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Im inneren Zirkel der Hells Angels

Nach der Grossrazzia gegen die Hells Angels in Deutschland wird es eng für die Motorradgang. Ermittler halten die Rockergruppe für eine kriminelle Organisation und werfen ihr sogar Auftragsmorde vor.

Grossrazzia in Norddeutschland: Mit einem Bagger sucht die Polizei nach einer angeblich einbetonierten Leiche. (25. Mai 2012)
Grossrazzia in Norddeutschland: Mit einem Bagger sucht die Polizei nach einer angeblich einbetonierten Leiche. (25. Mai 2012)
Keystone
Durchsuchung im Bordell: Maskierte Polizisten stürmen eine Hells Angels-Liegenschaft in Kiel. (24. Mai 2012)
Durchsuchung im Bordell: Maskierte Polizisten stürmen eine Hells Angels-Liegenschaft in Kiel. (24. Mai 2012)
Keystone
Sollen ähnlich wie die Mafia organisiert sein: Mitglieder des Motorradclubs Hells Angels.
Sollen ähnlich wie die Mafia organisiert sein: Mitglieder des Motorradclubs Hells Angels.
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In einer spektakulären Aktion haben deutsche Ermittler Ende Mai eine Grossrazzia bei Mitgliedern des Motorradclubs Hells Angels durchgeführt. 1000 Polizisten und 63 Staatsanwälte waren am Einsatz in Norddeutschland beteiligt. Im nun eröffneten Verfahren gibt ein Kronzeuge Einblick in die innere Struktur der Rockerorganisation, wie der «Spiegel» schreibt (Artikel online nicht verfügbar). Die Aussagen stützen die Thesen der Ermittlungsbehörden: Die Hells Angels sollen ähnlich wie die Mafia organisiert sein.

Im Fokus der Ermittlungen steht die Hells-Angels-Abteilung Hannover. Der Präsident des Clubs soll seinen Untergebenen unter anderem Mordaufträge erteilt haben. Für ausgeführte Morde seien die Mitglieder mit einer höheren Stellung innerhalb der Gruppe belohnt worden.

«Hohes Gewaltpotenzial und brutale Auseinandersetzungen»

Die Vorwürfe der Polizei basieren auf den Aussagen des Kronzeugen Steffen R. Dieser gehörte selber zum verschwiegenen inneren Zirkel der Rocker. Nach monatelanger Untersuchungshaft beendete er jedoch sein Schweigen Anfang Jahr und redete über illegale Geschäfte, Prostitution, Drogen, Schutzgeld und angebliche Mordaufträge. Die umfangreichen Aussagen führten dann zu dem massiven Schlag der Polizei gegen die Hells Angels. Im Rahmen der Razzien wurde auch eine Lagerhalle in Kiel durchsucht, wo ein spurlos verschwundener türkischer Staatsangehöriger einbetoniert worden sein soll.

Schon seit Jahren stehen die rund 3500 Hells-Angels-Mitglieder unter der Beobachtung des deutschen Bundeskriminalamtes (BKA). Immer öfter wird dabei der Vorwurf der organisierten Kriminalität laut. So kontrollieren die Hells Angels in mehreren Städten das Rotlichtmilieu und setzen ihren Machtanspruch immer öfter mit roher Gewalt durch. «Ein hohes Gewaltpotenzial und brutale Auseinandersetzungen im öffentlichen Raum» beobachtete BKA-Vizepräsident Jürgen Stock. Bei Aktionen gegen die Gruppe würden regelmässig Pistolen, Handgranaten und Sprengstoff sichergestellt.

Grosse Nähe zwischen Polizei und Rockern

Auch die europäische Polizeibehörde Europol sammelt seit Jahren Informationen über die «Outlaw Motorcycle Gang». Die Ermittlungserkenntnisse decken sich mit jenen der deutschen Behörden. Auch bei Europol heisst es, bei nahezu jeder Hausdurchsuchung würden Waffen und Drogen gefunden. Zudem seien knapp zwei Drittel der Rocker vorbestraft.

Das Vorgehen der Polizei gegen die Rocker wird erschwert durch den grossen Einfluss, den diese selbst auf den Justiz- und Polizeiapparat zu haben scheinen. Die Nähe zwischen Rockern und Polizisten sei teilweise eklatant, schreibt der «Spiegel» und zählt mehrere Fälle auf, in denen Polizeibeamte die Hells Angels tatkräftig mit Informationen unterstützt hatten. Hilfe habe es auch von Justizbeamten gegeben.

Verbotsverfahren angedacht

Nun mehren sich in Deutschland die Stimmen nach einem nationalen Verbot der Hells Angels. In einigen Städten wurde dies bereits durchgesetzt. Ob die Rocker tatsächlich ähnlich organisiert sind wie die Mafia, werden die nun eröffneten Strafverfahren zeigen. Die Suche nach der angeblich einbetonierten Leiche in Kiel wird unterdessen weitergeführt.

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