Frankreich geht gegen zu dünne Models vor

Werbung mit Magersüchtigen könnte in Frankreich bald Vergangenheit sein. Die Gesundheitsministerin hat bereits ihre Unterstützung für eine Gesetzesänderung angekündigt – ohne diese genauer studiert zu haben.

Wurde zu einem Symbol gegen magersüchtige Models: Ex-Model und Schauspielerin Isabelle Caro liess sich für eine italienische Anti-Magersucht-Kampagne fotografieren. Sie starb 2010 an einer Lungenentzündung.

Wurde zu einem Symbol gegen magersüchtige Models: Ex-Model und Schauspielerin Isabelle Caro liess sich für eine italienische Anti-Magersucht-Kampagne fotografieren. Sie starb 2010 an einer Lungenentzündung.

(Bild: AFP)

Der Arzt und sozialistische Abgeordnete Olivier Véran sagte, er werde am Montag einen Änderungsantrag für ein Gesundheitsgesetz einbringen. Danach dürften Modelagenturen Menschen mit Essstörungen nicht mehr beschäftigen. Ausserdem müssten sie nachweisen, dass ihre Models gesunde Körperproportionen haben, die bestimmte Werte nicht unterschreiten.

In Frankreich zeigt ein Body-Mass-Index von unter 18,5 Unterernährung an. Der Urheber des Änderungsantrags, Olivier Véran, will die Definition der Grenze jedoch der obersten Gesundheitsbehörde überlassen. Die Limite dürfte je nach Alter der Models variieren, wie «Figaro Madame» berichtet. Modelagenturen müssten künftig für jedes Model ein Zertifikat vorweisen können, auf dem die Einhaltung des Grenzwerts bestätigt wird. Liegt ein Mannequin darunter, müssten die Verantwortlichen der Agenturen mit bis zu sechs Monaten Gefängnis und einer Strafe von 75'000 Euro rechnen.

Darüber hinaus will Véran, der neben seiner Tätigkeit als Parlamentarier noch als Neurologe in Grenoble arbeitet, die Verherrlichung von Magersucht unter Strafe stellen. Wer etwa auf einer Internetseite besonders dürre Models zeigt, soll zur Rechenschaft gezogen werden. Die Höhe der Strafe soll erst in der Ratsdebatte festgelegt werden. Über den Gesetzentwurf soll die Nationalversammlung in gut zwei Wochen abstimmen.

Unterstützung der Gesundheitsministerin

Gesundheitsministerin Marisol Touraine hat zugesagt, die Änderungsanträge zu ihrer Gesundheitsvorlage zu unterstützen. Sie gestand ein, die Texte noch nicht genau studiert zu haben. «Aber ich finde, als Model sollte man sich ernähren und zu seiner Gesundheit Sorge tragen», sagte sie zu BFMTV.

Frankreich, eine der Modehochburgen der Welt, würde mit dem Gesetz dem Beispiel Spaniens und Israels folgen, wo dürre Models unter anderem nicht mehr auf den Laufsteg dürfen. In Frankreich leiden schätzungsweise 40'000 Menschen unter Magersucht. Laut Gesundheitsministerium sind 90 Prozent von ihnen Frauen.

rub/sda

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