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Flüchtiger Navy-Kämpfer macht sich unsichtbar

Bei der Suche nach Christopher Dorner, der einen Krieg gegen die Polizei von Los Angeles führt, sind mehrere Tausend Gesetzeshüter und Hightech im Einsatz. Seine Entlassung wird nun nochmals aufgerollt.

Identifiziert: Christopher Dorner ist tot.
Identifiziert: Christopher Dorner ist tot.
Keystone
Wurde zur Todesfalle: In dieser abgebrannten Berghütte hat sich der gesuchte Ex-Polizist versteckt. (13. Februar 2013)
Wurde zur Todesfalle: In dieser abgebrannten Berghütte hat sich der gesuchte Ex-Polizist versteckt. (13. Februar 2013)
Reuters
Polizei-Sheriff John McMahon gibt den Medien vor Ort Auskunft. (8. Februar 2013)
Polizei-Sheriff John McMahon gibt den Medien vor Ort Auskunft. (8. Februar 2013)
Keystone
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Im Süden Kaliforniens wird «Rambo» zur Wirklichkeit. Ein Kriegsveteran dreht durch, kämpft gegen scheinbar arrogante und ungerechte Polizisten und flieht in die Wälder in den Bergen: Seit vier Tagen fehlt jede Spur von Christopher Dorner. Zuletzt fand die Polizei am Donnerstag seinen ausgebrannten Pick-up auf einem abgelegenen Weg im beschaulichen Skiresort Big Bear. Der 33-jährige Dorner wird dringend des Mordes an drei Menschen verdächtigt. Via Facebook hat er der Polizei von Los Angeles einen asymmetrischen Krieg erklärt, der noch viele Opfer fordern werde.

Wie im Actionstreifen mit Sylvester Stallone als Rambo haben die Ordnungshüter eine gross angelegte Jagd auf den Flüchtigen eingeleitet. Im Gegensatz zum Film von 1982 dürfte die heutige Suche aber noch ein paar Stufen aufwendiger sein. Mehrere Tausend Polizisten halten in den Gliedstaaten Kalifornien, Nevada, Arizona und selbst im Norden Mexikos Ausschau nach ehemaligen Navy-Soldaten und Polizisten, wie «USA Today» berichtet.

Polizei schützt mögliche weitere Ziele

50 Personenschutz-Teams bewachen zudem Menschen, die der ehemalige Mitarbeiter des Los Angeles Police Department (LAPD) ins Visier nehmen könnte, vor allem Arbeitskollegen, Vorgesetzte und Mitglieder der Disziplinarkommission, die Dorners Vorwürfe gegen eine Vorgesetzte als erfunden eingestuft hatten. Der Vorfall führte 2008 zu Dorners Entlassung – dafür will er sich nun laut eigener Darstellung rächen.

Die Suche konzentriert sich denn auch vor allem auf Gebiete, wo Dorners mutmassliche Ziele wohnen. Die Polizei rechnet damit, dass er erneut töten will. In seinem Manifest, das er auf Facebook veröffentlicht hatte, prahlte der Ex-Polizist mit angeblichem Wissen über seine möglichen weiteren Opfer: «Ich kenne euren Arbeitsweg und andere Routinetätigkeiten, und ich weiss, wo sich die besten Freunde eurer Kinder aufhalten.»

Auto von Unschuldigen durchsiebt

In die Suche involviert sind laut «USA Today» diverse Polizeidepartemente mit ihren Swat-Sondereinsatz-Teams, das FBI, US Marshals und andere Gesetzeshüter. Ausserdem wurde eine Belohnung von einer Million Dollar für Tipps in Aussicht gestellt, die zur Ergreifung des mutmasslichen Dreifachmörders führen. LAPD-Chef Charlie Beck rechtfertigte den ausserordentlichen Aufwand damit, dass es sich hier um «inländischen Terrorismus» handle.

Kurz nachdem die Belohnung ausgesetzt war, trafen weitere Hinweise ein. Bisher führten sie die Polizei laut CNN jedoch nicht weiter. In Northridge wurde gestern Abend ein Heimwerkermarkt evakuiert, nachdem jemand meldete, er habe Dorner dort gesichtet. Die Polizei fand nichts, berichtet «ABC News».

Zuvor war es zu zwei grösseren Fahndungspannen gekommen, als die Polizei zweimal auf unbeteiligte Zivilisten das Feuer eröffnete. Ohne Vorwarnung hätten Beamte auf den Wagen von Maggie Carranza und ihrer 71-jährigen Mutter geschossen. Dabei habe es sich um ein anderes Modell gehandelt als das gesuchte Auto Dorners. Bis zu 30 Einschüsse hat der Wagen laut den Anwälten Carranzas aufgewiesen. Beide Frauen wurden verletzt, seien aber nicht in Lebensgefahr. Ein weiterer, ähnlicher Zwischenfall verlief demnach glimpflich, wie The Verge berichtet.

Drohnen gegen «inländischen Terrorismus»

Wie bei der Terrorismusbekämpfung im Ausland setzen die Amerikaner dabei auf Hightech. So sind Helikopter mit Wärmebildkameras im Einsatz. Ein anonymer hochrangiger Beamter bestätigte gegenüber The Verge auch den Einsatz von Drohnen. «Die Wärmebildkameras der Drohnen sind vielleicht unsere einzige Hoffnung, ihn zu finden», sagt der Mann. Denn der Einsatz in den Bergen gleiche der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Dorner wird aber wahrscheinlich nicht mit Drohnen getötet. Denn die aktuellen Bestimmungen erlaubten Gesetzeshütern den Einsatz von bewaffneten Drohnen über US-Boden nicht.

Dorner ist – wie Rambo – bestens in Überlebenstechniken geschult. Der ehemalige Soldat der Navy hatte Auszeichnungen für seine Fähigkeiten an Gewehren und an Pistolen erhalten. Er ist für Einsätze aus der Luft und auf dem Wasser ausgebildet, berichtet Associated Press. Und er hat damit gedroht, alle seine Fähigkeiten für seinen Krieg gegen das LAPD und seine Familien einzusetzen.

Dorners Fans – Fall wir neu aufgerollt

Im Internet hat sich bereits eine Fangemeinde gebildet. Zentral ist dabei Dorners angeblicher Kampf gegen Korruption und Arroganz des LAPD. Dabei spielt ihm die Geschichte der Polizei von Los Angeles in die Hände. Zahlreiche Minderheiten hatten sich in der Vergangenheit über rassistisches Verhalten von Polizisten beklagt. Polizeichef Beck ist sich der «Geister der Vergangenheit» bewusst. Er weist auf die Fortschritte seiner Behörde hin, die heute eine «Mehrheit von Minderheiten» sei und die gesellschaftliche Realität seiner Metropole widerspiegle.

Er hat auch angekündigt, den Fall, der zur Entlassung Christopher Dorners geführt hatte, wieder aufzurolllen – nicht, um einen Mörder zu beschwichtigen, sondern weil er Rassismusvorwürfe gegen das LAPD sehr ernst nehme. Gemäss Recherchen der «Los Angeles Times» ist die Beschuldigung gegen Dorners damalige Vorgesetzte nicht so eindeutig falsch, wie es sein Rauswurf nahelegt. Sie habe einen Behinderten misshandelt, gab Dorner zu Protokoll. Der Oberrichter, der den Fall in einem Appellationsverfahren 2010 einschätzen musste, konnte nicht sagen, ob das eine falsche Anschuldigung ist. Dennoch hielt er den Rauswurf Dorners für vertretbar.

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