Fall Luca: Neue Gutachten widersprechen Walliser Justiz

In Italien ist ein Strafverfahren eröffnet worden, um herauszufinden, wer Luca Mongelli vor zehn Jahren in Veysonnaz VS zum Invaliden gemacht hat. Die viel kritisierte Walliser Justiz ist bereit, Amtshilfe zu leisten.

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Vincenzo Capodici@V_Capodici

Im Drama um Luca Mongelli gibts ein paar Fakten und zwei Versionen der Ereignisse. Zu den Fakten gehört, dass Tina Mongelli am 7. Februar 2002 ihren damals siebenjährigen Sohn Luca auf einem verschneiten Feld bei Veysonnaz VS in einem schlimmen Zustand vorfand – der Knabe war schwer verletzt, bewusstlos, nackt und stark unterkühlt. Seither ist der mittlerweile in Italien lebende Luca blind und Tetraplegiker.

Die beiden Versionen über die dramatischen Geschehnisse in Veysonnaz könnten unterschiedlicher nicht sein. Gemäss der Version, die die Walliser Justiz als die wahrscheinlichste bezeichnet, wurde Luca vom Schäferhund der Familie, Rocky, angegriffen. Dagegen vertreten die Eltern, Tina und Nicola Mongelli, die Version, dass ihr Sohn von vier Jugendlichen misshandelt worden sei. Dies habe Luca immer wieder erzählt – und dies sei vom damals vierjährigen Bruder Marco, der Zeuge des Dramas wurde, in Zeichnungen festgehalten worden.

Strafverfahren wegen schwerer Körperverletzung und versuchter Tötung

Nach hartnäckigem Drängen der Familie Mongelli und grossem öffentlichem Druck erklärte sich die Walliser Staatsanwaltschaft Anfang 2012 bereit, den Fall neu aufzurollen. Gemäss einem Privatdetektiv, den die Mongellis engagiert hatten, handelt es sich bei den mutmasslichen Tätern um drei Brüder aus Lausanne und ihren Cousin aus Sion, die reichen Familien angehören. Während die Familie Mongelli nach wie vor auf Nachrichten aus dem Wallis wartet, hat die italienische Staatsanwaltschaft in Rom wegen schwerer Körperverletzung und versuchter Tötung ein Strafverfahren gegen unbekannt eröffnet. Dies berichtet die Walliser Zeitung «Le Nouvelliste» (Artikel online nicht verfügbar).

Inzwischen bestätigte der Walliser Generalstaatsanwalt Jean-Pierre Gross, dass ein Amtshilfeverfahren eröffnet worden sei. Welche Teile des Mongelli-Dossiers an die italienische Justiz weitergeleitet werden, ist allerdings noch nicht klar. Zu den Anwälten der Mongellis gehört Nino Marazzita, einer der besten Strafrechtsexperten Italiens.

Kleider von Luca sollen erneut auf DNA-Spuren untersucht werden

Die Anwälte der Familie Mongelli fordern, dass die Kleider, die Luca beim Drama getragen hatte, erneut auf DNA-Spuren untersucht werden sollen. Des Weiteren müsse die Walliser Justiz zwei neue Gutachten aus Italien als Beweismittel anerkennen. In einem rechtsmedizinischen Gutachten kommen Experten zum Schluss, dass nicht ein Hund, sondern Menschen die Aggressoren von Luca gewesen sein müssen. Und in einem psychologischen Gutachten wird den Aussagen von Luca und seinem kleineren Bruder eine hohe Glaubwürdigkeit attestiert.

Gemäss den beiden Gutachten bestehen somit grosse Zweifel an der bisherigen Version der Walliser Strafbehörden, die das Verfahren im Jahr 2004 eingestellt hatten, aber im letzten Winter wieder aufnehmen mussten. Dabei bestimmten sie vier italienischsprachige Experten, die die fünf Jahre nach dem Drama erstellten Zeichnungen des jüngeren Bruders von Luca begutachten und Befragungen durchführen sollten.

Vater Mongelli: Nichts mehr aus dem Wallis gehört

«Man hat uns im letzten Januar gesagt, dass wir in die Schweiz kommen sollen, damit Luca und sein Bruder befragt werden können», sagte Vater Mongelli dem «Nouvelliste». «In unserer Antwort haben wir die Walliser Behörden gebeten, die Experten nach Italien zu schicken. Danach haben wir keine Nachrichten mehr aus dem Wallis erhalten.» Obwohl Luca bisher nicht befragt wurde, lässt die Walliser Generalstaatsanwaltschaft verlauten, dass der Expertenbericht bis Ende dieses Jahres vorliegen soll.

Luca Mongelli lebt heute mit seiner Mutter und seinem Bruder in der Nähe von Bari in Apulien. Sein Vater hält sich vorwiegend in der Schweiz auf, wo er als Gastrounternehmer tätig ist. Inzwischen besucht Luca ein klassisches Gymnasium.

DerBund.ch/Newsnet

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