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Jörg Kachelmann ist frei

Haftbefehl aufgehoben: Der Schweizer TV-Moderator Jörg Kachelmann konnte heute um 13.37 Uhr die Justizvollzugsanstalt Mannheim verlassen.

Jörg Kachelmann verlässt am 29. Juli 2010 um 13.35 Uhr das Gefängnis in Mannheim.
Jörg Kachelmann verlässt am 29. Juli 2010 um 13.35 Uhr das Gefängnis in Mannheim.
Reuters
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Im weissen Langarm-Shirt, frisch rasiert und gefasst, verliess heute um 13.37 Uhr Jörg Kachelmann die Justizvollzugsanstalt Mannheim. Der Schweizer TV-Moderator präsentierte sich in Begleitung seines Anwaltes Reinhard Birkenstock den Journalisten. Kachelmann gab allerdings keine Erklärung ab, sondern nahm in einem bereitstehenden Wagen Platz, um wenige Augenblicke später davonzufahren.

Das Oberlandesgericht in Karlsruhe hatte heute den Haftbefehl gegen Jörg Kachelmann aufgehoben und seine «sofortige Haftentlassung» angeordnet. Das Gericht entschied, dass «im derzeitigen Stadium des Verfahrens kein dringender Tatverdacht mehr bestehe». Damit wird auch Fluchtgefahr als nicht gegeben beurteilt. Der 52-jährige Schweizer sass seit dem 20. März im Gefängnis, weil er seine frühere Freundin vergewaltigt haben soll. Die Verteidiger von Kachelmann hatten Haftbeschwerde gegen die Untersuchungshaft eingereicht.

Anwalt Reinhard Birkenstock hat die Freilassung des Schweizer TV-Wetterexperten Jörg Kachelmann begrüsst. «Wir freuen uns alle jetzt», sagte der Jurist verschiedenen Nachrichtensendern. «Ich bin nicht dazu da, Vorwürfe zu machen. Ich bin Strafverteidiger, mein Beruf ist es, ungerecht einsitzende Gefangene aus der Untersuchungshaft zu holen und das ist uns heute Gott sei Dank gelungen», sagte Birkenstock. Man bereite sich jetzt konzentriert weiter auf die Hauptverhandlung vor. «Und was wir da vorhaben und tun, das werden wir dann, wenn die Hauptverhandlung beginnt, umsetzen.»

Prozess im September

Kachelmann muss sich ab 6. September vor dem Landgericht Mannheim wegen schwerer Vergewaltigung in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung verantworten. Laut Anklage soll er seine langjährige Freundin in der Nacht zum 9. Februar 2010 bei einem Streit in ihrer Wohnung in Schwetzingen mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben. Er bestreitet die Tat. Für das Gericht liegt angesichts eines «bestreitenden Angeklagten» und der Nebenklägerin als einziger Belastungszeugin die Fallkonstellation der «Aussage gegen Aussage» vor.

Die Verteidigung spricht von einer falschen Beschuldigung und hatte Haftbeschwerde eingelegt. Diese richtet sich gegen den Beschluss des Landgerichts Mannheim vom 1. Juli, mit dem der Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls zurückgewiesen wurde. Die Fünfte Grosse Strafkammer hatte die Aussagen der Ex-Freundin Kachelmanns als glaubwürdig bezeichnet. Die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe hatte beantragt, die Haftbeschwerde als unbegründet zurückzuweisen.

Umfrage zum Fall Kachelmann

Unterdessen hält laut einer repräsentativen Umfrage fast die Hälfte der Deutschen den Wettermoderator für unschuldig. Bei einer Erhebung für das Magazin «Stern» gaben 45 Prozent der insgesamt 1001 Befragten an, Kachelmann sei nicht schuldig. Nur gut jeder Fünfte (22 Prozent) glaubt, dass die Beschuldigungen gegen Kachelmann zutreffen. Ein Drittel der Bürger (33 Prozent) traut sich in der Frage keine Einschätzung zu.

(afp/sda/dapd)

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