Zum Hauptinhalt springen

Zahl der Waldbrandopfer in Portugal steigt auf 63

Der schlimmste Waldbrand in Portugal seit Jahrzehnten kostet mindestens 63 Menschen das Leben. Die Regierung ruft eine dreitägige Staatstrauer aus.

nxp
Fast 700 Feuerwehrleute im Einsatz: Starke Winde erschweren die Löscharbeiten. Video: Tamedia/AP

Der schlimmste Waldbrand in Portugal seit Jahrzehnten hat mindestens 63 Menschen das Leben gekostet. Die meisten der Todesopfer sind beim Fluchtversuch in ihren Autos ums Leben gekommen. Mindestens 30 Menschen seien in ihren Fahrzeugen von dem Flammeninferno getötet worden, 17 weitere hätten direkt vor ihren Wagen oder neben der Strasse gestanden, sagte der Staatssekretär im Innenministerium, Jorge Gomes. Elf Menschen seien im Wald gestorben, zwei bei einem Autounfall. Tote in Häusern wurden bislang noch nicht gemeldet. Gomes zufolge wurden 54 Menschen verletzt, fünf davon schwer.

Die Zahl der Todesopfer ist am Montag auf 63 gestiegen. Ein Mitglied der Einsatzkräfte sei seinen schweren Verletzungen erlegen, teilte die Feuerwehr auf ihrer Website mit. Das Opfer war eines von vier Einsatzkräften, die seit Sonntagmorgen im Universitätskrankenhaus von Coimbra behandelt wurden. Sie erlitten in den ersten Stunden des Löscheinsatzes schwere Verbrennungen.

Insgesamt wurden nach Angaben der Behörden 135 Verletzte behandelt, darunter 13 Feuerwehrleute und ein Soldat. Das Innenministerium erklärte, von den 63 Todesopfern seien bisher 25 identifiziert worden. Die Löscharbeiten dauerten am Montagabend immer noch an.

Auslöser dieser Katastrophe ist laut Polizei ein Blitzeinschlag. Der Direktor der Kriminalpolizei, José Almeida Rodrigues, sagte der Nachrichtenagentur Lusa. «Wir haben in Zusammenarbeit mit der Nationalgarde sogar den Baum gefunden, der von einem Blitz getroffen wurde.» Zuvor hatte sich Bürgermeister Valdemar Alves noch davon überzeugt gezeigt, dass das Feuer gelegt wurde. Die Katastrophe nahm nach Einbruch der Dunkelheit ihren Lauf. Die Landstrasse 236 wurde blitzschnell zur tödlichen Falle.

Die Brände wüten in der Gegend um die Kleinstadt Pedrógão Grande, etwa 150 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Lissabon. Bild: Screenshot globalforestwatch.org
Die Brände wüten in der Gegend um die Kleinstadt Pedrógão Grande, etwa 150 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Lissabon. Bild: Screenshot globalforestwatch.org

Das Feuer in der Region Pedrógão Grande breitete sich rasend schnell in vier Richtungen aus. Dutzende Menschen wurden bei dem verhängnisvollen Waldbrand verletzt. Wie gross die betroffene Fläche ist, blieb zunächst unklar.

Am Sonntagnachmittag hatte die Feuerwehr zwei der vier Feuerfronten unter Kontrolle, sagte Jorge Gomes, Staatssekretär im Innenministerium. Der Einsatz von Löschflugzeugen und Helikoptern sei zunächst aufgrund der starken Rauchentwicklung unmöglich gewesen. Die extreme Trockenheit und die starken Winde behinderten weiterhin die Löscharbeiten. In der Region ist es derzeit sehr heiss mit Temperaturen von über 30 Grad.

Das Inferno forderte mindestens 61 Todesopfer: Ein verbrannter Busch nach dem Brand in Figueiró dos Vinhos. (AP Photo/Paulo Duarte)
Das Inferno forderte mindestens 61 Todesopfer: Ein verbrannter Busch nach dem Brand in Figueiró dos Vinhos. (AP Photo/Paulo Duarte)
Paulo Duarte, Keystone
Auf die Frage, ob es denn nicht absehbar gewesen sei, dass die Brände diese Stellen erreichen würden, sagt Soares: «Als die Leute auf diese Strassen einbogen, könnten die Feuer noch kilometerweit entfernt gewesen sein»: Der Präsident des portugiesischen Feuerwehrverbands, Jaime Marta Soares, vor den Medien. (18. Juni 2017) Bild: Screenshot «Expresso»
Auf die Frage, ob es denn nicht absehbar gewesen sei, dass die Brände diese Stellen erreichen würden, sagt Soares: «Als die Leute auf diese Strassen einbogen, könnten die Feuer noch kilometerweit entfernt gewesen sein»: Der Präsident des portugiesischen Feuerwehrverbands, Jaime Marta Soares, vor den Medien. (18. Juni 2017) Bild: Screenshot «Expresso»
Keystone
Solche Brände seien unvorhersehbare Dinge – und als dann die Flammen den Weg in beide Richtungen absperrten, «Sie sassen sie wie Mäuse in der Falle – einer Falle aus Rauch», sagte der Präsident des portugiesischen Feuerwehrverbands.
Solche Brände seien unvorhersehbare Dinge – und als dann die Flammen den Weg in beide Richtungen absperrten, «Sie sassen sie wie Mäuse in der Falle – einer Falle aus Rauch», sagte der Präsident des portugiesischen Feuerwehrverbands.
Patricia de Melo Moreira, AFP
Ein Mann sagte dem portugiesischen Sender RTP, er sei mit einem Gemeindebeamten unterwegs gewesen. «Er ist zu Hause geblieben. Keine Ahnung, was mit ihm jetzt ist.» (18. Juni 2017) Bild: Screenshot RTP
Ein Mann sagte dem portugiesischen Sender RTP, er sei mit einem Gemeindebeamten unterwegs gewesen. «Er ist zu Hause geblieben. Keine Ahnung, was mit ihm jetzt ist.» (18. Juni 2017) Bild: Screenshot RTP
Keystone
Ein Polizist im abgebrannten Wald – neben ihm am Boden liegt eines der Opfer.
Ein Polizist im abgebrannten Wald – neben ihm am Boden liegt eines der Opfer.
Armando Franca/AP, Keystone
Eine Frau meint, das Haus ihrer Schwester sei wohl verloren. «Uns hat die GNR (Nationalgarde) gerettet, wir konnten nicht mehr atmen. Was mit dem Haus passiert ist, weiss ich nicht. Vermutlich ist es abgebrannt.»
Eine Frau meint, das Haus ihrer Schwester sei wohl verloren. «Uns hat die GNR (Nationalgarde) gerettet, wir konnten nicht mehr atmen. Was mit dem Haus passiert ist, weiss ich nicht. Vermutlich ist es abgebrannt.»
Keystone
Ein Anwohner schaut zu, wie sein Haus brennt: Eine Aufnahme aus Figueira in der Nähe von Pedrógão Grande. (17. Juni 2017)
Ein Anwohner schaut zu, wie sein Haus brennt: Eine Aufnahme aus Figueira in der Nähe von Pedrógão Grande. (17. Juni 2017)
Paula Cunha/EPA, Keystone
Eine Frau unter Schock: Helfer kümmern epaselect epa06034320 A firefighter helps a woman during a forest fire in Pedrogao Grande, Leiria District, Center of Portugal, 17 June 2017. About 180 firemen, 52 land vehicles and 2 planes are fighting to extinguish the fire.  EPA/PAULO CUNHA
Eine Frau unter Schock: Helfer kümmern epaselect epa06034320 A firefighter helps a woman during a forest fire in Pedrogao Grande, Leiria District, Center of Portugal, 17 June 2017. About 180 firemen, 52 land vehicles and 2 planes are fighting to extinguish the fire. EPA/PAULO CUNHA
Keystone
epa06034541 Portuguese President Marcelo Rebelo de Sousa (C) embraces Pedrogao Grande Mayor Valdemar Alves (R) as Secretary of State of Internal Administration Jorge Gomes (L) looks on during a visit to the command center of Civil Protection in Pedrogao Grande, Leiria District, Portugal, 17 June 2017. At least 19 people have died in a forest fire in the Pedrogao Grande area of central Portugal.  EPA/PAULO CUNHA
epa06034541 Portuguese President Marcelo Rebelo de Sousa (C) embraces Pedrogao Grande Mayor Valdemar Alves (R) as Secretary of State of Internal Administration Jorge Gomes (L) looks on during a visit to the command center of Civil Protection in Pedrogao Grande, Leiria District, Portugal, 17 June 2017. At least 19 people have died in a forest fire in the Pedrogao Grande area of central Portugal. EPA/PAULO CUNHA
Keystone
Einige Opfer wurden in ihren Autos «von den Flammen völlig eingekesselt», so der Bürgermeister von Pedrógão Grande: Die Waldbrände in Pedrógão Grande.  (17. Juni 2017)
Einige Opfer wurden in ihren Autos «von den Flammen völlig eingekesselt», so der Bürgermeister von Pedrógão Grande: Die Waldbrände in Pedrógão Grande. (17. Juni 2017)
EPA/PAULO CUNHA, Keystone
Die Region liegt knapp 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon.
Die Region liegt knapp 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon.
Patricia de Melo Moreira, AFP
Nach Angaben des Zivilschutzes bekämpfen rund 700 Feuerwehrleute mit über 220 Fahrzeugen und zwei Löschflugzeugen die Feuer: Feuerwehrleute im Einsatz beim Dorf Avelar in Zentralportugal.
Nach Angaben des Zivilschutzes bekämpfen rund 700 Feuerwehrleute mit über 220 Fahrzeugen und zwei Löschflugzeugen die Feuer: Feuerwehrleute im Einsatz beim Dorf Avelar in Zentralportugal.
Armando Franca/AP, Keystone
Die Behörden bezeichnen die Situation als «besorgniserregend».
Die Behörden bezeichnen die Situation als «besorgniserregend».
Armando Franca/AP, Keystone
Drei weitere Opfer sind nach ersten Erkenntnissen an Rauchvergiftungen gestorben.
Drei weitere Opfer sind nach ersten Erkenntnissen an Rauchvergiftungen gestorben.
Armando Franca/AP, Keystone
Das Feuer ist am Samstagnachmittag um 15 Uhr aus noch unbekannten Gründen ausgebrochen.
Das Feuer ist am Samstagnachmittag um 15 Uhr aus noch unbekannten Gründen ausgebrochen.
EPA/PAULO CUNHA, Keystone
Eine Frau steht unter Schock. Rund 700 Feuerwehrmänner mit über 80 Einsatzfahrzeugen und zwei Flugzeugen stehen im Einsatz.
Eine Frau steht unter Schock. Rund 700 Feuerwehrmänner mit über 80 Einsatzfahrzeugen und zwei Flugzeugen stehen im Einsatz.
EPA/PAULO CUNHA, Keystone
1 / 18

Staatstrauer

Ministerpräsident António Costa kündigte eine dreitägige Staatstrauer von Montag bis Mittwoch an. Zudem wurde am Sonntag mit einem Moment des Schweigens vor der Confed-Cup-Partie Portugal gegen Mexiko der zahlreichen Todesopfer gedacht. Cristiano Ronaldo & Co. trugen im russischen Kasan Trauerflor.

Knapp 700 Feuerwehrmänner kämpften mit mehr als 215 Fahrzeugen und vier Löschflugzeugen gegen die Flammen. Das Leiden stand den unzähligen Betroffenen ins Gesicht geschrieben. «Wir haben alles verloren, unser Haus, unsere Tiere, alles», erzählte eine ältere Frau unter Tränen dem TV-Sender RTP. Ein Mann sagte kopfschüttelnd: «In meinen 53 Jahren habe ich so etwas nicht gesehen.»

«Das fühlt sich nicht wirklich an, nicht von dieser Welt», sagte Bürgermeister Valdemar Alves. «Das ist ein echtes Inferno, wo etwas haben wir noch nie gesehen.» Es gebe einige Dörfer, die «von den Flammen völlig eingekesselt» seien.

Nach Angaben des Innenministeriums waren etliche der später tot geborgenen Menschen mit ihren Fahrzeugen unterwegs, als die Flammen sie plötzlich einschlossen. Auf Bildern waren ausgebrannte Autos, brennende Bäume und Häuser zu sehen.

Stundenlang keine Feuerwehr

Viele Bewohner der von den Flammen zerstörten oder bedrohten Häuser sagten, sie hätten stundenlang nicht einen einzigen Feuerwehrmann gesehen. «Wir hatten weder Wasser noch Strom und wurden zu allem Übel unserem Schicksal überlassen», schimpfte António Pires. Der angesehene Forstwissenschaftler Paulo Fernandes von der Universität Trás-os-Montes versicherte sogar, man hätte die Tragödie vom Wochenende verhindern können. Oder zumindest das Ausmass der Katastrophe etwa durch rechtzeitiges Sperren von Strassen in Grenzen halten können. Man müsse unter anderem die meteorologischen Daten besser nutzen, fordert er.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch