Zum Hauptinhalt springen

«Er heulte wie ein Kind»

In der Nacht des Unglücks auf der Costa Concordia sprach der Schiffspfarrer mit dem Kapitän. Er nimmt ihn in Schutz. Derweil wurden die Rettungsarbeiten wieder aufgenommen.

Der Kapitän der havarierten Costa Concordia hat nach Angaben eines Priesters nach dem Unglück vor einer Woche «wie ein Kind geheult». Nach seiner eigenen Rettung habe er gegen 02.30 Uhr mit Francesco Schettino gesprochen, sagte der 73-jährige italienische Concordia-Pfarrer Raffaele Malena heute der französischen Wochenzeitung «Famille Chrétienne» («Christliche Familie»). «Er hielt mich eine Viertelstunde lang umklammert und heulte wie ein Kind».

Malena selbst hatte nach eigenen Angaben das Kreuzfahrtschiff gegen 01.30 Uhr verlassen, sich davor aber noch die Zeit genommen, um in der Schiffskapelle Jesus anzuflehen, «so wenig Leute wie möglich sterben zu lassen». «Das Jesus-Kind lag noch in seiner Krippe, ich weinte und sprach mit ihm», sagte der Priester, der inzwischen in sein kalabrisches Dorf Cirò Marina zurückgekehrt ist.

«Sie sind Helden!»

Verärgert reagierte der Schiffspfarrer, der seit rund zwanzig Jahren für das Unternehmen Costa arbeitet, auf die Kritik an der Besatzung. «Einige sagen, die Besatzung war inkompetent. Das stimmt nicht, meine Jungs sind Helden!», sagte er der französischen Wochenzeitung. «Sie zitterten selbst vor Angst, wurden bedroht» von wütenden Passagieren.

Doch inmitten all der Panik hätten seine «Helden aus aller Welt» Mut gezeigt und dafür gesorgt, dass die Passagiere das Schiff verlassen. Sie hätten den Leuten gesagt, nicht mehr in die vollen Rettungsboote zu steigen - «aber diese stiegen trotzdem ein».

Als das Schiff offenbar wegen eines eigenmächtigen, waghalsigen Manövers des Kapitäns einen Felsen vor der Insel Giglio rammte, waren rund 4230 Menschen an Bord. Elf Leichen wurden bislang geborgen, 21 Passagiere galten noch als vermisst. Die Staatsanwaltschaft wirft Kapitän Schettino unter anderem fahrlässige Tötung vor. Derzeit steht er bei sich zu Hause in Meta südlich von Neapel unter Hausarrest. Sein Anwalt kündigte heute jedoch an, gegen die Entscheidung Beschwerde einzulegen.

Rettungsarbeiten wieder aufgenommen

An einem Teil der Costa Concordia sind heute die Rettungsarbeiten wieder aufgenommen worden. An der Seite, die aus dem Wasser herausrage, seien seit dem späten Nachmittag wieder Rettungskräfte auf der Suche nach den Vermissten im Einsatz, da sich das Schiff stabilisiert habe, teilte ein Sprecher der italienischen Marine mit.

Die Arbeiten unter Wasser könnten Taucher indes nicht vor Samstag wieder aufnehmen. Vermisst wurden nach dem Unglück vor einer Woche noch immer mehr als 20 Menschen. Elf Tote wurden bislang geborgen. Das havarierte Schiff droht, in tiefere Gewässer abzurutschen und vollständig zu sinken.

Experten befürchten, dass bei stärkerem Wellengang das havarierte Schiff aus seiner jetzigen Position abrutschen und vollständig sinken könnte.

Überlebende verklagen Reederei

Deutsche Überlebende der Katastrophe fordern Schadenersatz vom Reiseveranstalter und der Reederei. Zwei Ehepaare und eine Frau aus Nordrhein-Westfalen reichten bereits Klage ein, wie Bild.de heute unter Berufung auf einen Anwalt der Geschädigten berichtete. Die fünf betroffenen Passagiere klagen demnach auf Schadenersatz und Schmerzensgeld.

Insgesamt gehe es um eine Summe von rund 78'000 Euro. «Eines der Ehepaare verlor bei der Tragödie Kleidung, Schmuck und andere Wertgegenstände im Wert von rund 41'000 Euro», zitierte das Online-Portal den Anwalt. Zusätzlich zum Schadenersatz seien pro Person 2500 Euro Schmerzensgeld für den teils noch anhaltenden Schockzustand zu rechnen, ausserdem Entschädigungszahlungen für «entgangene Urlaubsfreuden».

Die Geldforderungen wurden den Angaben zufolge zunächst an die bayerische Reisefirma gerichtet, bei der die Touristen ihre Kreuzfahrt gebucht hatten. Diese werde die Klage an die Reederei Costa Crociere weiterreichen.

AFP/ dapd/kle

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch