«Ibiza» ist Wort des Jahres in Österreich

Das Ibiza-Video hat das Land auch sprachlich geprägt. Heinz-Christian Strache tat die Aufnahmen als «b'soffene G'schicht» ab – und lieferte damit auch das Unwort des Jahres.

Dieses Video wurde Österreichs früherem Vizekanzler zum Verhängnis. Video: Redaktion Tamedia
Martin Zips@SZ

Bei den Wahlen zum Wort oder Unwort des Jahres schaut man immer auch mit Freude rüber nach Österreich. «Vollholler», «Schweigekanzler» – diesmal wurde «b'soffene G'schicht» zum österreichischen Unwort des Jahres gekürt. Als solche hatte Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache seine womöglich von Wodka-Redbull-getränkten Äusserungen vor einer (angeblich) russischen Oligarchen-Nichte in einem relativ bekannt gewordenen Video später verharmlost.

Strache lieferte mit dem zwischen Bregenz und Klagenfurt mittlerweile geflügelten «zack, zack, zack» zusätzlich den «Unspruch des Jahres». Eine Lautmalerei, mit der der damalige Vizekanzler die von ihm angestrebte Neuordnung in einigen Redaktionsstuben durchaus eindrucksvoll umschrieb. Vor allem aber lieferte der Komplex Strache/Gudenus mit «Ibiza» den Österreichern auch ihr «Wort des Jahres». Denn das Video – man erinnert sich – entstand auf einer beliebten Baleareninsel.

Den zweiten Platz hinter «Ibizia» belegte als «Wort des Jahres» übrigens heuer der in Schweiz noch relativ unbekannte Ausdruck «Teigtascherlrazzia», mit dem daran erinnert wird, dass die Wiener Polizei zuletzt durchaus erfolgreich in diversen Privatwohnungen illegale Teigtaschen-Fabriken aushob. Beim «Unspruch des Jahres» wiederum schaffte es Straches Parteifreund, der frühere FPÖ-Innenminister Herbert Kickl mit dem durchaus entlarvenden Satz «Denn ich glaube immer noch, dass der Grundsatz gilt, dass das Recht der Politik zu folgen hat und nicht die Politik dem Recht» ebenfalls auf einen zweiten Platz. Sprache, so würde es Karl Kraus formulieren, ist eben «die Mutter, nicht die Magd des Gedankens».

«Typisch österreichische Verharmlosung»

Die Vereinigung von Niedlichem und Verwunderlichem jedenfalls war auch diesmal wieder bestimmend für die österreichischen Wort-Wahlen. In diesem Zusammenhang sei noch einmal an zurückliegende Euphemismen wie «inländerfreundlich» (Unwort 2013) oder «besondere baulichen Massnahme» (Unwort 2015, für die Errichtung eines Grenzzauns an der Grenze zu Slowenien) verwiesen. Auch bei «b'soffene G'schicht» handele es sich erneut um eine «typisch österreichische Verharmlosung», so die Jury. Tatsächlich gehe es im Strache-Video nämlich – gut, dass nochmal darauf hingewiesen wird – um «Parteispenden und potenziell gesetzeswidrige Deals».

Als moralischer Gewinner der diesjährigen Worte-Wahl ist Österreichischs Bundespräsident Alexander Van der Bellen zu sehen. Seine ermutigende Aussage «Nur Mut und etwas Zuversicht, wir kriegen das schon hin» wurde von vielen Bürgern als Wohltat inmitten der politischen Ibiza-Chaos-Tage im Mai 2019 gesehen und nun völlig zu Recht zum «Spruch des Jahres» gewählt (in Deutschland hatte es vor vier Jahren Merkels vergleichbares «Wir schaffen das!» zum «Satz des Jahres» geschafft, wenn auch deutlich kontroverser in der Rezeption). Und zum Jugendwort des Jahres wurde nun auch in Österreich der Ausdruck «brexiten» gekürt – für eine etwas umständliche Verabschiedung gewissermassen. Kennt man ja. Zum Beispiel in der Frage, ob und wann Heinz-Christian Strache seine Partei vielleicht verlässt.

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