Zum Hauptinhalt springen

86 km Geisterfahrt, Kokain, Alkohol – Landesverweis

Mit Durchschnitts-Tempo 143 raste ein Italiener auf der A3 auf der falschen Spur durch vier Kantone. Jetzt bekam er die Quittung.

Hier musste sich der 46-jährige Italiener verantworten: Bezirksgericht Horgen.
Hier musste sich der 46-jährige Italiener verantworten: Bezirksgericht Horgen.
Keystone

86 Kilometer dauerte die Irrfahrt auf der Autobahn A3 eines 46-jährigen Italieners am 15. April dieses Jahres – von Balzers im Fürstentum Liechtenstein bis nach Horgen, wo ihn die Zürcher Kantonspolizei endlich stoppen konnte. Heute stand der arbeitslose Maler vor dem Bezirksgericht Horgen, wo der Prozess im abgekürzten Verfahren durchgeführt wurde. Das heisst, der Italiener akzeptiert den Urteilsvorschlag des Staatsanwaltes.

Demnach soll der Beschuldigte wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln und weiterer Delikte zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren, einer bedingten Geldstrafe sowie einer Busse von 500 Franken verurteilt werden. Sechs Monate soll der Geisterfahrer absitzen, die restlichen 30 Monate werden aufgeschoben bei einer Probezeit von drei Jahren. Zudem wird er für zehn Jahre des Landes verweisen. Der Mann ist seit seiner Verhaftung Mitte April bereits im vorzeitigen Strafvollzug.

Führerschein schon entzogen

Die Irrfahrt des 46-Jährigen begann am Abend des 14. April 2018. Der Italiener fuhr mit seinen Audi A4 von seinem Wohnort in Rüschlikon ZH zu seinem Bruder nach Balzers ins Fürstentum Liechtenstein – unter Einfluss von Kokain und ohne Führerschein. Er hatte sein Billett wegen zu schnellem Fahrens für die Dauer eines Monats abgeben müssen.

Einige Stunden später, am frühen Morgen des 15. Aprils um 2 Uhr, will er von Balzers nach Hause fahren – neben dem Kokain hatte er auch noch Alkohol getrunken. Die Blutalkoholkonzentration betrug 1,5 Promille, wie später gemessen wurde. Als er bei Trübbach SG im Rheintal auf die Autobahn A3 einspuren wollte, geriet er irrtümlich auf die Ausfahrtsspur, obwohl insgesamt sechs Einbahntafeln aufgestellt waren.

Die folgenden 86 Kilometer fuhr er nun als Geisterfahrer auf der falschen Autobahnspur und durchquerte dabei vier Kantone. Und nicht nur dass: Trotz Baustellen, Tunnels und einer kurvenreichen Strecke raste er im Durchschnitt mit 143 km/h. Dass es dabei zu keinem Unfall kam, grenzte an ein Wunder. Denn es kamen ihm rund dreissig korrekt fahrende Autos entgegen, wobei eines von der Überholspur abrupt nach rechts auf die Normalspur wechseln musste.

Die von Autofahrern alarmierte Kantonspolizei Zürich versuchte in Freienbach SZ am Zürichsee zum ersten Mal den Geisterfahrer mit Blaulicht, Frontblitzer, Matrixleuchte «Stop Polizei» und Lichthupe anzuhalten. Erfolglos, der Mann fuhr mit hohem Tempo zwischen Polizeiauto und Mittelleitplanke durch. Erst in Horgen, wo die Polizei die Autobahn gegen 2.30 Uhr sperrte, konnte dem Spuk ein Ende gesetzt werden.

«Alle anderen Autos fuhren falsch»

Am heutigen Prozess zeigte sich der Mann geständig und reuig. Er träume jede Nacht von dem Vorfall. Er sei überzeugt gewesen, dass er sich auf der richtigen Spur befunden hätte und die entgegenkommenden Autos falsch gefahren wären. Erst auf Höhe Lachen SZ habe er den Irrtum bemerkt. Auf die Frage des Richters, warum er nicht angehalten habe, sagte er, dass ihm das nicht eingefallen sei. Und kehren auf der Autobahn sei zu gefährlich gewesen, fügte er an.

Warum er überhaupt Kokain genommen habe, fragte ihn der Richter. «Einfach nur so», seine Antwort. Der Mann sagte, nur zwei Biere und zwei Grappa getrunken zu haben, was der Richter bei der gemessenen Blutalkoholkonzentration von 1,5 Promille ungläubig zur Kenntnis nahm. Bezüglich seiner Zukunftspläne sagte der verheiratete Familienvater zweier Töchter, der erst vor rund zwei Jahren in die Schweiz zum Arbeiten gekommen war, dass er wieder zurück zur Familie nach Süditalien gehe und Arbeit suchen werde.

Nach kurzer Beratung bestätigte das Bezirksgericht Horgen den Urteilsvorschlag vollumfänglich. Der Mann muss nun den Rest seiner sechsmonatigen Gefängnisstrafe absitzen und darf dann für zehn Jahre nicht mehr in die Schweiz. «Ich habe meine Lektion verstanden, das wird sich sicher nicht mehr wiederholen» beteuerte der 46-Jährige.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch