Gaffer-Drohne stört Rettung

Vor einem Rettungshelikopter tauchte jüngst eine Drohne auf. Diese Miniflieger über Unfallstellen gibt es immer öfters. Nun warnt das Bazl. Profi-Fotograf Markus Heinzer kennt die Situation.

Wenn hier noch eine Drohne auftaucht, wirds mühsam und gefährlich: Rettungshelikopter fliegt Unfallplatz an. (Symbolbild)

Wenn hier noch eine Drohne auftaucht, wirds mühsam und gefährlich: Rettungshelikopter fliegt Unfallplatz an. (Symbolbild)

(Bild: Keystone)

Matthias Chapman@matthiaschapman

«Es war vor zwei Wochen, als im Raum Mittelland-Zürich ein Rettungshelikopter bei einem Unfalleinsatz im Flug einer Drohne begegnete», sagt Urs Holderegger vom Bundesamt für Zivilluftfahrt. Der Helikopterpilot hätte das kleine Flugobjekt in Sichtweite gehabt, so der Bazl-Sprecher. Aber nicht nur in der Luft, auch für die Retter am Boden sind die Drohnen lästig. «Wir erhielten in letzter Zeit mehrere Hinweise, dass sich auch Rettungssanitäter in ihrer Arbeit von Drohen über ihrem Kopf gestört fühlten.»

Das Bazl reagiert mit einem Posting auf Facebook. «Keine privaten Drohnen an Unfallstellen!», schreibt das Amt in scharfem Ton.

Warnt Drohnenpiloten mit Gaffer-Absichten: Bazl-Eintrag auf Facebook.

Unkontrollierte Drohnenflüge über Unfallstellen, das ist laut dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) das Schreckensszenario für die Rettungskräfte. Gefährlich kann es vor allem für die Helikopterpiloten werden, wie das obige Beispiel zeigt.

Mit der Turbine wirds gefährlich

Beim Anflug auf unbekanntes Gelände müssen sie sich voll auf ihre Arbeit konzentrieren. Drohnen können hierbei stören. «Worst Case wäre eine Kollision», sagt Holderegger. Wenn das kleine Flugobjekt in die Turbine geriete, könnte diese Schaden nehmen und einen Unfall provozieren.

Es war im September 2013, als im sankt-gallischen Züberwangen eine Gärtnerei brannte. Vor Ort war auch Profifotograf Markus Heinzer – er liefert seit Jahren Bilder für die Medienberichterstattung. Heinzer spricht sich jeweils mit der Einsatzleitung der Polizei ab, bevor er seine Drohne für ein Bild steigen lässt.

Hier tauchten Gaffer-Drohnen auf: Brand in einer Gärtnerei in Züberwangen.

Die Regeln zwischen ihm und den Behörden: Er darf fotografieren, wenn die Rettungskräfte weg sind. So gelaufen ist das jüngst beim Zugunfall in Rafz. «Damals in Züberwangen sah ich aber auch zwei weitere Drohnen über der Brandstelle.» Die Piloten waren ihm unbekannt.

Bussen bis 20'000 Franken möglich

Der Drohnenflug, der vor zwei Wochen zu einer Begegnung mit einem Helikopterpiloten führte, hatte keine Folgen für den Piloten des kleinen Flugobjekts. Er blieb unbekannt. Eine Ahndung wäre allerdings auch schwierig. Explizit ist in keinem Gesetz vermerkt, dass man mit Drohnen nicht über Unfallstellen aufsteigen darf. Der Rega sind auf Anfrage selber keine Fälle bekannt, bei denen ihre Piloten an Unfallstellen Drohnen begegnet wären.

Das Bazl will mit Information die Leute erreichen und so Prävention betreiben. Ein Verbot gibt es für Flugplätze, wo im Umkreis von fünf Kilometern keine Flüge erlaubt sind. Nicht näher als 100 Meter darf an Menschenmengen herangeflogen werden. Bussen habe man bei Verstössen schon ausgesprochen, sagt Holderegger, «im Wiederholungsfall kann das vierstellig werden». Die Obergrenze ist bei 20'000 Franken festgelegt.

DerBund.ch/Newsnet

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