Kita-Mitarbeiter des sexuellen Missbrauchs beschuldigt

Gegen den 2018 verhafteten Mitarbeiter einer Kinderkrippe gibt es neue Vorwürfe: Er soll zwei Knaben sexuell missbraucht und Videos im Darknet verbreitet haben.

Die Staatsanwaltschaft St.Gallen hat Krippenleitung und die betroffenen Eltern über die neuen Vorwürfe informiert. Symbolbild: Keystone

Die Staatsanwaltschaft St.Gallen hat Krippenleitung und die betroffenen Eltern über die neuen Vorwürfe informiert. Symbolbild: Keystone

Der Fall sorgte im vergangenen August für Aufsehen: Ein 33-jähriger Mitarbeiter einer St. Galler Kinderkrippe wurde verhaftet wegen des Verdachts, kinderpornografisches Material verbreitet zu haben. Zunächst schien es keine Anhaltspunkte auf fehlbares Verhalten am Arbeitsplatz zu geben.

Nun hat die für die betroffene Krippe verantwortliche Fiorino AG die Eltern in einem Schreiben über den neuesten Stand der Ermittlungen informiert. Im Schreiben, aus dem «20 Minuten» zitiert, heisst es, dass «im Rahmen der Ermittlungen auf verschiedenen Datenträgern Material gefunden wurde, das leider darauf schliessen lässt, dass ein Knabe in der betroffenen Fiorino Kita sexuell missbraucht wurde».

Das bestätigt die Staatsanwaltschaft St. Gallen am Mittwoch in einer Medienmitteilung. Sie gibt des weiteren bekannt, dass ein zweiter Bub, auch er unter zwei Jahren, mutmasslich im privaten Rahmen missbraucht worden sei. Videos davon habe der Kita-Betreuer «zum Teil im Darknet verbreitet».

Auch Fotos online verbreitet

Zudem seien «sexuell motivierte» Bildaufnahmen gemacht worden, auch im Fiorino. In einem Fall habe der 33-Jährige die Fotos anonym online verbreitet. Die Eltern der betroffenen Kinder seien von der Staatsanwaltschaft bereits direkt kontaktiert worden.

«Wir sind über diese Entwicklung zutiefst erschüttert», sagt Jacques Hefti, Verwaltungsratspräsident der Fiorino AG auf Anfrage von «20 Minuten». «Es gibt keine Worte, die auch nur annähernd ausdrücken können, was Sie als Eltern von betroffenen Kindern empfinden». Laut Hefti sei die Kita-Leitung am Mittwoch von der Staatsanwaltschaft über die neusten Erkenntnisse informiert worden. Alle stünden unter Schock.

«Wir wissen nicht, wie es ihm gelungen ist, mit einem Kind allein zu sein.»Jacques Hefti, Verwaltungsratspräsident der Fiorino AG

«Es gibt keine Worte dafür, dass dies in unseren Räumlichkeiten passiert ist – aber auch keine Erklärungen», sagte Hefti am Donnerstagnachmittag an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz der Fiorino AG. Man sei im Verfahren nicht Partei und erhalte deshalb von der Staatsanwaltschaft auch keine näheren Informationen.

«Wir wissen deshalb nicht, wie es ihm gelungen ist, mit einem Kind allein zu sein, es zu missbrauchen oder es zu fotografieren», sagte Hefti weiter. Die Kinder würden in der Kita immer in Gruppen betreut, in der Regel von mehreren Mitarbeitenden. Es gebe klar definierte Vorschriften; unter anderem gelte das Prinzip der offenen Türen.

«Die Eltern stellen uns Fragen, aber wir können ihnen keine Antworten geben», so Hefti. Bereits als der Mitarbeiter im Sommer verhaftet worden sei, habe man die eigenen Richtlinien überprüft. Nun werde man sie nochmals unter die Lupe nehmen. «Wir werden alles unternehmen, dass so etwas nie wieder geschieht.»

Für den Abend ist ein Elternabend geplant. Als Sofortmassnahme habe man nun alle Eltern und Mitarbeiter sowie die Aufsichtsbehörde informiert. Zudem arbeite man eng mit dem Kinderschutzzentrum St. Gallen und den Untersuchungsbehörden zusammen. Auch intern werde der Fall aufgearbeitet und die Arbeits- und Anstellungsrichtlinien nochmals überprüft.

«Weitere Opfer nicht auszuschliessen»

Bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gibt es verschiedene Schwierigkeiten: Die Ermittler wüssten nicht, ob der mutmassliche Täter die sexuellen Handlungen immer gefilmt oder fotografiert habe. Die Opfer, zum Tatzeitpunkt meist erst rund 18 Monate alt, könnten nicht befragt werden.

«Wir werden nie mit absoluter Sicherheit sagen können, dass es keine weiteren Opfer gibt», sagt Roman Dobler, stellvertretender Mediensprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft gegenüber Keystone-SDA. «Ausserdem ist der Beschuldigte nicht sehr kooperativ», so Dobler.

Dem 33-Jährigen droht eine Anklage wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern, mehrfacher Schändung und mehrfacher qualifizierter Pornografie. Der Mann wurde im Juli 2018 festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft. Bei Hausdurchsuchungen im Juli sichergestellte Datenträger wurden inzwischen ausgewertet. Dabei kamen laut Staatsanwaltschaft mehrere zehntausend sichergestellte Bilddateien mit mutmasslich kinderpornografischem Inhalt zum Vorschein.

Übernommen von 20 Minuten, bearbeitet und ergänzt von Tagesanzeiger.ch/Newsnet und SDA

red

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