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Genf klagt Erwin Sperisen wegen Mordes an

Zehn Morde soll der Ex-Polizeichef von Guatemala angeordnet haben. Die Genfer Staatsanwalt hat gegen den schweizerisch-guatemaltekischen Doppelbürger nun Anklage erhoben.

Beteuert seine Unschuld: Der angeklagte Erwin Sperisen während einem Einsatz in Guatemala. (14. März 2013)
Beteuert seine Unschuld: Der angeklagte Erwin Sperisen während einem Einsatz in Guatemala. (14. März 2013)
Keystone

Der ehemalige Polizeichef Guatemalas, Erwin Sperisen, wird sich wegen des Mordes an zehn Gefangenen vor dem Genfer Strafgericht verantworten müssen. Die Genfer Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die Morde entweder befohlen, geplant oder selber begangen zu haben.

Der schweizerisch-guatemaltekische Doppelbürger wurde am 31. August 2012 in Genf verhaftet, wie die Genfer Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte. Seither wurde er elf Mal vernommen. Er bestritt dabei stets die Vorwürfe gegen ihn.

Gefangene mit Schusswaffen exekutiert

Sperisen war zwischen Juli 2004 und März 2007 Polizeichef von Guatemala. Die Genfer Staatsanwaltschaft wirft ihm drei Delikte vor. Bei einer Kontrolle in einem Gefängnis in Guatemala am 25. September 2006 soll er die Exekution von sieben Gefangenen angeordnet haben. Diese wurden mit Schusswaffen umgebracht. In einem Fall könnte Sperisen gemäss der Staatsanwaltschaft sogar selber den Abzug gedrückt haben.

Im Nachhinein sollen die Ordnungskräfte eine Auseinandersetzung zwischen den Häftlingen und der Polizei vorgetäuscht haben.

Im zweiten Fall vom 3. November 2005 soll ein entflohener Häftling von Polizeibeamten auf Anordnung von Sperisen erschossen worden sein. Der Tatort soll danach geändert worden sein, so dass er einen Schusswechsel zwischen den Polizisten und dem Gefangenen zeigte.

Am 1. Dezember 2005 wurden gemäss der Staatsanwaltschaft zwei weitere aus dem Gefängnis geflohene Männer auf Anordnung des Polizeichefs erschossen. Für diese Delikte fordert die Anklage eine Verurteilung wegen Mordes.

Während einer Ermittlung von 16 Monaten wurden in 20 Anhörungen 14 Zeugen aus Frankreich, Guatemala und Spanien befragt. Zudem wurden vier Rechtshilfegesuche an Österreich, Spanien und Guatemala gestellt.

Sperisen erwartet Prozess mit Ungeduld

Schliesslich entschied sich die Genfer Staatsanwaltschaft zur Anklageerhebung. Der Staatsanwalt wird vor Gericht eine Freiheitsstrafe von über zehn Jahren für Sperisen fordern. Der Prozess vor dem Strafgericht dürfte gemäss der Genfer Justiz noch vor dem Sommer stattfinden und zwischen einer und zwei Wochen dauern.

Sperisen ist im Genfer Gefängnis Champ-Dollon inhaftiert. Auf dem Prozess wartet er mit Ungeduld, wie seine Anwälte Giorgio Campa und Florian Baier auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagten. Jeder werde sich im öffentlichen Prozess von der Nichtigkeit der Vorwürfe überzeugen könne.

Der Prozess werde seine Unschuld beweisen, wie dies bei Javier Figueroa der Fall gewesen sei, so die Verteidiger. Figueroa gilt als die rechte Hand von Sperisen.

Er war im Oktober vom Landesgericht Ried in Oberösterreich vom Vorwurf der Beteiligung an der aussergerichtlichen Erschiessung von sieben Häftlingen freigesprochen worden. Das Gericht sah keine ausreichenden Beweise für Figueroas Schuld. Schauplatz der vorgeworfenen Exekution war das Gefängnis Pavon in Guatemala.

Einsatz in Gefängnis Pavon

Dieses soll während Jahren unter der Kontrolle der Häftlinge gestanden haben, welche von dort aus kriminell tätig waren. Die Polizei und das Militär sollten am 25. September 2006 in einem gemeinsamen Einsatz die staatliche Kontrolle wieder herstellen.

Dabei kamen sieben Häftlinge ums Leben. Die Getöteten sollen gemäss der Anklage der österreichischen Behörden auf einer «Todesliste» gestanden sein, weil sie dem früheren Politregime im Weg waren. Beim Einsatz sollen sie ausgesondert und sofort exekutiert worden sein.

Sperisen hatte aus der Haft mehrmals gefordert, dass der Staatsanwalt Yves Bertossa wegen Befangenheit in Ausstand treten müsse. Er blitzte damit vor Bundesgericht jedoch mehrmals ab.

(SDA)

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