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Ju-52 bei Flims abgestürzt – alle 20 Insassen tot

Die Ju-52 HB-HOT ist am Piz Segnas abgestürzt, 20 Personen sind tot. Die Dübendorfer Ju-Air fliegt bis auf weiteres nicht mehr.

ij/sep/rba/fal
Die Bergungsarbeiten gehen weiter: Die Einsätzkräfte sowie sämtliches Material für die Bergung wird von Flims aus mit Helikoptern auf den Berg geflogen. (Video: Tamedia, SDA)

Oberhalb von Flims am Piz Segnas kam es am Samstagnachmittag zu einem Flugzeugabsturz. Bei der Unglücksmaschine handelt es sich um die Ju-52 HB-HOT der Ju-Air – auch Tante Ju genannt. Alle 20 Insassen sind tot, wie die Kantonspolizei Graubünden an einer Medienorientierung mitteilte. Die verunglückte Ju-52 war auf dem Rückflug von einer Erlebnisreise von Locarno nach Dübendorf. Sie war am Freitag von Dübendorf aus nach Locarno-Magadino geflogen.

Der Rückflug nach Dübendorf startete am Samstag um 16.10 Uhr, wie Andreas Tobler von der Kantonspolizei Graubünden am Sonntag vor den Medien in Flims GR sagte. Der Absturz ereignete sich kurz vor 17 Uhr an der Westflanke des Piz Segnas.

Auf ihrer Internetseite schrieb Ju-Air: «Das Team der Ju-Air ist tieftraurig und denkt an die Passagiere, die Crew und Familien und Freunde der Verunglückten.» Die Kantonspolizei Graubünden habe für Angehörige eine Hotline unter der Nummer 081 256 56 56 eingerichtet. Zudem informiert die Fluggesellschaft, dass der Betrieb bis auf weiteres eingestellt sei.

Die Ermittlungen seien «Detektivarbeit»: Helikopter fliegen von Flims zur Absturzstelle.  (5. August 2018)
Die Ermittlungen seien «Detektivarbeit»: Helikopter fliegen von Flims zur Absturzstelle. (5. August 2018)
Melanie Duchene, Keystone
«Gestern war der schwierigste und schwärzeste Tag in der 36-jähigen Geschichte der Ju-Air»: Kurt Waldmeier, Gründer und CEO Ju-Air an der Pressekonferenz am 5. August 2018.
«Gestern war der schwierigste und schwärzeste Tag in der 36-jähigen Geschichte der Ju-Air»: Kurt Waldmeier, Gründer und CEO Ju-Air an der Pressekonferenz am 5. August 2018.
Melanie Duchene, Keystone
Unter den Opfern befinden sich 8 Paare und 4 Einzelpersonen: Die Kantonspolizei informierte in Flims über die bisherigen Erkenntnisse zum Absturz. (5. August 2018)
Unter den Opfern befinden sich 8 Paare und 4 Einzelpersonen: Die Kantonspolizei informierte in Flims über die bisherigen Erkenntnisse zum Absturz. (5. August 2018)
Melanie Duchene, Keystone
«Den Einsatzkräften bot sich ein trauriges Bild»: Andreas Tobler, Chef Ermittlungsdienste der Kantonspolizei Graubünden an der Pressekonferenz. (5. August 2018)
«Den Einsatzkräften bot sich ein trauriges Bild»: Andreas Tobler, Chef Ermittlungsdienste der Kantonspolizei Graubünden an der Pressekonferenz. (5. August 2018)
Melanie Duchene, Keystone
«Es gab keine Fremdeinwirkung von aussen»: Daniel Knecht von der Sust am 5. August 2018.
«Es gab keine Fremdeinwirkung von aussen»: Daniel Knecht von der Sust am 5. August 2018.
Melanie Duchene, Keystone
Die Kantonspolizei Graubünden hat Aufnahmen der abgestürzten Tante Ju veröffentlicht.
Die Kantonspolizei Graubünden hat Aufnahmen der abgestürzten Tante Ju veröffentlicht.
Kantonspolizei Graubünden
Alle 20 Insassen sind tot, wie die Kantonspolizei an einer Medienorientierung mitteilte.
Alle 20 Insassen sind tot, wie die Kantonspolizei an einer Medienorientierung mitteilte.
Kantonspolizei Graubünden
Erstes Bild des Unglücks: Bei Flims im Kanton Graubünden hat sich am Samstagnachmittag ein Flugzeugunglück ereignet.
Erstes Bild des Unglücks: Bei Flims im Kanton Graubünden hat sich am Samstagnachmittag ein Flugzeugunglück ereignet.
Leserreporter 20 Minuten
Eine Aufnahme der Absturzstelle am 5. August 2018.
Eine Aufnahme der Absturzstelle am 5. August 2018.
Arnd Wiegmann, Reuters
Die Absturzstelle am 5. August 2018.
Die Absturzstelle am 5. August 2018.
Arnd Wiegmann, Reuters
Die Rega sowie die Kantonspolizei Graubünden haben einen Einsatz am Piz Segnas bestätigt.
Die Rega sowie die Kantonspolizei Graubünden haben einen Einsatz am Piz Segnas bestätigt.
Screenshot Google Maps
Beim Absturz am Samstag könnten bis zu zwanzig Menschen ums Leben gekommen sein: Die Tschingelhoren, der Atlas und der Piz Segnas, v.l.n.r. (Archiv)
Beim Absturz am Samstag könnten bis zu zwanzig Menschen ums Leben gekommen sein: Die Tschingelhoren, der Atlas und der Piz Segnas, v.l.n.r. (Archiv)
Arno Balzarini, Keystone
Bis zu 17 Passagiere haben in einer Tante Ju Platz.
Bis zu 17 Passagiere haben in einer Tante Ju Platz.
20 Minuten Leserreporter
Gemäss der Kantonspolizei wurden die Einsatzkräfte mit Hubschraubern an den Absturzort geflogen: Der Piz Segnas und rechts hinten der Atlas. (Archiv)
Gemäss der Kantonspolizei wurden die Einsatzkräfte mit Hubschraubern an den Absturzort geflogen: Der Piz Segnas und rechts hinten der Atlas. (Archiv)
Arno Balzarini, Keystone
Informationen über den Unfallhergang und das Schicksal der Insassen sind noch nicht verfügbar: Piz Segnas, links, und die Tschingelhörner mit dem Martinsloch bei Elm und der markanten Linie der Glarner Hauptüberschiebung, einer geologischen Besonderheit in der Entstehung der Alpen. (Archiv)
Informationen über den Unfallhergang und das Schicksal der Insassen sind noch nicht verfügbar: Piz Segnas, links, und die Tschingelhörner mit dem Martinsloch bei Elm und der markanten Linie der Glarner Hauptüberschiebung, einer geologischen Besonderheit in der Entstehung der Alpen. (Archiv)
Gaetan Bally, Keystone
Auch zur Unglücksursache ist bislang nichts bekannt: Trinserhorn (Mitte) und Piz Segnas (links) aufgenommen vom Cassonsgrat oberhalb Flims. (Archiv)
Auch zur Unglücksursache ist bislang nichts bekannt: Trinserhorn (Mitte) und Piz Segnas (links) aufgenommen vom Cassonsgrat oberhalb Flims. (Archiv)
Arno Balzarini, Keystone
Bis am Sonntagabend ist der Luftraum über der Absturzstelle gesperrt: Bei der Maschine handelt es sich um die Ju-52 HB-HOT aus Dübendorf mit 17 Sitzplätzen.
Bis am Sonntagabend ist der Luftraum über der Absturzstelle gesperrt: Bei der Maschine handelt es sich um die Ju-52 HB-HOT aus Dübendorf mit 17 Sitzplätzen.
PD
Am Sonntagnachmittag werden Polizei und JU-AIR informieren: Eine undatierte Aufnahme eines Ju-52-Flugzeugs der JU-AIR in der Luft.
Am Sonntagnachmittag werden Polizei und JU-AIR informieren: Eine undatierte Aufnahme eines Ju-52-Flugzeugs der JU-AIR in der Luft.
Handout Ju-Air
Die Kantonspolizei Graubünden hat für Angehörige eine Hotline unter der Nummer 081 256 56 56 eingerichtet: Undatierte Aufnahme einer Ju-52.
Die Kantonspolizei Graubünden hat für Angehörige eine Hotline unter der Nummer 081 256 56 56 eingerichtet: Undatierte Aufnahme einer Ju-52.
Handout Ju-Air
Die Fluggesellschaft hat den Betrieb bis auf weiteres eingestellt: Undatierte Aufnahme von Ju-52-Flugzeugen der JU-AIR in der Luft.
Die Fluggesellschaft hat den Betrieb bis auf weiteres eingestellt: Undatierte Aufnahme von Ju-52-Flugzeugen der JU-AIR in der Luft.
Handout Ju-Air
Aufnahmen aus dem Inneren einer Ju-52 auf einem Instruktionsflug im März 2017.
Aufnahmen aus dem Inneren einer Ju-52 auf einem Instruktionsflug im März 2017.
Ruedi Baumann
Die Ju-52 hat drei unabhängige BMW-Motoren mit je 500 PS, die in Dübendorf gewartet werden.
Die Ju-52 hat drei unabhängige BMW-Motoren mit je 500 PS, die in Dübendorf gewartet werden.
Ruedi Baumann
Die Piloten sind meistens sehr erfahrene aktive oder pensionierte Berufspiloten.
Die Piloten sind meistens sehr erfahrene aktive oder pensionierte Berufspiloten.
Ruedi Baumann
Die «Grande Dame» der Luftfahrt,1936 in Dessau gebaut: Eine Ju-52 beim Frühlingscheck in einem Hangar der Lufthansa-Technik in Hamburg. (6. April 2016)
Die «Grande Dame» der Luftfahrt,1936 in Dessau gebaut: Eine Ju-52 beim Frühlingscheck in einem Hangar der Lufthansa-Technik in Hamburg. (6. April 2016)
Lukas Schulze, Keystone
Eine Junkers Ju-52 der Ju-Air steht im August 1989 an den Internationalen Flugtagen auf dem Flughafen Bern-Belp.
Eine Junkers Ju-52 der Ju-Air steht im August 1989 an den Internationalen Flugtagen auf dem Flughafen Bern-Belp.
Str, Keystone
2008 zierte die Tante Ju Wohlfahrtsmarken in Deutschland – Sonderbriefmarken für wohltätige Zwecke: Eine Ju-52 am 8. Juni 2008 auf dem Rollfeld des Flughafens Tempelhof in Berlin.
2008 zierte die Tante Ju Wohlfahrtsmarken in Deutschland – Sonderbriefmarken für wohltätige Zwecke: Eine Ju-52 am 8. Juni 2008 auf dem Rollfeld des Flughafens Tempelhof in Berlin.
Miguel Villagran, Keystone
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Die abgestürzte Maschine war eine Junkers Ju-52 des Baujahrs 1939 der auf Rundflüge spezialisierten Firma. Das Oldtimer-Flugzeug hat Platz für 17 Passagiere und drei Besatzungsmitglieder.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt hat die Luftraumsperre im Gebiet Piz Segnas bis Mittwoch verlängert.

Bundesrat kondoliert

Bundespräsident Alain Berset hat den Hinterbliebenen der Opfer der beiden Flugunfälle vom Samstag per Twitter sein Beileid ausgesprochen. «Meine Gedanken sind bei den Familien und Freunden der Opfer, denen ich im Namen des Bundesrats mein tief empfundenes Mitgefühl ausspreche», liess Berset am Sonntagnachmittag verlauten.

Senkrecht auf den Boden geprallt

Gemäss der Kantonspolizei wurden die Einsatzkräfte mit Helikoptern an den Absturzort geflogen. Drei zivile und zwei Rega-Helikopter sowie ein Grossaufgebot an Rettungskräften waren am Samstagabend im Einsatz.

Obwohl die Absturzursache noch nicht klar ist, lässt die Analyse der Unfallstelle bereits einige Schlussfolgerungen zu. «Das Flugzeug ist nahezu senkrecht und mit relativ hoher Geschwindigkeit auf den Boden geprallt», sagte Daniel Knecht von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust). Der Grund dafür müsse noch ermittelt werden.

Es wird in alle Richtungen ermittelt

Zudem sei das Flugzeug vor dem Absturz nicht auseinandergefallen und habe auch keine Teile verloren vor dem Unfall. Ansonsten sei nichts auszuschliessen, sagte Knecht. «Wir ermitteln in alle Richtungen.» Auch ob die hohen Temperaturen oder die Wetterlage eine Rolle gespielt hätten, werde abgeklärt.

Weil das Oldtimerflugzeug über keine absturzresistenten Aufzeichnungsgeräte verfüge und über dem Absturzgebiet wenige Radaraufzeichnungen gemacht würden, seien die Untersuchungen komplex. Allerdings kann sich die Flugunfalluntersuchung auf die Aussagen mehrerer Augenzeugen stützen, wie Tobler sagte. Inhaltlich nahm er zu den Beobachtungen, welche die Zeugen des Absturzes gemacht hatten, keine Stellung. Die beiden verstorbenen Piloten waren 62 und 63 Jahre alt und sehr erfahren. Die Flugbegleiterin war 66 Jahre alt.

Sehr zuverlässiges Flugzeug

Die Ju-52 hat drei unabhängige, originale BMW-Motoren mit je 500 PS, die in Dübendorf gewartet werden. Die Maschine gilt als extrem zuverlässig: Sie kann auch mit zwei Motoren fliegen und könnte sogar mit einem Motor noch landen. Dass zwei oder gar drei Motoren gleichzeitig aussteigen, ist extrem unwahrscheinlich. Allerdings steigt das Gelände von Flims her über den Segnasboden bis zum Piz Segnas an. Und es wird relativ eng.

40 Jahre lang war die Schweizer Luftwaffe mit Maschinen des Typs Ju-52 unterwegs. Drei Flugzeuge wurden 1981 ausgemustert und in den zivilen Flugbetrieb übergeführt. Dafür wurde mit Spenden aus der ganzen Schweiz die Ju-Air gegründet. Die oberhalb von Flims abgestürzte Maschine stiess 1985 zur Rundflugflotte. Sie ist zudem im Film «Operation Walküre» mit Tom Cruise zu sehen, der in Berlin gedreht wurde.

Ju-Air ist ein Verein von Freunden der schweizerischen Luftwaffe (VFL), der 1981 die drei ausgemusterten Maschinen übernommen hatte. Die Maschinen der Ju-Air werden oft für Alpenrundflüge gebucht. Sie starten vom Militärflugplatz Dübendorf. Die Piloten sind meistens sehr erfahrene aktive oder pensionierte Berufspiloten.

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