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Kommt jetzt auch Gary Glitter hinter Gitter?

Der britische Sänger Paul Gadd steht wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht.

Gary Glitter ist bereits mehrmals vorbestraft. Foto: Reuters
Gary Glitter ist bereits mehrmals vorbestraft. Foto: Reuters

Erneut muss sich ein prominenter britischer Entertainer vor Gericht verantworten – weil er des Kindesmissbrauchs beschuldigt wird. Diesmal ist es Gary Glitter, der seinen Landsleuten früher einmal als ganz besonders glamouröse Nummer, als schwarzmähniger Rockstar in kuriosen Kostümen bekannt war. Glitter hatte zwischen den 70er- und 90er-Jahren 26 Hitsingles eingespielt in London. Seine Songs hielten sich lange in den britischen Top Ten. Jetzt hat in dieser Woche der Prozess gegen den 70-Jährigen begonnen. Der Ex-Star soll sich in früheren Jahren an mindestens drei Kindern sexuell vergangen haben. Unter anderem wird er der versuchten Vergewaltigung einer 10-Jährigen beschuldigt.

Tausende Kinderpornos

Es ist in der Tat nicht das erste Mal, dass der Mann, der eigentlich Paul Gadd heisst, sich vor Gericht verantworten muss. Ende der 90er-Jahre war Glitter für den Besitz von Tausenden pornografischen Kinderfotos verurteilt worden. In Vietnam kam er 2006 wegen sexuellen Missbrauchs einer 10- und einer 11-Jährigen ins Gefängnis. Seither taucht er daheim im Sexualstraftäter-Register auf.

Die neuen (alten) Fälle in England, für die er sich nun verantworten muss, sind im Rahmen der Operation Yewtree ans Licht gekommen. Mit Yewtree hat Scotland Yard in den letzten zwei Jahren die Untaten des 2012 verstorbenen BBC-Moderators Jimmy Savile und damit verbundene oder ähnliche Fälle unter die Lupe genommen. Das Ergebnis der Yewtree-Ermittlungen hat Schockwellen ausgelöst in Grossbritannien. Savile selbst hatte jahrzehntelang Frauen und Kinder skrupellos missbraucht, ohne dass ihn jemals irgendjemand stoppte. Von über 500 Opfern ist inzwischen die Rede. Auch andere Medien- und Unterhaltungsveteranen sind, wie Gary Glitter, «nach Savile» von der Polizei mit Kindesmissbrauch in Verbindung gebracht worden. Der australische TV-Entertainer Rolf Harris ist im vorigen Sommer zu über 5 Jahren Haft, der Publizist Max Clifford zu 8 Jahren verurteilt worden. Der Radiounterhalter Chris Denning muss 13 Jahre abbüssen.

«Üble Hexenjagd»

Wieder andere «mutmassliche Täter» wurden freigesprochen – wie der Diskjockey Dave Lee Travis. Einige dieser ursprünglich Verdächtigten haben sich seither über «polizeilichen Übereifer» beschwert oder sogar von einer «üblen Hexenjagd» gesprochen. Auch der Popstar Cliff Richard stimmte in diesen Chorus ein, als im letzten Sommer seine Villa in seiner Abwesenheit durchsucht wurde – in einer Art Liveübertragung der BBC. Polizei und Medien auf der ­Insel aber wollen sich seit den ­Savile-Enthüllungen um keinen Preis mehr den Vorwurf einhandeln, den Missbrauch von Minderjährigen ignoriert zu haben. Nicht einmal die Spitzen der High Society sind von diesem Aufklärungseifer heute ausgenommen. Das hat die breite Berichterstattung zur jüngsten Beschuldigung von Prinz Andrew, dem zweitältesten Sohn der König von England, gezeigt. Er soll eine Minderjährige missbraucht haben, welche als «Sex-Sklavin» gehalten worden sein soll.

Verstärkt hat sich die Unruhe auf der Insel natürlich auch nach dem Bekanntwerden des langjährigen sexuellen Missbrauchs von jungen Frauen und Mädchen in der nordenglischen Stadt Rotherham – 1400 Teenager und Kinder sollen es seit 1997 gewesen sein.

Und viel Rätselraten hat eine Geschichte ausgelöst, die schon lange durchs Land geistert, von der aber niemand weiss, wie ernst sie zu nehmen ist. In Westminster soll es jahrelang einen «Pädophilenring» gegeben haben, in dem angeblich prominente Politiker und hohe Militärs und Richter zusammengeschlossen waren. Mittlerweile hat die Regierung versprochen, die Flut der Missbrauchsfälle durch eine Sonderkommission untersuchen zu lassen.

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