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«Es war wie die Hölle»

Tagelang wurden zehntausende Menschen in Liberia in einem riesigen Slum eingeschlossen. Experten kritisieren die Panikreaktion der Regierung aus Angst vor Ebola.

Zehn Tage keinen Zugang zu Lebensmitteln und Trinkwasser: Eingeschlossene Bewohner werden durch ein Tor mit Wasser versorgt.(22. August 2014)
Zehn Tage keinen Zugang zu Lebensmitteln und Trinkwasser: Eingeschlossene Bewohner werden durch ein Tor mit Wasser versorgt.(22. August 2014)
Keystone

Die Regierung Liberias hat die umstrittene Isolierung eines riesigen Slums aufgehoben, der im Kampf gegen das Ebola-Virus komplett unter Quarantäne gestellt worden war. Hunderte der bis zu 75'000 Einwohner des Armenviertels West Point in der Hauptstadt Monrovia feierten am Samstag auf den Strassen die Entscheidung.

«Es war wie die Hölle», beschrieb der 47-jährige Tom Nyennoh die zehntägige Isolierung. Die vom 20. bis 29. August geltende Quarantäne hatte zu heftigen Protesten geführt, weil Tausende Menschen keinen Zugang mehr zu Lebensmitteln und Trinkwasser hatten.

Experten gegen Quarantäne

Bei Zusammenstössen zwischen der Polizei und Demonstranten war ein 15-Jähriger ums Leben gekommen. Experten hatten kritisiert, eine derart umfangreiche Isolierung mache keinen Sinn und sei auch nicht zu handhaben.

Die Quarantäne war verhängt worden, weil in West Point rund 40 Ebola-Patienten aus einer Isolierstation von Bewohnern befreit worden waren. Vier am Überfall beteiligte Jugendliche erkrankten danach an Ebola.

Weitere Fälle sind aus dem Slum bislang nicht bekannt. Die geflohenen Patienten konnten wiedergefunden und in einer medizinischen Einrichtung untergebracht werden.

Jeder zweite Patient gestorben

Liberia ist zurzeit am schlimmsten von der Epidemie betroffen. Knapp 1400 bestätigte und Verdachtsfälle Erkrankungen sind dort bekannt; jeder zweite Patient starb.

Die Landesregierung plant deshalb die Einrichtung fünf neuer Behandlungszentren. Jedes werde 100 Betten haben, teilte sie am Samstag mit.

Der Regierung wurde vorgeworfen, dass sie zu langsam auf die Seuche reagiert habe. In Monrovia mussten Ebola-Kranke bereits vor überfüllten Kliniken abgewiesen werden. Die Situation hat sich verschärft, da auch internationales Pflegepersonal abgezogen wurde, nachdem sich Hilfskräfte aus den USA infiziert hatten.

Die aktuelle Epidemie in Westafrika hat mindestens 1500 Menschen getötet, insgesamt wurden 3000 infiziert. Es ist der schwerste Ausbruch von Ebola, der jemals registriert wurde. Neben Liberia, Guinea und Sierra Leone breitet sich Ebola auch im Senegal und in Nigeria aus. Gegen das Virus gibt es keine erprobten Medikamente.

SDA/ldc

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