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Koka-Blätter für geschwächten Papst

Der bolivianische Präsident Evo Morales begrüsste den Papst auf 4000 Metern Höhe mit einem speziellen Geschenk.

Letzte Etappe der Südamerika-Reise: Papst Franziskus beim Empfangszeremonie mit Paraguays Präsident Horacio Cartes. (10. Juli 2015)
Letzte Etappe der Südamerika-Reise: Papst Franziskus beim Empfangszeremonie mit Paraguays Präsident Horacio Cartes. (10. Juli 2015)
Cesar Olmedo, Keystone
Papst Franziskus erhält im Präsidentenpalast in Asunción ein Dress der paraguayischen Fussball-Nationalmannschaft.
Papst Franziskus erhält im Präsidentenpalast in Asunción ein Dress der paraguayischen Fussball-Nationalmannschaft.
PRESIDENCY OF PARAGUAY, Keystone
Ein Mann hält eine Pappfigur in die Höhe, während er am Strassenrand in Quito auf Papst Franziskus wartet.
Ein Mann hält eine Pappfigur in die Höhe, während er am Strassenrand in Quito auf Papst Franziskus wartet.
EPA / Robert Puglla, Keystone
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Erstmals seit 27 Jahren hat ein Papst wieder bolivianischen Boden betreten. Am Mittwoch landete Papst Franziskus von Ecuador aus kommend auf dem Flughafen im 4000 Meter hoch gelegenen El Alto. Hunderttausende Menschen jubelten ihm zu.

Geschwächt verliess der Papst das Flugzeug und erhielt vom Staatspräsidenten Evo Morales nach einer Umarmung einen Beutel mit Koka-Blättern geschenkt, die seit der Inka-Zeit angebaut und gekaut werden. Sie sollen gegen Erschöpfung, aber auch gegen die Höhenkrankheit helfen. Franziskus verzichtete aber am Flughafen zunächst auf den Konsum.

In der Begrüssungszeremonie lobte der Argentinier, den die Bolivianer als ihren lateinamerikanischen Papst begrüssten, die Bemühungen für ein friedliches Zusammenleben der vielen Ethnien in dem Land.

«Wie viel Freude bereitet es uns zu wissen, dass das Spanische, das in diese Länder gebracht wurde, heute mit 36 indigenen Sprachen zusammenlebt und sich vermischt», sagte der 78-jährige Argentinier, der frenetisch gefeiert wurde.

Als «Bruder» empfangen

Entlang der 15 Kilometer langen Route des Papamobils zum auf 3600 Meter gelegenen Regierungssitz La Paz hatten die Menschen teilweise in Zelten übernachtet, um einen guten Blick zu erhaschen. Der Tag war zum Feiertag erklärt worden, überall sangen die Menschen «Willkommen in La Paz».

Morales ist zwar einerseits auf Konfrontationskurs mit der heimischen Kirche, umschmeichelt den Papst aber als Verbündeten im Kampf gegen Armut und Ausgrenzung. Mehrfach pries er ihn als «Bruder».

Kirchliche Organisationen werfen dem ersten indigenen Präsidenten des Landes aber eine Instrumentalisierung des Besuches vor, da dieser im eigenen Land oft gegen die katholische Kirche gerichtet agiere. Streitpunkte sind etwa Interventionen im Bildungsbereich, zudem sieht Morales viele Bischöfe in Opposition zu ihm.

Schub für Katholiken erwartet

Der Andenstaat hat im Zuge der Verstaatlichung des Erdgassektors deutliche Schritte nach vorn zum Beispiel zur Verbesserung von Infrastruktur und Gesundheitsversorgung gemacht und wies zuletzt ein Wirtschaftswachstum von rund fünf Prozent auf. Das Bruttoinlandprodukt beträgt aber nur 2750 Dollar pro Kopf. Und es gibt riesige Einkommensunterschiede und viel Armut.

Das Land ist stark katholisch geprägt, evangelikale Pfingstkirchen und Naturreligionen, die gerade bei der indigenen Bevölkerung verbreitet sind, üben aber einen grossen Einfluss aus. Daher soll die Papst-Visite auch der Stärkung der katholischen Kirche dienen.

Messe vor einer Million Menschen

Eindringlich warnte Franziskus vor reinem Profitstreben. «Wenn es sich beim Wachstum um ein bloss materielles handelt, läuft man immer Gefahr, wieder neue Unterschiede zu schaffen, bei denen der Überfluss der einen auf dem Mangel der anderen beruht.»

Wegen der Höhe war vereinbart worden, dass der Papst, der nur einen voll funktionierenden Lungenflügel hat, nach wenigen Stunden weiter nach Santa Cruz ins Tiefland reist, wo am Donnerstag zu einer Messe eine Million Menschen erwartet werden, darunter auch tausende Katholiken aus der argentinischen Heimat.

SDA/chk

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