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«Ich bin ein homosexueller Priester und bereit, die Folgen zu tragen»

Krysztof Charamsa ist Theologe im Vatikan – und schwul. Noch nie hat sich im Vatikan ein aktiver Geistlicher geoutet. Die Kirche hat ihn sofort von seinen Aufgaben entbunden.

Bekennt sich zu seiner Homosexualität: Krysztof Charamsa, hier in einer TV-Dokumentation.
Bekennt sich zu seiner Homosexualität: Krysztof Charamsa, hier in einer TV-Dokumentation.
Screenshot Youtube
Sein Outing kommt kurz vor der Bischofssynode zur Ehe und Familie im Vatikan.
Sein Outing kommt kurz vor der Bischofssynode zur Ehe und Familie im Vatikan.
Andreas Solaro, AFP
Dabei geht es um die Frage, welche Positionen hinsichtlich des Familienbilds die Kirche in Zukunft vertreten wird.
Dabei geht es um die Frage, welche Positionen hinsichtlich des Familienbilds die Kirche in Zukunft vertreten wird.
Maurizio Brambatti, Keystone
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Ausgerechnet vor der am Sonntag beginnenden Bischofssynode zur Ehe und Familie bekennt sich ein prominenter Vatikan-Theologe der römischen Kurie zur seiner Homosexualität. Der 43-jährige polnische Priester Krysztof Charamsa erklärte im Interview mit der Mailänder Tageszeitung «Corriere della Sera», er sei homosexuell und habe einen Partner.

«Ich will, dass die Kirche und meine Gemeinschaft wissen, wer ich bin: Ich bin ein homosexueller Priester, der glücklich und stolz über seine Identität ist. Ich bin bereit, die Folgen dafür zu tragen», sagte Charasma, Sekretär der theologischen internationalen Vatikan-Kommission. Doch die Zeit sei gekommen, dass die Kirche ihre Augen vor gläubigen Schwulen öffne und begreife, dass die Lösung, die sie vorschlage - die totale Abstinenz vom Liebesleben - unmenschlich sei. Sein Ziel sei es aber, eine «zurückgebliebene» und «paranoide» Kirche zu bewegen.

Outing als Pflicht

Der seit 17 Jahren in Rom lebende Charasma ist der erste Geistliche mit einer aktiven Rolle im Vatikan, der sich outet. «Allein hätte ich mich im Albtraum meiner verleugneten Homosexualität verloren, doch Gott lässt uns nie allein. Ich glaube, dass er mich dazu geführt hat, jetzt diesen starken existenziellen Beschluss zu fassen», sagte Charamsa.

Sich zu outen, sei seine Pflicht gegenüber seiner Gemeinschaft, der Kirche und sexueller Minderheiten. Er werde Papst Franziskus persönlich in einem Brief über seine Identität berichten. Er werde dasselbe mit den Leitern der katholischen Universitäten in Rom tun, in denen er Theologie doziere. «Zu meinem grossen Leid ist es wahrscheinlich, dass ich nicht mehr in einer katholischen Einrichtung werde unterrichten können», sagte er.

Charamsa hat einen Partner

Den Teilnehmern der Synode wolle er sagen, dass jeder Mensch Recht auf Liebe und Familie habe. «Diese Liebe muss von der Gesellschaft und von den Gesetzen geschützt werden. Vor allem muss sie von der Kirche gepflegt werden. Christentum ist die Religion der Liebe», so der Geistliche.

Charamsa erklärte auch, dass er einen Lebensgefährten habe. «Er hat mir geholfen, meine letzten Ängste in Kraft der Liebe umzuwandeln», meinte der Pole. Er sei sich bewusst, dass er auf sein bisheriges Leben werde verzichten müssen.

Schnelle Reaktion der Kirche

Die Reaktion der Kirche folgte schnell. Der Vatikan entband den Priester von seinen Aufgaben. Der Geistliche Kryzstof Charamsa könne nicht mehr im Vatikan oder an den päpstlichen Universitäten tätig sein, erklärte Sprecher Federico Lombardi.

Vatikansprecher Lombardi erklärte dazu: «Die Entscheidung, eine solch pointierte Erklärung kurz vor der Eröffnung der Synode abzugeben, scheint sehr ernst und unverantwortlich, da sie darauf abzieht, die Synode ungehörigem Druck der Medien auszusetzen.» Trotz seiner Entlassung aus dem Vatikan bleibt Charamsa vorerst Priester. Allerdings deutete Lombardi an, dass weitere Massnahmen gegen den Geistlichen folgen könnten.

SDA/dia

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