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Jagd auf unzüchtige Beinkleider

Eine indonesische Provinz verbietet allen Frauen, Jeans und Hosen zu tragen.

Zu sexy: Die Scharia-Polizei will keine junge Frauen mehr in Hosen sehen.
Zu sexy: Die Scharia-Polizei will keine junge Frauen mehr in Hosen sehen.
Reuters

Jeans sind praktisch. Männer wie Frauen weltweit tragen die meist blauen Hosen. Im indonesischen Bezirk West-Aceh müssen Frauen seit einigen Tagen allerdings auf dieses Kleidungsstück verzichten: Konservative Muslime haben eine Vorschrift durchgesetzt, die ihnen nicht nur das Tragen von Jeans, sondern aller Hosen, ja aller freizügigen Kleidung untersagt. Was als freizügig gilt, darüber entscheidet die Scharia-Polizei.

Röcke bereitgestellt

Bei der Vollstreckung dieser seit Donnerstag geltenden Vorschrift zur Durchsetzung radikal-konservativer Moralvorstellungen wird kein Aufschub geduldet. Bei ersten Kontrollen hielt die Religionspolizei am Donnerstag 18 Frauen an, die zwar mit Kopftuch, aber eben in Jeans auf Motorrädern unterwegs waren. Auf der Stelle mussten sie ihre Hosen gegen gesetzeskonforme knöchellange Röcke tauschen. Die Jeans wurden konfisziert. Vorsorglich haben die Behörden für Missetäterinnen 20 000 Röcke bereitgestellt.

«Ich trage keine sexy Kleidung und trotzdem haben sie mich wie eine Terroristin behandelt», sagte die 40-jährige Imma, nachdem die Religionswächter ihre Hose aus dem Verkehr gezogen hatten. Dabei seien Jeans beim Motorradfahren einfach viel praktischer als Röcke.

Motorräder sind eines der wichtigsten Verkehrsmittel in Indonesien. Doch um weiterfahren zu dürfen, musste Imma sich nicht nur umziehen. Die Religionspolizisten notierten auch ihre Personalien. Erst nachdem sie sich eine Standpauke von einem Prediger angehört hatte, durfte sie ihre Fahrt fortsetzen.

Jeans sind nicht mehr im Verkauf

Bezirkschef Mansur sagte, das neue Gesetz schreibe keine genauen Strafen vor. Aber Frauen, die mehr als dreimal erwischt würden, müssten mit zwei Wochen Gefängnis rechnen. Eine relativ milde Strafe, verglichen mit denen, die im vergangenen Jahr gemäss dem islamischen Scharia-Recht für andere Vergehen eingeführt wurden. Seitdem dürfen Ehebrecherinnen in der Provinz Aceh zu Tode gesteinigt werden, und Homosexuelle können ins Gefängnis gesperrt oder öffentlich ausgepeitscht werden.

Die halbautonome Provinz Aceh hat die wohl radikalsten Sittengesetze im eigentlich säkularen Indonesien. Doch auch in anderen Provinzen wurden Religionsvorschriften in Gesetze umgemünzt. So ist vielerorts Alkohol und Glücksspiel verboten, Pärchen dürfen sich schon längst nicht mehr in der Öffentlichkeit küssen. Die nun in Kraft getretene Kleidungsvorschrift gelte nur für muslimische Einwohner, erklärte Mansur. «Wir wollen sie nicht auf Nicht-Muslime anwenden.»

Doch Nicht-Muslime sind eine kleine Minderheit im rund 230-Millionen-Einwohner-Land Indonesien, in dem über 85 Prozent der Bevölkerung dem Islam angehören. Ohne Rücksicht auf die Religionszugehörigkeit gilt für alle Bekleidungsgeschäfte in West-Aceh, dass der Verkauf enger Frauenkleidung verboten ist. Mansur drohte den Ladenbesitzern: Wer kurze Röcke oder Jeans verkaufe, dem werde die Geschäftslizenz entzogen. Seit Wochen wagt kein Laden mehr, Jeans oder andere enge Frauenkleidung anzubieten.

AP/Fakhrurradzie Gade

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