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Es sieht schlecht aus für das Zimmermädchen

Das mutmassliche Opfer von Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn ist für morgen vom Staatsanwalt vorgeladen. Dies könnte auf ein baldiges Ende des Verfahrens hinweisen. Eine Entscheidung wird für Dienstag erwartet.

«Ich will nicht, dass das, was mir passiert ist, anderen Frauen geschieht»: Diallo an der Pressekonferenz in New York (28. Juli 2011)
«Ich will nicht, dass das, was mir passiert ist, anderen Frauen geschieht»: Diallo an der Pressekonferenz in New York (28. Juli 2011)
Keystone
Will im Notfall Zivilklage gegen Dominique Strauss-Kahn einreichen: Nafissatou Diallo am 27. Juli in New York.
Will im Notfall Zivilklage gegen Dominique Strauss-Kahn einreichen: Nafissatou Diallo am 27. Juli in New York.
Reuters
Sieht entspannt aus: Dominique Strauss-Kahn wartet auf die Richter. (6. Juni 2011)
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Reuters
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Das Verfahren wegen Vergewaltigungsvorwürfen gegen Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn könnte nach Einschätzung eines der Anwälte der Klägerin in den kommenden Tagen ganz oder teilweise eingestellt werden. Er gehe davon aus, dass das Verfahren vollständig oder in einigen Punkten zu den Akten gelegt werde, so Kenneth Thompson in der gestrigen Ausgabe der «New York Times». Eine Entscheidung wird für Dienstag erwartet.

Thompson sagte der Zeitung, Staatsanwalt Cyrus Vance habe seine Mandantin, das New Yorker Zimmermädchen Nafissatou Diallo, für morgen Montag vorgeladen. «Wenn sie nicht eine Einstellung des Verfahrens vorbereiten würden, dann müssten sie sie auch nicht treffen», sagte der Anwalt. Sein Kollege Douglas Wigdor wollte sich an den Spekulationen nicht beteiligen. Die Ermittler hätten in ihrem Schreiben an Diallo, in dem sie für morgen Nachmittag vorgeladen werde, jedoch einen «sehr negativen und herabwürdigenden» Ton angeschlagen, sagte er.

Weitere Anhörung am Dienstag

Für Dienstag ist eine weitere Anhörung in New York in dem Fall angesetzt. Es wird erwartet, dass die Staatsanwaltschaft dann mitteilt, ob sie das Verfahren fortführen oder einstellen will. Der Staatsanwalt hatte Zweifel an der Glaubwürdigkeit Diallos bekommen, die Strauss-Kahn beschuldigt, sie am 14. Mai in einem New Yorker Hotel zum Oralsex gezwungen zu haben. Sie soll laut früheren Angaben der Staatsanwaltschaft bereits unter Eid gelogen haben, unter anderem im Zusammenhang mit Anträgen auf ihre Aufenthaltserlaubnis für die USA.

Erst am Freitag hatte es neuen Wirbel um den Fall gegeben, als mehrere Medien über angebliche Geldforderungen Diallos für eine Schliessung der Akten berichteten. Laut dem Nachrichtenportal «Daily Beast», das sich auf mit dem Fall vertraute Kreise berief, sollen Strauss-Kahns Verteidiger im Juni zu geheimen Treffen mit Diallos Anwälten zusammengekommen sein. Staatsanwalt Cyrus Vance habe daraufhin wissen wollen, ob dabei eine Schliessung des Falls gegen einen Geldbetrag angeboten worden sei.

Anwälte bestreiten aussergerichtlichen Deal

Die Zeitung «Wall Street Journal» berichtete ebenfalls unter Berufung auf informierte Kreise, der Staatsanwalt habe Diallos Anwälte aufgefordert, ihn über eventuelle Absprachen zu informieren. Demnach könnte Anwalt Thompson angeboten haben, eine aussergerichtliche Einigung einzugehen. In der Zeitung bestritt Thompson dies aber. «Wir wollen den Fall vor einem Geschworenengericht verhandeln», sagte er. Auch sein Kollege Wigdor wies die Berichte als «neuen Angriff ohne Grundlage» zurück. «Diese Geschichte ist falsch», sagte er.

Sollten sich derartige Verhandlungen bestätigen, würde die Position Diallos weiter geschwächt. Angesichts der Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Einwanderin aus Guinea fordern Strauss-Kahns Anwälte eine Einstellung des Verfahrens. Der frühere IWF-Chef plädierte vor Gericht auf nicht schuldig. Vor knapp zwei Wochen hatte Diallo zudem Zivilklage gegen Strauss-Kahn eingereicht. Sie fordert eine Entschädigung in nicht genannter Höhe. Die Staatsanwaltschaft wollte sich zu den neuen Medienberichten nicht äussern.

Strauss-Kahn war aufgrund der Anschuldigungen in New York verhaftet und angeklagt worden. Er war daraufhin gezwungen, als Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzutreten.

AFP/jak

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