Zum Hauptinhalt springen

«Es gibt eine unglaubliche Zerstörung»

Seit 1992 hat kein Wirbelsturm mehr mit dieser Wucht das US-Festland erreicht: Hurrikan Michael hat Tod und Zerstörung nach Florida gebracht.

Die Spuren von Michael: Erste Aufnahmen lassen die Zerstörungskraft des Sturms erahnen. (Video: Twitter/Tamedia)

Hurrikan Michael hat in Florida schwere Verwüstungen angerichtet. Der Wirbelsturm der zweithöchsten Kategorie 4 zerstörte zahlreiche Gebäude, setzte Häuser unter Wasser, entwurzelte Bäume und riss Stromleitungen um. Mindestens ein Mensch kam ums Leben, zahlreiche Menschen sind verletzt. CNN berichtete, im benachbarten Bundesstaat Georgia sei ein Mädchen gestorben.

Der Hurrikan war am Mittwoch mit Windgeschwindigkeiten von 250 Stundenkilometern in der Panhandle genannten Küstenregion im Norden Floridas auf Land getroffen. Seit 1992 hat kein Wirbelsturm mehr mit dieser Wucht das US-Festland erreicht, berichten US-Medien. Michael wird wohl zum viertstärksten Hurrikan der US-Geschichte.

Bilder aus der als erstes betroffenen Küstengemeinde Mexico Beach zeigten überflutete Strassen und Häuser mit abgerissenen Dächern. Im Badeort Panama City riss der Sturm Bäume, Satellitenschüsseln und Ampeln um.

In den Trümmern werden noch weitere Todesopfer vermutet: Rettungskräfte stehen vor einem gestrandeten Boot in Mexico Beach, Florida. (16. Oktober 2018)
In den Trümmern werden noch weitere Todesopfer vermutet: Rettungskräfte stehen vor einem gestrandeten Boot in Mexico Beach, Florida. (16. Oktober 2018)
Scott Olson/Getty Images, AFP
Stärkster Wirbelsturm seit 1992: Hurrikan Michael hat Tod und Zerstörung nach Florida gebracht.
Stärkster Wirbelsturm seit 1992: Hurrikan Michael hat Tod und Zerstörung nach Florida gebracht.
Dan Anderson/EPA, Keystone
Auch in der kubanischen Metropole Havanna ist Michael spür- und sichtbar gewesen.
Auch in der kubanischen Metropole Havanna ist Michael spür- und sichtbar gewesen.
Ramon Espinosa (AP), Keystone
1 / 33

«Es gibt eine unglaubliche Zerstörung», sagte Floridas Gouverneur Rick Scott am Donnerstagmorgen (Ortszeit) dem Sender CNN. Scott warnte die Menschen davor, ihre Häuser zu verlassen. «Sie haben diesen unglaublichen Sturm überlebt. Bleiben Sie sicher. Gehen Sie nicht hinaus, wenn Sie nicht müssen.» Es gebe zahlreiche Überlandleitungen, die zerstört worden seien, und Bäume, die umgestürzt seien. Rettungskräfte würden die Betroffenen bald erreichen. Scott fügte mit Blick auf die schweren Sturmschäden hinzu: «Ich wünschte nur, das wäre nie geschehen.»

Der Gouverneur sagte, rund 360'000 Haushalte, Büros und Geschäfte seien ohne Elektrizität. Floridas Katastrophenschutzbehörde Sert teilte mit, alleine im Bezirk Bay - wo der Hurrikan am Mittwoch auf Land getroffen war – sei bei fast 115'000 der 117'625 Anschlüssen der Strom ausgefallen. Im benachbarten kleineren Bezirk Calhoun verfügte am Donnerstagmorgen kein einziger Anschluss mehr über Elektrizität.

Auf seinem Weg nach Nordosten über Georgia schwächte sich «Michael» ab und wurde zu einen tropischen Sturm herabgestuft. Der Hurrikan der zweithöchsten Kategorie vier war am Mittwoch mit Windgeschwindigkeiten von 250 Stundenkilometern auf Land gestossen. US-Präsident Donald Trump kündigte an, sich «sehr, sehr schnell» nach Florida begeben zu wollen. Den Menschen in dem Bundesstaat wünsche er das Beste.

Video – Das Zentrum von Michael von oben

Der Chef der Katastrophenschutzbehörde Fema, Brock Long, sagte bei einer Einsatzbesprechung im Weissen Haus, Michael sei der stärkste Sturm im Panhandle seit 1851. Der nationale Wetterdienst erklärte gar, es gebe keine Aufzeichnungen über einen Hurrikan der Stärke 4 in dieser Region.

Über Land abgeschwächt

Der Hurrikan zog nach Florida in Richtung der Bundesstaaten Georgia und Alabama weiter. Er wurde inzwischen auf die niedrigste Hurrikan-Kategorie 1 heruntergestuft, gemessen wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 145 Stundenkilometern.

Mitte September hatte der Sturm Florence an der Ostküste der USA für schwere Überschwemmungen und Schäden gesorgt, darunter auch in Florida. Mehr als 30 Menschen kamen ums Leben. Vor einem Jahr hatte Hurrikan «Irma» eine Schneise der Zerstörung in Florida geschlagen.

Auch weiter südöstlich im Küstenort Mexico Beach deuten erste Aufnahmen auf eine gewaltige Zerstörungskraft hin. Ein Video zeigt, wie in einer überfluteten Gegend das Wasser bis an die teilweise abgedeckten Dächer der Häuser reicht.

Zu spät für die Dagebliebenen

Scott hatte am Mittwochmorgen mitgeteilt, es sei nun zu spät, das Gebiet an der Küste zu verlassen. Es sei nicht mehr sicher zu reisen. «Jetzt ist die Zeit, Schutz zu suchen.» Nothelfer würden nicht in der Lage sein, inmitten des Sturms auszurücken. Auf der Panhandle seien 54 Schutzunterkünfte geöffnet worden. «Sobald Michael vorbeigezogen ist, werden wir eine massive Welle der Unterstützung haben», sagte Scott. Sofort nach dem Sturm würden 1000 Rettungskräfte ihren Einsatz beginnen.

Auch 3500 Angehörige der Nationalgarde stünden bereit. US-Präsident Donald Trump habe alle verfügbaren Bundesmittel zugesagt, um Florida zu unterstützen.

Trump sagte, der ursprünglich kleine Sturm habe sich zu einem «Monster» ausgewachsen. Wegen des Hurrikans kam Trump am Mittwoch im Weissen Haus mit dem Chef der Katastrophenschutzbehörde Fema, Brock Long, und mit Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen zusammen. Long sagte: «Dies wäre der intensivste Hurrikan seit 1851, der diese Gegend getroffen hat, wenn ich mich recht erinnere.» Trump rief über Twitter den Notstand für die Region aus, um rasch Bundesmittel freizusetzen.

Der US-Präsident kündigte an, das Katastrophengebiet voraussichtlich am Sonntag oder Montag zu besuchen. Bei einem früheren Besuch befürchte er, den Helfern in den Weg zu kommen, sagte Trump.

Reporter von CNN sagten, in vielen Gegenden sei der Boden durch Regenfälle so aufgeweicht, dass Bäume leicht umstürzten. Demnach wurden Spitäler und Tankstellen in Küstennähe geschlossen, auch Strassensperren seien wahrscheinlich. Regale in Läden waren leer gekauft. Schäden an Gebäuden, abgedeckte Dächer und langanhaltende Stromausfälle wurden erwartet.

Ausharren als Fehlentscheid

Auch im Binnenland kann es gefährlich werden: Die Hurrikan-Warnung gilt solange, bis der Sturm Georgia erreicht. Seine Winde erreichten Geschwindigkeiten von bis zu 110 Kilometern pro Stunde. Heftiger Regen soll in den kommenden Stunden und Tagen voraussichtlich auch in Teilen Georgias, North und South Carolinas und im Südosten Virginias fallen.

Eine CNN-Reporterin im Sturmgebiet sagte, Menschen in der Gegend hätten am Dienstag noch gedacht, sie würden einen Hurrikan der Kategorie zwei aussitzen. Als sie dann am Mittwoch aufgewacht seien, seien sie mit einem Sturm der Kategorie vier konfrontiert gewesen.

Ruhe vor dem Sturm: Menschen besuchen den Strand von Panama City, während sich «Michael» Floridas Küste nähert.
Ruhe vor dem Sturm: Menschen besuchen den Strand von Panama City, während sich «Michael» Floridas Küste nähert.
Brendan Smialowski, AFP
Verbarrikadiert: Menschen schützen Häuser mit Brettern, wie hier in Carrabelle in Florida.
Verbarrikadiert: Menschen schützen Häuser mit Brettern, wie hier in Carrabelle in Florida.
Carlo Allegri, Reuters
Am 7. Oktober sorgte Hurrikan Michael als vorbeiziehender Tropensturm am Golf von Mexiko für ein stürmisches Meer.
Am 7. Oktober sorgte Hurrikan Michael als vorbeiziehender Tropensturm am Golf von Mexiko für ein stürmisches Meer.
Alonso Cupul, Keystone
1 / 11

So auch Missy Theiss. Sie lebt acht Kilometer von der Küste von Panama City Beach entfernt. Die 54-Jährige entschied sich, gemeinsam mit ihrem Mann, ihrer Tochter und zwei Hunden in ihrem Haus zu bleiben. «Ich schaue aus dem Fenster und es wirkt, als lebte ich in einem Kriegsgebiet», schrieb Theiss in einer Textnachricht an die Nachrichtenagentur DPA. «Es war die schlechteste Entscheidung, hier zu bleiben. Wir haben es für unsere Haustiere getan», erklärte sie. Sie habe gedacht, Michael würde die Küste als Hurrikan der Stufe zwei erreichen, dann wurde er aber zur Kategorie vier hochgestuft.

«Als wir darüber nachdachten, zu gehen, war es schon zu spät. Wir hatten viel Angst, wir wollten nicht, dass etwas Schlimmes passiert», schilderte Theiss ihre schwierige Lage. Sie habe Schutz im Flur ihres Hauses gefunden, abseits von Fenstern und Türen.

(sda/afp)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch