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Japan zwingt Staatsbeamte zu mehr Freizeit

Spätestens um 17.30 Uhr sollen Angestellte das Büro verlassen. Das Testprojekt kommt allerdings nicht bei allen Mitarbeitern gut an.

Japanische Angestellte nehmen sich selten Zeit für die Familie: Ein Vater mit seiner Tochter beim Mittagessen im Ueno-Park in Tokio. (21. Juni 2015)
Japanische Angestellte nehmen sich selten Zeit für die Familie: Ein Vater mit seiner Tochter beim Mittagessen im Ueno-Park in Tokio. (21. Juni 2015)
Shizuo Kambayashi, Keystone

Seit dem 1. Juli müssen japanische Beamte früher aus den Federn. Wie «The Japan News» berichtet, hat die Regierung ein Experiment gestartet, das die Angestellten zu mehr Freizeit zwingt. Das Programm Yukatsu (deutsch: Abendaktivität) sieht vor, dass die Staatsbeamten ihre Arbeit zwischen 7.30 Uhr und 8.30 Uhr aufnehmen. Dafür sollen sie spätestens um 17.30 Uhr das Büro wieder verlassen.

Das bedeutet, dass keine Sitzungen mehr nach 16.15 Uhr angesetzt werden dürfen. «Wir wollen damit gegen lange Arbeitstage und Überstunden vorgehen», sagt Premierminister Shinzo Abe dem Portal. Bis Ende August läuft eine Testphase, an der 220'000 Staatsangestellte teilnehmen.

Kaum Ferien

Nach Angaben des «Asienspiegels» gehören heute lange Arbeitswege und Überstunden zum Alltag. Die wenigsten würden sich Zeit für die Familie oder Freizeitbeschäftigungen nehmen. Auch bezahlte Ferien beziehen nur die wenigsten.

Diese Arbeitsgewohnheit sei Abe ein Dorn im Auge. Er fürchte um sein Wirtschaftsprogramm. Wer immer arbeite, habe keine Zeit, um das Geld auszugeben, schreibt das Portal. Viele seien gestresst, dadurch stiegen die Gesundheitskosten, und auch die Arbeitseffizienz bleibe auf der Strecke.

«Ich bin müde»

Die Reaktionen bei den Mitarbeitern fallen unterschiedlich aus, wie eine Befragung des Senders TBS News zeigt. Für viele beginnt nun der Arbeitsalltag rund zwei Stunden früher als bisher. «Ich bin heute um 5.30 Uhr aufgestanden. Ich bin müde, es ist ziemlich hart», sagte eine Beamtin. Eine weitere Interviewte findet hingegen Gefallen am Projekt: «So kann ich am Abend Englisch-Unterricht nehmen.»

Die japanische Regierung hofft, dass dereinst auch regionale Verwaltungen sowie Unternehmen der Privatwirtschaft mitziehen. Für den «Asienspiegel» ist es entscheidend, ob Politiker selbst die Regeln einhalten. Regierungschef Abe will jedenfalls als gutes Vorbild vorangehen: «Ich werde fortan mein Büro um 17.30 Uhr verlassen.»

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