Klimastreik: Gymnasium bestraft Schüler mit Note 1

Waadtländer Gymnasiasten, die wegen des Klimastreiks eine Prüfung verpassten, haben die schlechteste Note erhalten. Betroffene wehren sich.

Klimastreik: Schülerinnen und Schüler aus Payerne VD verpassten eine Mathematik-Prüfung.

Klimastreik: Schülerinnen und Schüler aus Payerne VD verpassten eine Mathematik-Prüfung.

(Bild: www.20minutes.ch)

Schüler des Gymnasiums in Payerne (VD) wollten am vergangenen Freitag etwas für das Klima tun und beteiligten sich am Klimastreik. In der Zeit wäre eigentlich eine Mathematik-Prüfung auf dem Programm gestanden. Die Lehrer kannten keine Gnade mit den Streikenden: Die Abwesenden kassierten eine Eins – die schlechteste Note.

Für Anne* ist das nicht nachvollziehbar. «Eine Strafe sollte nicht mit den Leistungen in der Schule vermischt werden», sagt sie. «Wenn ich nachsitzen müsste, hätte ich gar kein Problem damit. Jetzt aber habe ich vielleicht Probleme, das Schuljahr zu bestehen, obwohl die Note nichts mit meiner Leistung in Mathematik zu tun hat.» Das sei moralisch nicht korrekt.

Rektor verteidigt Vorgehen

Annes Mutter sieht das ähnlich. Statt eine Krankheit vorzutäuschen, habe ihre Tochter ehrlicherweise die Wahrheit gesagt. Sie unterstütze das Engagement ihrer Tochter. Auch die Mutter der betroffenen Céline ist verärgert – und will nun Berufung gegen die Benotung ihrer Tochter einlegen.

Der Rektor der Schule, Thierry Maire, verteidigt das Vorgehen. Es handle sich nicht um eine Bestrafung, sondern um die normale Anwendung der Vorschriften. «Das ist die Regel», sagt er. Anders wäre es gewesen, wenn die Schüler um eine Beurlaubung gebeten hätten. «Einige haben das getan. Mit ihnen fanden wir eine Lösung», erklärt Maire.

Andere Kantone sind gnädiger

In anderen Kantonen hat der Klimastreik der Schülerinnen und Schüler zu Aussprachen mit den politisch Verantwortlichen geführt. Im Wallis wird eine Schüler-Delegation wegen einer Demonstration den zuständigen Staatsrat Christophe Darbellay (CVP) treffen. Auch im Kanton Waadt hat die zuständige Staatsrätin Cesla Amarelle angekündigt, sich mit den Schülern treffen zu wollen.

Der Kanton Basel-Stadt lehnt es ab, die Schülerschaft wegen der Teilnahme am Klimastreik mit schlechten Noten zu bestrafen. Auch wenn diese deshalb eine Prüfung verpasst, schreibt blick.ch. Simon Thiriet, Sprecher des Erziehungsdepartements, erklärt: «In solch einem Fall wird normalerweise ein zweiter Termin vereinbart.»

Unterstützung erhalten die streikenden Jugendlichen sogar von der obersten Umwelt-Verantwortlichen des Landes. «Es freut mich, wenn sich junge Menschen für die Zukunft engagieren. Vom Klimawandel sind sie besonders betroffen», liess SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga über Twitter verlauten.

*Name der Redaktion bekannt

(Übernommen von 20 Minuten, bearbeitet von DerBund.ch/Newsnet.)

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