Grace Mugabes Ausraster hat ein Nachspiel

Die First Lady Zimbabwe verprügelte in Südafrika eine Freundin ihrer Söhne. Nun stellt sich die Immunitätsfrage.

Grace alias «Disgrace» Mugabe im Juli in Zimbabwe. Foto: AP, Keystone

Grace alias «Disgrace» Mugabe im Juli in Zimbabwe. Foto: AP, Keystone

Johannes Dieterich@tagesanzeiger

Die Affäre um die First Lady von Zimbabwe, die Anfang Woche eine junge südafrikanische Frau schwer misshandelt hat, entwickelt sich zunehmend zu einer Posse, in der die Regierung am Kap der Guten Hoffnung die lächerlichste Rolle spielt. Auch sechs Tage nach ihrem Gewalt­exzess hält sich Grace Mugabe noch immer unbehelligt in Südafrika auf: Pretoria setzt alle Hebel in Bewegung, um der ­aufbrausenden «Disgrace» (Schande), wie sie im Volksmund genannt wird, die Rückkehr nach Hause zu ermöglichen. Der 52-jährigen Präsidentengattin, die Ambitionen hat, ihren 93-jährigen Mann Robert als Staatschef abzulösen, soll «diplomatische Immunität» eingeräumt werden, obwohl ihr Besuch allein persönliche Gründe hatte. Sie begab sich zur ärztlichen Behandlung nach Johannesburg und stattete dabei auch ihren beiden Playboy-Söhnen einen Besuch ab.

Als sie Robert jr. (25) und Chatunga Bellarmine (21) gemeinsam mit dem Model Gabriella Engels im Hotelzimmer erwischte, liess sie ihre Wut nicht an den Söhnen aus, sondern an der 20-jährigen Frau: Mit einem Verlängerungskabel, vor allem dessen Stecker, schlug sie dermassen heftig auf sie ein, dass sich Engels später drei Platzwunden am Kopf nähen lassen musste. Sie ging anschliessend zur Polizei, die mit der Anzeige zunächst nichts zu tun haben wollte: Es handle sich um eine «internationale Angelegenheit» wurde der Misshandelten mitgeteilt. Schliesslich schaltete sich jedoch sogar der Polizeiminister ein: Grace Mugabe habe sich bereit erklärt, eine Polizeiwache aufzusuchen, versicherte Fikile Mbalula bereits Anfang dieser Woche. Was den Minister zu dieser Behauptung veranlasste, ist noch heute nicht bekannt: Fest steht nur, dass Frau Mugabe in den vergangenen sechs Tagen keiner Polizeistation nahe kam.

Musste verarztet werden: Model Gabriella Engels

Ihre Anwälte hatten offenbar einen Ausweg gefunden. In Pretoria findet an diesem Wochenende ein Gipfeltreffen des Staatenbunds im südlichen Afrika statt, zu dem sich selbstverständlich auch Robert Mugabe angemeldet hatte. Nun reiste Zimbabwes greiser Staatschef bereits zwei Tage früher ans Kap, um seiner Ehefrau zur Seite zu stehen: Kaum ein Südafrikaner kann sich vorstellen, dass die Polizei unter diesen Umständen Grace Mugabe verhaftet – auch wenn dies nach Gesetz erforderlich wäre.

Bis der Gipfel vorbei ist

Eine Verhaftung sei in diesem Fall unnötig, wandte Polizei­minister Mbalula allerdings ein, da keine Fluchtgefahr bestehe und sich die Beschuldigte kooperativ zeige. In welcher Weise Grace Mugabe mit der Polizei zusammenarbeitet, wurde freilich nicht bekannt.

Kenner der politischen Szene Südafrikas gehen davon aus, dass man sich in Pretoria nun so lange um die Immunitätsfrage streiten werde, bis der Gipfel am Sonntag vorüber und Grace Mugabe nach Hause zurückgekehrt sei. Erst danach werde offiziell die Immunität ausgesprochen. Auf diese Weise soll vermieden werden, dass der Entscheid der Regierung vor einem Gericht angefochten und «Disgrace» an der Ausreise gehindert wird. Eines scheint den Regierenden in Pretoria jedenfalls undenkbar: dass Grace Mugabe vor ein ganz gewöhnliches Gericht gestellt wird.

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