie setze es einen Schlusspunkt. Sie habe aber Probleme damit, wie die Schule mit dem Geschehen umgehe. Sie habe im Vorfeld der Tat nicht professionell gehandelt. «Wir möchten schon, dass die Schule daraus lernt.»

(dapd)

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