Ju-52 bei Flims abgestürzt – alle 20 Insassen tot

Die Ju-52 HB-HOT ist am Piz Segnas abgestürzt, 20 Personen sind tot. Die Dübendorfer Ju-Air fliegt bis auf weiteres nicht mehr.

Die Bergungsarbeiten gehen weiter: Die Einsätzkräfte sowie sämtliches Material für die Bergung wird von Flims aus mit Helikoptern auf den Berg geflogen. (Video: Tamedia, SDA)

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Oberhalb von Flims am Piz Segnas kam es am Samstagnachmittag zu einem Flugzeugabsturz. Bei der Unglücksmaschine handelt es sich um die Ju-52 HB-HOT der Ju-Air – auch Tante Ju genannt. Alle 20 Insassen sind tot, wie die Kantonspolizei Graubünden an einer Medienorientierung mitteilte. Die verunglückte Ju-52 war auf dem Rückflug von einer Erlebnisreise von Locarno nach Dübendorf. Sie war am Freitag von Dübendorf aus nach Locarno-Magadino geflogen.

Der Rückflug nach Dübendorf startete am Samstag um 16.10 Uhr, wie Andreas Tobler von der Kantonspolizei Graubünden am Sonntag vor den Medien in Flims GR sagte. Der Absturz ereignete sich kurz vor 17 Uhr an der Westflanke des Piz Segnas.

Auf ihrer Internetseite schrieb Ju-Air: «Das Team der Ju-Air ist tieftraurig und denkt an die Passagiere, die Crew und Familien und Freunde der Verunglückten.» Die Kantonspolizei Graubünden habe für Angehörige eine Hotline unter der Nummer 081 256 56 56 eingerichtet. Zudem informiert die Fluggesellschaft, dass der Betrieb bis auf weiteres eingestellt sei.

Die abgestürzte Maschine war eine Junkers Ju-52 des Baujahrs 1939 der auf Rundflüge spezialisierten Firma. Das Oldtimer-Flugzeug hat Platz für 17 Passagiere und drei Besatzungsmitglieder.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt hat die Luftraumsperre im Gebiet Piz Segnas bis Mittwoch verlängert.

Bundesrat kondoliert

Bundespräsident Alain Berset hat den Hinterbliebenen der Opfer der beiden Flugunfälle vom Samstag per Twitter sein Beileid ausgesprochen. «Meine Gedanken sind bei den Familien und Freunden der Opfer, denen ich im Namen des Bundesrats mein tief empfundenes Mitgefühl ausspreche», liess Berset am Sonntagnachmittag verlauten.

Senkrecht auf den Boden geprallt

Gemäss der Kantonspolizei wurden die Einsatzkräfte mit Helikoptern an den Absturzort geflogen. Drei zivile und zwei Rega-Helikopter sowie ein Grossaufgebot an Rettungskräften waren am Samstagabend im Einsatz.

Obwohl die Absturzursache noch nicht klar ist, lässt die Analyse der Unfallstelle bereits einige Schlussfolgerungen zu. «Das Flugzeug ist nahezu senkrecht und mit relativ hoher Geschwindigkeit auf den Boden geprallt», sagte Daniel Knecht von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust). Der Grund dafür müsse noch ermittelt werden.

Es wird in alle Richtungen ermittelt

Zudem sei das Flugzeug vor dem Absturz nicht auseinandergefallen und habe auch keine Teile verloren vor dem Unfall. Ansonsten sei nichts auszuschliessen, sagte Knecht. «Wir ermitteln in alle Richtungen.» Auch ob die hohen Temperaturen oder die Wetterlage eine Rolle gespielt hätten, werde abgeklärt.

Weil das Oldtimerflugzeug über keine absturzresistenten Aufzeichnungsgeräte verfüge und über dem Absturzgebiet wenige Radaraufzeichnungen gemacht würden, seien die Untersuchungen komplex. Allerdings kann sich die Flugunfalluntersuchung auf die Aussagen mehrerer Augenzeugen stützen, wie Tobler sagte. Inhaltlich nahm er zu den Beobachtungen, welche die Zeugen des Absturzes gemacht hatten, keine Stellung. Die beiden verstorbenen Piloten waren 62 und 63 Jahre alt und sehr erfahren. Die Flugbegleiterin war 66 Jahre alt.

Sehr zuverlässiges Flugzeug

Die Ju-52 hat drei unabhängige, originale BMW-Motoren mit je 500 PS, die in Dübendorf gewartet werden. Die Maschine gilt als extrem zuverlässig: Sie kann auch mit zwei Motoren fliegen und könnte sogar mit einem Motor noch landen. Dass zwei oder gar drei Motoren gleichzeitig aussteigen, ist extrem unwahrscheinlich. Allerdings steigt das Gelände von Flims her über den Segnasboden bis zum Piz Segnas an. Und es wird relativ eng.

40 Jahre lang war die Schweizer Luftwaffe mit Maschinen des Typs Ju-52 unterwegs. Drei Flugzeuge wurden 1981 ausgemustert und in den zivilen Flugbetrieb übergeführt. Dafür wurde mit Spenden aus der ganzen Schweiz die Ju-Air gegründet. Die oberhalb von Flims abgestürzte Maschine stiess 1985 zur Rundflugflotte. Sie ist zudem im Film «Operation Walküre» mit Tom Cruise zu sehen, der in Berlin gedreht wurde.

Ju-Air ist ein Verein von Freunden der schweizerischen Luftwaffe (VFL), der 1981 die drei ausgemusterten Maschinen übernommen hatte. Die Maschinen der Ju-Air werden oft für Alpenrundflüge gebucht. Sie starten vom Militärflugplatz Dübendorf. Die Piloten sind meistens sehr erfahrene aktive oder pensionierte Berufspiloten. (ij/sep/rba/fal)

Erstellt: 05.08.2018, 16:21 Uhr

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