«Zum Glück ist er früh genug ausgestiegen»

In den Niederlanden ist es zu einem Zwischenfall mit zwei Flugzeugen der F-5-Tigerflotte gekommen. Die Jets haben sich berührt. Ein Pilot hat sich per Schleudersitz retten können.

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Zwei F5-Tigerjets der Patrouille Suisse haben sich am Donnerstagnachmittag bei einem Trainingsflug in den Niederlanden touchiert. Ein Flugzeug stürzte in der Folge ab. Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten. Die Schweizer Militärjustiz hat eine Untersuchung eingeleitet.

Es handle sich um den ersten schweren Unfall der Patrouille Suisse in ihrem 52-jährigen Bestehen, sagte der Kommandant der Luftwaffe, Aldo Schellenberg. Er zeigte sich betroffen über den Absturz. Gleichzeitig sei er «enorm erleichtert» über den glimpflichen Ausgang des Unfalls, sagte er am Abend vor den Medien in Bern.

Der Unfall ereignete sich während eines Trainings für eine Flugshow am Tag der offenen Tür der niederländischen Luftwaffe in Leeuwarden. Die Piloten führten gerade ein routinemässiges Zusammenführungsmanöver durch: Während einer Vorführung zweier Solopiloten gruppierten sich die restlichen Flieger neu – da geschah der Unfall.

Landung im Gewächshaus

Laut Schellenberg berührten sich die Flugzeuge eher als dass sie kollidierten. Der eine Pilot betätigte den Schleudersitz, sein Flugzeug stürzte ab. Auf Amateurbildern im Internet ist zu sehen, dass das Flugzeug in einen See beim friesischen Dorf Bitgum stürzte und dann in Flammen aufging.

Der Pilot erlitt leichte Verletzungen, Schnittwunden und Verstauchungen, da er in einem Gewächshaus gelandet war. Er sei «wohlauf und ansprechbar», sagte der Luftwaffenkommandant. Der zweite Pilot konnte sein Flugzeug kontrolliert landen.

Oberst und FA-18-Pilot Pierre de Goumoëns: «In erster Linie versuchen sie (die Piloten, Red.) so lange wie möglich, das Flugzeug zu retten. Oft steigen sie dabei zu spät aus. In diesem Fall hat der Pilot gut reagiert. Zum Glück ist er früh genug ausgestiegen, und hat sich damit das Leben gerettet.»

Laut Schellenberg waren beide Piloten sehr erfahren. Der eine Pilot verfüge über 1250 Flugstunden, der andere über 2000 Flugstunden auf den Flugzeugen der Luftwaffe.

Teilnahme an Flugshow abgesagt

Die Teilnahme an der Flugshow hat die Schweiz nun abgesagt. Die Schweizer Militärjustiz leitete eine Untersuchung ein. Am Freitagvormittag wird ein Team aus der Schweiz in die Niederlanden fliegen. Neben der Militärjustiz werden auch ein Care-Team für die Piloten und Flugsicherheitspezialisten dabei sein. Mit der niederländischen Luftwaffe und den Untersuchungsbehörden ist die Schweiz in Kontakt.

Ob der abgestürzte Jet ersetzt wird, ist noch unklar. Insgesamt verfügt die Schweizer Luftwaffe über 54 F5-Tiger. Ein Teil davon ist stillgelegt, 26 waren bislang in flugfähigem Zustand erhalten. 22 davon sind Einsitzer, vier Doppelsitzer. Mit dem Unfall fällt nun ein Einsitzer weg.

Eine Reaktivierung eines stillgelegten Tigers wäre finanziell verkraftbar, sagte Schellenberg. Die Flugzeuge werden periodisch kontrolliert und gestartet, es wäre aber ein mehrwöchiger Service nötig.

Wie es mit der Tigerflotte generell weitergeht, bestimmt das Parlament. Die Armeereform sieht vor, dass die Ausserdienststellung von Kampfjets künftig von den Eidgenössischen Räten abgesegnet werden muss.

Bund trägt Kosten

Buchhalterisch wird der Unfall beim Bund keinen Verlust verursachen, die Jets sind abgeschrieben. Allerdings wird der Bund die Kosten für den Schaden vollumfänglich selbst tragen, wie Schellenberg sagte.

Für die Patrouille Suisse ist es der erste schwere Unfall. Die Schweizer Luftwaffe hat seit 1941 rund 400 Flugunfälle mit 350 Todesopfern registriert. Im Oktober des letzten Jahres war in Frankreich ein F/A-18-Kampfjet der Schweizer Luftwaffe abgestürzt. Auch damals konnte sich der Pilot mit dem Schleudersitz retten.

Vor drei Jahren, im Oktober 2013, war ein Kampfjet an einer Felswand bei Alpnachstad OW zerschellt. Dabei kamen der Pilot sowie ein Fliegerarzt, der als Passagier an Bord war, ums Leben. Zurückzuführen war der Absturz auf eine Fehlbeurteilung des Piloten, wie der Schlussbericht der Militärjustiz ergab. (nag/sda)

Erstellt: 09.06.2016, 16:46 Uhr

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Flugzeugabsturz

Flugunfälle bei der Schweizer Luftwaffe


  • Die Schweizer Luftwaffe hat seit 1941 rund 400 Flugunfälle mit über 350 Todesopfern registriert. Nachfolgend ein Überblick über schwere Unglücke der letzten 20 Jahre.


  • 9. Juni 2016: Ein F5-Kampfflugzeug der Patrouille Suisse stürzt in der Nähe des Militärflugplatzes Leeuwarden in den Niederlanden ab. Der Pilot kann sich mit dem Schleudersitz retten.


  • 14. Oktober 2015: Eine zweisitzige F/A-18 stürzt im gemeinsamen Trainingsraum mit Frankreich südöstlich von
  • 23. Oktober 2013: Im Raum Alpnachstad im Kanton Obwalden zerschellt eine zweisitzige F/A-18 am Lopper. Der Pilot und sein Passagier, ein Arzt des Fliegerärztlichen Instituts, werden getötet.


  • 12. November 2002: Ein PC-7 kollidiert bei Bonaduz GR mit dem Seil der Luftseilbahn Rhäzüns-Feldis. Zwei Milizoffiziere kommen ums Leben.


  • 12. Oktober 2001: Beim Absturz eines Alouette-III-Helikopters oberhalb von Montana VS nach der Kollision mit einem Kabel kommen alle vier Insassen ums Leben.


  • 25. Mai 2001: Bei einem Grenzüberwachungsflug touchiert ein Alouette-III-Helikopter bei Delsberg JU ein Kabel und stürzt ab. Der Pilot und drei Grenzwächter werden tödlich verletzt.


  • 14. Oktober 1998: Zwei Trainingsflugzeuge des Typs PC-9 stossen in der Luft zusammen. Während die eine Maschine landen kann, zerschellt die andere bei Oberuzwil SG. Der Pilot stirbt.


  • 7. April 1998: Beim Absturz eines F/A-18-Kampfjets bei Crans VS werden beide Insassen getötet. Als Ursache wurde eine räumliche Desorientierung des Piloten angenommen.


  • 12. November 1997: Ein Pilatus-Porter PC6 stürzt bei schlechtem Wetter in der Nähe von Boltigen BE ab. Der Pilot und vier Soldaten sterben.


  • 20. März 1997: Eine Mirage III RS stürzt bei einem Aufklärungsflug im Raum Ste-Croix VD ab. Der Pilot kommt ums Leben.


  • 4. Juli 1996: Ein Kampfjet Tiger F-5E bohrt sich in Schänis SG nach einem unbeabsichtigten Schleudersitzabschuss in den Boden. Der Pilot überlebt.

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